

Noch bis Sonntag, 14. September, ist im Konvikt in Prüm die Ausstellung "Ungefiltert – Innere Welten im Dialog mit der Seele" zu sehen. Organisiert wurde sie vom Gesundheitsamt der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm. Entstanden ist das Projekt aus einem Aufruf des Gesundheitsamtes im vergangenen Herbst. Menschen mit psychischen Erkrankungen und Angehörige waren eingeladen, eigene künstlerische Arbeiten einzureichen. Zu sehen sind Gemälde, Grafiken und Fotografien. Die Werke setzen sich mit persönlichen Erfahrungen und inneren Erlebniswelten auseinander. Gefühle und Zustände, die sich häufig nur schwer beschreiben lassen, werden durch die Bilder sichtbar.
Auch Carina Ewen, gebürtig aus Bitburg, beteiligt sich an der Ausstellung. Für ihre Werke hat sie unter anderem mit Glitzeraquarell gearbeitet. Entstanden seien die Bilder aus unmittelbaren Impulsen heraus, erzählt die 40-Jährige: "Ich habe in dem Moment das gemalt, was aus mir heraus kam." Dinge, die sie manchmal nicht in Worte fassen könne, habe sie in den Bildern verarbeiten können.
Ewen hat nach eigenen Angaben selbst eine depressive Phase infolge von Erschöpfung erlebt. Ihre Teilnahme an der Ausstellung war dennoch mit einer persönlichen Hürde verbunden. "Tatsächlich davor, dass die Werke öffentlich ausgestellt werden", sagt sie auf die Frage, wovor sie am meisten Respekt gehabt habe. Schließlich werde mit einem solchen Werk auch ein Teil des eigenen Inneren öffentlich.
Gerade diese persönliche Ebene ist für Ewen ein wichtiger Teil der Ausstellung. "Diejenigen, die ihre Werke dort präsentieren, sagen im Endeffekt: Ja, ich habe unter einer psychischen Erkrankung gelitten oder leide immer noch." Sie sieht darin zugleich eine Möglichkeit, über psychische Erkrankungen ins Gespräch zu kommen und sie sichtbarer zu machen.
Zwei Bilder zeigt Ewen im Rahmen der Ausstellung. Außerdem stellt sie ihr Buch "Herzvogel" vor. Darin geht es um eine an ME/CFS erkrankte Mutter, die ihren Kindern mit einem Bilderbuch erklären möchte, wie sich ihre Erkrankung auf ihren Alltag auswirkt. "Wie sonst kann man Kindern erklären, wieso Mama ganz leise wird?", beschreibt Ewen den Ausgangspunkt. Die Figur des Herzvogels sei anschließend in der Familie immer wieder zum Gesprächsthema geworden.
Auch deshalb möchte Ewen mit ihrer Teilnahme an der Ausstellung einen Impuls geben. "Viele Menschen sprechen erst über psychische Erkrankungen, wenn sie selbst betroffen sind", sagt sie. Sie hoffe, dass das Thema Anklang finde und "wie der Herzvogel in die Welt hinausfliegt."
Was Besucherinnen und Besucher in ihren Bildern erkennen, möchte Ewen dabei nicht vorgeben. "Ich bin tatsächlich sehr daran interessiert zu hören, was die Menschen über meine Bilder sagen. Jeder betrachtet Bilder ja aus einem anderen Blickwinkel."
Der Sozialpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes möchte mit der Ausstellung zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen beitragen. Zugleich soll die Schau zeigen, welche Rolle Kunst als Ausdrucks- und Kommunikationsmittel spielen kann. Begleitend bietet der Sozialpsychiatrische Dienst Vorträge, eine Filmvorführung und eine Schreibwerkstatt an. Ewen wünscht sich von den Besucherinnen und Besuchern vor allem Offenheit: Sie sollten ihren Horizont erweitern und psychische Erkrankungen auch aus anderen Blickwinkeln betrachten.




