Es gleicht sich immer mehr an, die Zahl von Ausbildungsstellen und Bewerbern. Und doch finden sie lange nicht immer zusammen.
»Der Wandel zum Bewerbermarkt hält ungebremst an«, weiß Ulrich Käser, Leiter der Agentur für Arbeit Aachen-Düren. 750 Stellen konnten im letzten Ausbildungsjahr nicht besetzt werden, obwohl noch 346 Bewerber ohne Job sind. »Angebot und Nachfrage passen in der Praxis oft nicht zusammen«, so Köser. Gründe können darin liegen, dass die Jugendlichen nicht über die von Arbeitgebern geforderten Schulabschlüsse oder Noten verfügen, der gewünschte Ausbildungsplatz im näheren Umkreis nicht zur Verfügung steht oder die angebotenen Ausbildungsberufe nicht den Wünschen der Jugendlichen entsprechen.
Im Zeitraum Oktober 2018 bis September 2019 wurden dem gemeinsamen Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcentern 7.347 Ausbildungsstellen gemeldet, 382 (+5,5 Prozent) mehr als im Vorjahr. Im abgeschlossenen Beratungsjahr wurden 7.800 jugendliche Bewerber durch die Ausbildungsvermittlung der Arbeitsagentur bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützt. Das sind 303 (-3,7 Prozent) weniger als im Vorjahr.
2207 Lehrverträge verzeichnet die Handwerkskammer Aachen (HWK), was ein leichtes Minus von acht Lehrrollen bedeutet. Davon spüren die Betriebe im ehemaligen Kreis Aachen nichts - denn sie konnten sechs Prozent mehr Lehrlinge einstellen. Besonders Meisterbetriebe sind darauf bedacht, sich frühzeitig um den Nachwuchs zu kümmern, weiß HWK-Geschäftsführer Georg Stoffels. Das sind Betriebe wie »Nobis Printen e.K.«, die Gastgeber der Jahresbilanz auf dem Ausbildungsmarkt war.
Jeder zehnte Mitarbeiter ist Azubi
»Wir bilden aktuell 39 junge Menschen zu Bäckern, Fachverkäufern und Bürokaufleuten aus. Wir würden es noch mehr tun, wenn es geeignete Bewerber gebe«, bedauert Bäckermeister Michael Nobis. Sein Ziel ist, dass zehn Prozent der Belegschaft Auszubildende sind. »Wir bezahlen übertariflich - daran liegt es nicht.« 842 Mitarbeiter beschäftigt er in 40 Filialen in der Region.
»Karriere mit Lehre« - mit diesem Slogan wirbt Heike Borchers, Geschäftsführerin bei der Industrie- und Handelskammer Aachen (IHK), um junge Auszubildende. »Bis 2025 fehlen uns 6000 Fachkräfte, aber nur 1700 Akademiker«, weiß sie. »Eltern bestimmen die Berufswahl oft mit. Wir können nur immer wieder appellieren, den Jugendichen ihren Fähigkeiten und Interessen gemäß den Weg zu ebnen«, erklärt die Geschäftsleiterin für Personal und Ausbildung bei der IHK. 4400 Ausbildungsverträge seien in diesem Jahr geschlossen worden, aber 29 Prozent der Betriebe im Kammerbezirk hätten nicht alle Stellen besetzen können. »13 Prozent haben überhaupt keine Bewerbungen bekommen«, bedauert Borchers.
Alle Fachleute stellen dabei fest, dass die richtige Motivation für den Job wertvoller ist als die passende Schulnote. »Gehalt und Aufstiegschancen stehen übrigens längst nicht mehr auf Platz eins«, weiß Ulrich Käser. »Ein gutes Arbeitsumfeld und ein harmonisches Work-Life-Balance sind wichtigere Faktoren.«
Weiter Kontakt halten
Jugendliche, die noch eine Ausbildungsstelle suchen, sollten unbedingt Kontakt mit der Agentur für Arbeit aufnehmen, bzw. halten. Auch Betriebe, die noch Auszubildende suchen, sollten sich mit der Arbeitsagentur in Verbindung setzten. Freie Stellen nimmt die Ausbildungsvermittlung unter der Rufnummer der bekannten Ansprechpartner im gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Agentur für Arbeit und Jobcenter entgegen. Alternativ kann die gebührenfreie Hotline 0800 4 5555 20 genutzt werden.