Teurer Weg zum Impfen – Wer weit weg wohnt, hat Pech

Winterscheid. Wer einen Impftermin bekommen hat, steht vor der nächsten Hürde: Kann er sich die Fahrt dorthin überhaupt leisten?

Wer über 80 ist und von zuhause aus zum Impfzentrum möchte, hat möglicherweise ein Problem: Kein Auto und niemanden, der ihn fahren kann. Also Taxi. Wer aber weit entfernt vom Impfzentrum wohnt, hat mit horrenden Kosten zu rechnen. Wie Christian Peters. Der 89-Jährige lebt in Winterscheid an der belgischen Grenze. Er müsste nach Bitburg zum Impfzentrum. Das sind hin und zurück rund 100 Kilometer. Nach Auskunft eines Prümer Taxiunternehmers kostet die Fahrt 145 Euro. Für Christian Peters und seine 90-jährige Ehefrau wären das für die Erst- und Zweitimpfung acht Fahrten, weil sie keinen gemeinsamen Impftermin bekommen – macht 580 Euro pro Person. Die Krankenkasse hat die Kostenübernahme abgelehnt.

Das Ehepaar Peters ist zwar schwerbehindert, erfüllt aber trotzdem nicht die Kriterien, die die Krankenkassen für eine Fahrkostenerstattung vereinbart haben. Bezahlt werden die Fahrten zum Impfzentrum bei Personen, die laut ihrem Schwerbehindertenausweis eine außergewöhnliche Gehbehinderung haben (Kürzel aG), blind (Bl) oder hilflos (H) sind. Die Kostenübernahme gilt auch für Menschen mit Pflegegrad 3 und Mobilitätseinschränkung und für Menschen mit Pflegegrad 4 oder 5.
Christian Peters und seine Frau fallen durch dieses Raster. Wie viele andere, die Hilfe benötigen. Der 89-Jährige ist stocksauer. »Es wird viel über Schutzbedürftige geredet, die zuerst geimpft werden sollen. Aber hier sieht man, wieviel die alten Leute denen wirklich wert sind«, ärgert er sich über die Corona-Politik. »Es ist davon auszugehen, dass dem Großteil der Bevölkerungsgruppe über 80 Jahren eine Fahrt zum Impfzentrum entweder selbst oder mit Hilfe Anderer ins Impfzentrum möglich ist«, reagiert die Kreisverwaltung auf Nachfrage. Peters sieht das anders: Die Politik könne nicht erwarten, dass Verwandte oder Nachbarn als Chauffeure zu Hilfe eilen. »Das ist eines Staates unwürdig«, findet der Senior. Es sei auch gar nicht immer möglich, wenn die Kinder weit weg leben und die Nachbarn berufstätig sind.  Wer also nicht zum Impfzentrum kommt, muss warten, bis ihn sein Hausarzt impfen kann. Das wird dauern. »Der Beginn des Einsatzes im häuslichen Bereich ist auch aufgrund der momentanen Engpässe der Lieferkapazitäten nicht vor Ende Februar planbar«, heißt es aus der Kreisverwaltung. Und sie bestätigt, was als Problem hinzukommt: »Kostenlose oder subventionierte Beförderungen werden von Bund und Land nicht angeboten.«

(bil)

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