Villa Otrang wieder für Besucher geöffnet

Fliessem. Mehr als 50 interessierte Bürger waren der Einladung durch die GDKE (Generaldirektion Kulturelles Erbe) in den Pfarrsaal in Fließem gekommen. Dr. Karl-Uwe Mahler informierte über die getätigten und die noch geplanten Arbeiten an der Villa Otrang.

Zwei Jahre war die Anlage für die Öffentlichkeit geschlossen. In dieser Zeit waren Handwerker und weitere Fachleute tätig, um Reparatur- und Restaurationsarbeiten durchzuführen. Der Umbau ermöglicht die Besichtigung der Mosaike, welche durch Einbauten von Wänden mit großen Fenstern geschützt werden. Diese Wände zeigen jetzt die ursprüngliche Raumaufteilung. Die Mosaike wurden gereinigt und repariert und erstrahlen in einem neuen Licht. Selbstverständlich ist die Anlage barrierefrei, eine Rampe wurde installiert, Ruhebänke aufgestellt. Neben den handwerklichen Arbeiten wurde zudem ein neues Konzept entwickelt.

Fertig sind die Umbaumaßnahmen an der Villa Otrang allerdings nicht. Es fehlen sowohl innen als auch außen noch Infotafeln. Diese sollen mehrsprachig (in Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch) und so beschaffen sein, dass Besucher immer sehen, an welcher Stelle der Anlage sie sich gerade befinden. Die einzelnen Gebäude werden bezeichnet, und es wird Infos über die landwirtschaftliche Nutzung der Anlage geben.

Besichtigung

Ab sofort kann die Villa Otrang auch wieder besucht werden. Zwei Schutzhäuser sind zugänglich. Sie sind geöffnet von Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. In diesem Zeitraum sind Einzelbesuche möglich, ohne Führung. Regelmäßig gibt es eine öffentliche Führung am letzten Sonntag des Monats um 11 Uhr. Gruppen können qualifizierte Gästeführer bei der Tourist-Info in Bitburg buchen. Insbesondere für Schulklassen ist ein museumspädagogisches Konzept entwickelt worden. Themen wie Wohnen, Badeanlagen, Landwirtschaft, Religion, Restaurierung der Mosaike und römische Villen im hiesigen Raum sind vorbereitet.

Ein Schwachpunkt ist die Gastronomie, für die es noch kein Konzept gibt. Eine sogenannte kleine Lösung könnte die Aufstellung eines Imbisswagens mit kleiner Karte sein, verlässlich zu den Öffnungszeiten der Anlage in Betrieb. "Eine solche Lösung wäre mir lieb, um ein Angebot vor Ort zu haben", so Dr. Karl-Uwe Mahler, der um Ideen und Vorschläge zur Lösung der Gastronomiefrage bittet.

Geschichte

Die Villa Otrang gilt als eine der größten und am besten erhaltenen römischen Villenanlage nördlich der Alpen. Zu besichtigen sind zahlreiche Mosaikfußböden, welche die ca. 66 Räume der riesigen Anlage ausschmückten. Sie wurde um das erste Jahrhundert n. Chr. Erbaut und erstreckte sich über ein Areal von ca. 379 Metern Länge und 132 Metern Breite. Die Grabungsfunde belegen eine umfassende Erweiterung der Villa in der Mitte des zweiten Jahrhunderts, die mit steigendem Wohlstand in der Region einhergeht. Die Anlage umfasste neben dem eindrucksvollen Herrenhaus mehrere Bäder, eine Heizungsanlage (Hypokausten) sowie einen Tempelbezirk auf der gegenüberliegen Talseite. Eine Hoffläche und kleinere Wirtschafts-Gebäude lassen landwirtschaftliche Arbeiten nachweisen. Die Villa Otrang war bis ins vierte Jahrhundert bewohnt, darauf folgt ihre teilweise Zerstörung durch die Franken. Auf ihre Entdeckung im 19. Jahrhundert folgte die Sicherung und Erforschung der erhaltenen Gebäudefragmente durch Schutzhäuser, die ihrerseits heute unter Denkmalschutz stehen.

Foto Th. Zühmer

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