

An diesem heißen Sommertag treffen wir einen Teil des Organisationsteams genau hier zum Gespräch. Im Schatten, mit einem kühlen Getränk in der Hand, wird schnell deutlich: Hinter der entspannten Atmosphäre stecken Monate intensiver Vorbereitung.
Viele Hände - ein gemeinsames Ziel
»Seit November sind wir wieder dran«, sagt Gerhard Schiffels, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Dorf ... und meint damit längst nicht nur die aktuellen Vorbereitungen. Denn was Besucher später als stimmungsvolles Wochenende mit historischem Flair und regionalen Spezialitäten erleben bedeutet für die Organisatoren monatelange Arbeit. Anträge müssen gestellt, Ausschankgenehmigungen eingeholt, Dienstpläne geschrieben und Bestellungen koordiniert werden. »Es ist schon viel Arbeit. Alleine die Einkaufslisten – da muss man immer wieder schauen, überlegen, abändern und nachfragen«, beschreibt Lydia Kossendey den organisatorischen Aufwand.
Dabei bleibt es längst nicht beim Papierkram. Erst vor kurzem haben Mitglieder der Dorfgemeinschaft Vereinshaus, Backhaus und weitere Gebäude in Eigenleistung neu gestrichen – trotz der hochsommerlichen Temperaturen. Und selbst wenn scheinbar alles erledigt ist, gibt es immer neue Ideen. »Dann meinst du, du bist fertig – und dann kommt wieder einer und sagt: Das könnten wir doch auch noch machen.« Genau dieser Anspruch habe das Fest über die Jahre immer weiter wachsen lassen.
Und der kleinste Wittlicher Stadtteil wartet mit beeindruckenden Zahlen auf: Rund 200 Helfer sorgen am Festwochenende dafür, dass alles reibungslos funktioniert. Im engeren Organisationsteam engagieren sich etwa 30 Ehrenamtliche. Für die Gäste werden fünf Zentner selbst hergestellter Spießbraten – rund 30 Meter am Spieß –, drei Zentner handgemachter Kartoffelteig für Reibekuchen und rund 1.000 Eier verarbeitet. Hinzu kommen mehr als 550 Füllungen für die traditionellen gefüllten Klöße, die längst vorbereitet im Gefrierschrank auf ihren Einsatz warten. An zehn Essens- und Getränkeständen werden außerdem rund 100 gespendete Kuchen sowie zahlreiche weitere Spezialitäten angeboten. Erfahrungsgemäß in zwei Tagen alles restlos ausverkauft...
Tradition trifft neue Ideen
Auch das Programm entwickelt sich stetig weiter. Wer übers Festgelände schlendert, kann an rund 30 Ständen altes Handwerk und fast vergessene Arbeitstechniken erleben. Drechsler, Imker, Keramiker, Waschfrauen, Holzkünstler sowie Floristik- und Dekorationsstände zeigen ihr Können. Neu dabei sind in diesem Jahr der historische Händlerwagen der Landscheider »Düppeflicker«, ein Kunstschmied und Mitmachangebote mit Pferden und Ponys für Kinder. Ergänzt wird das Angebot durch einen großen Strohspielplatz. Ein musikalischer Höhepunkt ist das Konzert der »Spirit of the Highlands Pipes and Drums« aus Grevenmacher am Sonntagvormittag. Die Wurzeln des Historischen Dorffestes reichen bis zur 1050-Jahr-Feier des Stadtteils im Jahr 2002 zurück. Aus der damaligen Idee entstand zwei Jahre später die erste Auflage der Veranstaltung. Gerhard Schiffels war der Ideengeber und fand schnell viele engagierte Mitstreiter. Seit 2005 steht er an der Spitze der Dorfgemeinschaft und prägt die Entwicklung des Festes bis heute. Trotz des enormen organisatorischen Aufwands gibt es für die Helfer jedes Mal einen besonderen Moment. „Wenn samstags morgens überall gekocht, gebacken und aufgebaut wird, die Gerüche durchs Dorf ziehen und überall Leben ist – das ist einfach eine ganz besondere Atmosphäre“, sagt Schiffels. Dann werde spürbar, wofür sich die monatelange Vorbereitung gelohnt habe.
Mehr als nur ein Dorffest
Vielleicht ist genau das das Erfolgsgeheimnis des Historischen Dorffestes. Es bewahrt nicht nur alte Handwerkstechniken und Traditionen, sondern lebt vor allem von den Menschen, die sie mit viel Herzblut weitertragen. Dass dies im kleinsten Wittlicher Stadtteil seit mehr als zwei Jahrzehnten gelingt, ist alles andere als selbstverständlich.
Wo Ende August Tausende Besucher zwischen historischen Handwerksständen, alten Landmaschinen und regionalen Spezialitäten flanieren werden, haben sich die Organisatoren zum Gruppenfoto versammelt. Hinter den Kulissen läuft die Vorbereitung des 11. Historischen Dorffestes längst auf Hochtouren. Foto: privat




