Ein Herz für krebskranke Kinder und Blinde

Bilder aus Vaters Erbe für einen guten Zweck verkauft

Roetgen. Als Johann Nikolaus Schlenter im Juni 1927 in Friesenrath das Licht der Welt erblickte, muss ihm das Talent zum Malen in die Wiege gelegt worden sein. Zunächst aber liebte er es ein wenig deftiger.

Als er in Aachen eine Lehre als Blechschlosser antrat, waren es „härtere Sachen“, mit den er es künftig zu tun haben würde. „Ich weiß noch gut, mein Vater bastelte an alten Autos herum“, erzählt Sohn Karl-Heinz Schlenter. Ausrangierte Autos wieder auf Vordermann zu bringen, das habe seinen Vater, der seit den 1950er Jahren in Roetgen zu Hause war, Freude bereitet. Später siedelte er sich im niederländischen Kerkrade an. Die Liebe hatte ihn über die Grenze verschlagen, weiß sein Sohn.

„Als mein Vater ab 1992 in den Ruhestand ging, flammte in ihm mit 62 Jahren das Talent zur Malerei auf“, so Karl-Heinz Schlenter. Der rüstige Rentner entpuppte sich als Autodidakt, bewaffnete sich mit Pinsel, Farbe und Palette, frönte künftig einem Hobby, in das er regelrecht aufging und Freizeit investierte: Die Malerei. Schon seine ersten Werke ließen klar erkennen, der Mann hat was drauf. Johann Nikolaus Schlenter trat dem Malerclub „Conte and Color Painting Association“ in Kerkrade in der Abtei Rolduc bei. „Er malte, malte und malte“, lachen Sohn Karl-Heinz Schlenter und seine Frau  Marlene. Nicht nur, dass aus seinen Händen hübsche Motive auf  Leinwände produziert wurden, der Mann war fortan gefragt, sein Fachwissen sollte jungen Talenten dienen, ihm nachzueifern. „Ein Professor aus Maastricht hat meinen Vater gebeten, ihnen Tipps zu vermitteln und sie zu unterrichten“, erzählt Karl-Heinz-Schlenter.

Schlenters Bilder waren seinerzeit schon eine Augenweide, etwas Besonderes. „Landschaften und Stillleben hatten es ihm angetan“, ist zu hören. Und der Hobby-Künstler ließ es sich nicht nehmen, die Kapelle in Friesenrath, seines Geburtsortes, zu verewigen, und Landschaften aus der Eifel komplettierten sein künstlerisches Angebot.

Insgesamt brachte er es auf 120 hübsche, ansprechende Werke, die er bis ins hohe Alter mit 85 Jahren noch malte. Auch Nachbildungen berühmter Künstler befinden sich unter den „Schlenter“-Bildern, so von dem deutschen Maler Albrecht Dürer, dem Franzosen Claude Monet („Japanische Brücke“, „Mohnfeld“). „Ihn hatten es aber hauptsächlich die Motive holländischen Meister angetan“, erinnert Marlene Schlenter. Auch sie malte früher ein wenig mit Kohle, eher bescheiden: „Ich bin nie an meinen Schwiegervater ran gekommen“, gesteht sie. Der befasste sich mit Cornelius Springer, einem niederländischen Romantiker, der sogar die Marktplätze von Braunschweig und Lübeck zu Motiven auserwählt hatte. Besonders bekannt von ihm sind der „Zuiderhavendijk in Enkhuizen“ oder eine „Fantasie-Ansicht von Antwerpen“. Und von diesem Springer sind heuer noch einige Werke vorhanden.
Karl-Heinz Schlenter lacht: „Das ist kurios, er hat nicht ein einziges der Bilder ausgestellt oder je verkaufen wollen.“ Und so hat sich ein kostbarer Fundus angesammelt, der nach dem Tode von Johann Nikolaus Schlenter im Jahre 2018 in den Besitz seines Sohnes überging. „Ich habe mich sehr gefreut, aber was soll ich mit so vielen Bildern anfangen“, sagt Schlenter. Er hatte mit seiner Frau die Idee, sie in der Advents- und Weihnachtszeit in Roetgen zu verkaufen. Das Ortskartell Roetgen leistete Hilfestellung bei der Beschaffung der Räume im Pfarrheim „De Kerchbröck“ sowie während des Roetgener Weihnachtsmarktes. „Wir wollten etwas Gutes tun“, sei das Ziel gewesen. Und die Idee sei gut eingeschlagen. Zehn Bilder fanden ihre Liebhaber, die Kasse klingelte. Es wurde zudem eine Spendenbox aufgestellt, die sich auch gut füllte. Das teuerste Foto habe 250 Euro eingebracht.
Der Kassensturz erwies sich als positiv. Je 920,55 Euro gehen an den Förderkreis „Hilfe für krebskranke Kinder“ e. V. Aachen und die CBM Christoffel-Blindenmission Deutschland e.V.

Zur Spendenübergabe war Peter Schanz, Vorsitzender des Förderkreises nach Roetgen gekommen, um sich für die großzügige Spende zu bedanken. Er wies darauf hin, wie wichtig es sei, solche Hilfen zu bekommen, um große Aufgaben erfüllen zu können. Man wolle von Krebs betroffenen Kindern und ihren Eltern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. „Wir haben vor, auch in diesem Jahr wieder eine solche Aktion zu starken“, beteuern Marlene und Karl-Heinz Schlenker. Beide suchen nach geeigneten Möglichkeiten dafür.

Schöne Restbilder noch im Fundus

Wer ein gutes Werk tun möchte, die Schlenkers haben noch einige hübsche Bilder mit netten  Motiven, die zu haben sind. Interessenten wenden sich per E-Mail an karl-heinz-schlenter@t-online.de

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.