Julia Borsch

Wie wir unsere innere Heimat finden: Stefanie Stahl im Interview

Bitburg/Region (bor). »Innere Heimat findet man, wenn man in Freundschaft mit sich selbst lebt«, erklärt Stefanie Stahl im Interview. Die Psychologin und Bestsellerautorin gastiert am 24. April beim Eifel-Literatur-Festival in Bitburg.

Beststellerautorin Stefanie Stahl liest am Freitag, 24. April, beim Eifel-Literatur-Festival in Bitburg. Im Interview spricht sie über Wahlheimat und innere Freundschaft.

Beststellerautorin Stefanie Stahl liest am Freitag, 24. April, beim Eifel-Literatur-Festival in Bitburg. Im Interview spricht sie über Wahlheimat und innere Freundschaft.

Bild: © Susanne Wysocki

Stefanie Stahl (62) hat mit ihrem Bestseller »Das Kind in dir muss Heimat finden« ein Millionenpublikum erreicht und die Begriffe des Schatten- und Sonnenkindes fest im öffentlichen Diskurs verankert. Nun steht auch die Verfilmung des Erfolgsbuches bevor. Im Gespräch mit dem WochenSpiegel verrät sie die anhaltende Faszination ihres Konzepts, die Herausforderung der filmischen Umsetzung und die Frage, was »Heimat« im psychologischen Sinne eigentlich bedeutet.


WochenSpiegel: Frau Stahl, Sie sind in Hamburg geboren, haben in Trier Psychologie studiert und leben heute noch in der Region. Was hat Sie damals nach Trier geführt und was hat Sie dazu bewogen, in der Region zu bleiben?

Stefanie Stahl: »Ich habe in Trier einen Studienplatz erhalten und bin von Hamburg hierher, um mir die Stadt anzuschauen. Trier hat sich damals auch bei bestem Wetter präsentiert. Ich wohne gerne an der Mosel. Trier und die gesamte Region empfinde ich als eine der schönsten Deutschlands. Die Stadt Trier ist meine Wahlheimat und ich komme hier auch nicht mehr weg.«

Der Begriff »Heimat« ist bereits im Titel Ihres Bestsellers »Das Kind in dir muss Heimat finden« verankert. Was bedeutet Heimat für Sie ganz konkret?

Stefanie Stahl: »Der Begriff »Heimat« hat zwei Ebenen: das Äußere und das Innere. Die äußere Heimat ist tatsächlich da, wo man sich am meisten zu Hause fühlt, und auch da, wo man herkommt. Die innere Heimat ist die, in der man in Freundschaft mit sich selbst lebt. Viele Menschen haben ein schlechtes Verhältnis zu sich selbst, leben nach negativen Glaubenssätzen und haben deswegen kein freundschaftliches Verhältnis zu sich selbst. Innere Heimat hat man gefunden, wenn man sagen kann: »Och, ich bin eigentlich ganz in Ordnung, so wie ich bin«.«

In einer eher ländlich geprägten Region kennt man sich oft ... Nähe und soziale Kontrolle liegen dicht beieinander. Beeinflusst ein solches Umfeld die Entwicklung des »Schatten-« oder »Sonnenkindes«?

Stefanie Stahl: »Das finde ich schwer zu sagen - vielleicht indirekt. Auf dem Dorf ist die soziale Kontrolle höher, man hat oft weniger Autonomie und einen höheren Anpassungsdruck. Dafür aber auf der anderen Seite auch mehr Einbindung und Bindung.

Jemand, der immer im dörflichen Umfeld aufgewachsen ist und dort auch geblieben ist, wird somit indirekt geprägt. Das kann natürlich schon mal in Form eines gewissen Anpassungsdrucks an die nächste Generation weitergereicht werden.«

»Das Kind in dir muss Heimat finden« ist schon seit vielen Jahren auf der Bestsellerliste. Worauf führen Sie das zurück?

Stefanie Stahl: »Weil es so vielen Leuten hilft. Im Grunde genommen ist mein Buch eine »Problemlösestruktur«. Jeder kann sein persönliches Problem mithilfe eines ganz klaren Programms bearbeiten. Das ist wie »Psychologie zum Selbermachen«. Langanhaltender Erfolg von Büchern funktioniert durch Mund-zu-Mund-Propaganda und das ist bei meinem Buch der Fall. Es gibt Millionen Menschen, die sich mit dem Buch neu aufgestellt haben und ihre Probleme gelöst haben.«

Ihr Bestseller wird nun auch verfilmt. Welche Aspekte sind filmisch besonders schwierig einzufangen?

Stefanie Stahl:
»Der Hauptaspekt, nämlich die inneren Schattenkinder. Diese werden in Form von Kinderschauspielerinnen und -schauspielern auch im Film zu sehen sein. Wann tauchen sie auf? Wie reden sie? Wie interagieren sie mit dem erwachsenen Ich? Das waren die größten Herausforderungen beim Schreiben des Drehbuchs.«

Was bedeutet Ihnen die Verfilmung persönlich? Vielleicht gibt es ja auch schon einen Erscheinungstermin ...?

Stefanie Stahl
: »Ich finde das sensationell und bin total aufgeregt, dass mein Bestseller in die Kinos kommt. Wenn der Film richtig gut wird, erreicht man damit unheimlich viele Menschen. Und wenn er nicht so gut ankommt, muss man sich auch der Kritik stellen. Wir gehen davon aus, dass der Film im Frühjahr 2027 erscheint.«

Sie gastieren in wenigen Wochen beim Eifel-Literatur-Festival. Was bedeutet es Ihnen, dabei sein zu dürfen?

Stefanie Stahl:
»Ich freue mich total darüber, dabei sein zu dürfen. Die Grundidee von Dr. Josef Zierden war ja eigentlich immer, Autorinnen und Autoren einzuladen, die die Umgebung hier nicht so oft sieht. Insofern ist es für mich eine Ehre, als Wahl-Triererin beim Eifel-Literatur-Festival lesen zu dürfen. Ich werde versuchen, so viel Psychologie alltagsnah und schnell verstehbar dem Publikum vorzustellen - mit Alltagsbeispielen, bei denen sich jeder wiedererkennen kann. Vielleicht fühlt sich der ein oder andere ja ertappt und merkt: »Ja, das trifft auch auf mich zu ...«


Das Interview führte Julia Borsch

 

Info

  • Was? Lesung mit Stefanie Stahl beim Eifel-Literatur-Festival
  • Wann? Freitag, 24. April, 20 Uhr (Einlass um 19 Uhr)
  • Wo? Bitburger Stadthalle
  • Tickets gibt es hier oder an der Abendkasse