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Was die Krise mit der Psyche macht

In Rheinland-Pfalz ist jeder Achte von Depressionen betroffen. Durch die Pandemie spitzt sich die Situation zu. Forscher der Uni Trier nehmen nun die Auswirkungen auf Kinder unter die Lupe.
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Vieles zum neuen Coronavirus SARS-CoV-2 ist weiterhin unbekannt. Wissenschaftler untersuchten daher jetzt den Zusammenhang mit psychiatrischen sowie neuropsychiatrischen Erkrankungen und Coronaviren. Sie kamen zu folgendem Schluss: Eine Infektion mit Corona kann zu psychischen Erkrankungen wie Angststörungen, Schlaflosigkeit, depressiven Verstimmungen oder Gedächtnisproblemen führen.
Aber nicht nur Menschen, die tatsächlich mit dem Virus infiziert sind oder waren leiden unter psychischen Folgen. Die Krise wirkt sich auch auf das Wohlbefinden Nichtinfizierter aus. Durch Isolation, Streit in der Familie, Existenzängste durch Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit oder Insolvenz haben Menschen besonders stark mit psychischen Belastungen zu kämpfen.
»Es handelt sich aktuell tatsächlich um eine nie dagewesene Krise, in der es um die gesundheitliche und finanzielle Existenz aller geht. Das führt zu Ohnmacht und Hilflosigkeit und diese bedeuten Dauerstress«, erklärt Dr. Stephanie Grabhorn, Chefärztin der psychosomatischen Privatklinik Blomenburg in Selent bei Kiel. »Das Gehirn strebt Kontrolle an und kennt nur zwei Modi: Kämpfen oder Flüchten! Wenn beide Optionen ausfallen, finden wir uns in einer Pattsituation wieder, die eine ganze Flut von Gefühlen auslösen kann – je nach Situation und Persönlichkeit: Einige Menschen reagieren mit Angst und Panik, andere mit Rückzug, Depression, Trauer oder Wut. Andere werden aggressiv und rebellieren«, sagt Dr. Grabhorn. Keine Kontrolle über die eigene körperliche Sicherheit zu haben, kann einen chronisch erhöhten Angstpegel zur Folge haben. »Wir erwarten während und nach der Corona-Krise eine Zunahme von Depressionen und Angststörungen«, so Dr. Grabhorn.
Was sich durch die Pandemie jetzt noch einmal zuspitzt, ist bereits seit Jahren ein ernstzunehmendes Problem. Laut Daten der KKH Kaufmännische Krankenkasse leiden in Rheinland-Pfalz immer mehr Menschen an Depressionen, mittlerweile jeder Achte in Rheinland-Pfalz. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die Betroffenen fühlen sich niedergeschlagen, sind erschöpft und können von Schlaflosigkeit, Selbstzweifeln, Schuldgefühlen und Konzentrationsstörungen geplagt sein. »Eine Depression ist eine schwere Krankheit, die im schlimmsten Fall tödlich enden kann. Deshalb muss sie so früh wie möglich behandelt werden«, betont Klaus Haßler vom KKH-Serviceteam in Trier.
Es gebe Hinweise darauf, dass gegen das erhöhte Stresslevel durch die Pandemie möglicherweise körperliche Aktivität und das Aufrechterhaltung einer täglichen Routine bezüglich Schlafrhythmus und Mahlzeiten hilfreich sein könnten, sagt Laura Bastgen. Sie beschäftigt sich in einem Team an der Uni Trier mit den Auswirkungen der Corona-Krise auf die Psyche von Kindern.

Studie: Wie erleben Kinder den Corona-Stress?

Die Abteilung Biologische und Klinische Psychologie der Universität Trier untersucht, wie Kinder in ihrem Stresserleben durch die aktuelle Situation beeinflusst werden und welche Auswirkungen das »Social Distancing« möglicherweise hat. Die Forscher stellen Kindern und Eltern online Fragen zu ihrem Stresserleben und Wohlbefinden. Gefragt wird auch nach den Erfahrungen mit Homeoffice und Homeschooling sowie nach den Eindrücken vom sozialen Miteinander. Im Ergebnis soll die Studie aufzeigen, wo sich besondere Belastungen ergeben und welche Aspekte sich eventuell positiv auf das Wohlbefinden und Stresserleben auswirken können - was also die Kinder vor zu hoher Stressbelastung schützen kann.


  • Infos zur Studie auf der Uni-Website oder unter dem Link:  ww2.unipark.de/uc/008_Kids_Stress/1a1f/
  • Infos zum Umgang mit Stress auf der Facebookseite des Forschungsprojekts: www.facebook.com/KidsundStress
  • Fragen oder Rückmeldungen an: biostudien@uni-trier.de oder unter bastgen@uni-trier.de

Hilfreiche Literatur bei Depressionen:
  • »Ratgeber Depression. Informationen für Betroffene und Angehörige« von Martin Hautzinger (2018)
  • »Depression – 100 Fragen, 100 Antworten« von Pierre Dinner (2019)

(bil)