Mario Zender

Die Bortolots gehören zu Cochem wie die Reichsburg und die Mosel

Cochem. Die traditionsreiche Eismacherfamilie Bortolot feiert mit zahlreichen Gästen ihr 130-jähriges Bestehen. Die Nachfolge ist gesichert. Mit dem Jubiläum unterstützt die Familie zugleich die Elterninitiative krebskranker Kinder e.V.

Von Mario Zender

Ein Jubiläum der besonderen Art wurde am Donnerstag in Cochem gefeiert: Die Familie Bortolot blickt auf 130 Jahre Eistradition zurück. Zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland, Vertreter der regionalen Politik sowie viele bekannte Gesichter aus Wirtschaft und Gesellschaft kamen zusammen, um dieses außergewöhnliche Familienjubiläum zu würdigen.
Rund um die traditionsreiche Eisdiele herrschte eine festliche Stimmung. Bürgermeister Walter Schmitz gratulierte der Familie Bortolot zu ihrer beeindruckenden Erfolgsgeschichte. Besonders hob er den außergewöhnlichen familiären Zusammenhalt hervor, der über Generationen hinweg die Grundlage für den Erfolg des Unternehmens bilde.
„Die Familie Bortolot hat mit Fleiß, Leidenschaft und einem starken Familiengeist Großes erreicht“, betonte Schmitz. Dabei erinnerte er auch daran, welchen internationalen Ruf das Unternehmen genießt. Nicht ohne Stolz verwies er darauf, dass die Eismacher aus Cochem zu den 50 besten Eisherstellern der Welt gezählt werden.
Wie beliebt das Eis der Bortolots ist, zeigte sich an diesem Tag einmal mehr eindrucksvoll. Lange Schlangen vor der Eisdiele gehörten ebenso zum Bild wie glückliche Besucher mit einer Kugel Gelato in der Hand.
Für Walter Schmitz sind die Bortolots längst ein Stück Cochem geworden. Mit einem Augenzwinkern bezeichnete er die Familie als die „Frühlingsboten der Stadt“. Wenn die ersten Tulpen in Cochem blühten, sei das ein sicheres Zeichen für den Frühling. Ein mindestens ebenso deutliches Zeichen seien jedoch die Bortolots, die nach der Winterpause wieder ihre Türen öffnen und dafür sorgen, dass sich die Warteschlangen vor der Eisdiele bilden.
Der 11. Juni besitzt für die Familie eine ganz besondere Bedeutung. „Es ist genau der Tag, an dem mein Urgroßvater Celeste vor 130 Jahren in Wien offiziell die Erlaubnis zur Herstellung von Speiseeis erhielt“, erklärte Stefano Bortolot. Gemeinsam mit seinem Bruder Dario führt er heute die traditionsreiche Eisdiele in Cochem.
Die Geschichte der Familie begann Ende des 19. Jahrhunderts in den Bergen Norditaliens. Armut und schwierige Lebensbedingungen bewegten viele Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen und als Eispioniere in Europa ihr Glück zu suchen. Zu ihnen gehörte auch Celeste Bortolot, der mit einem Handkarren in Wien seine ersten Eisspezialitäten verkaufte. Aus diesen bescheidenen Anfängen entwickelte sich über fünf Generationen hinweg eine einzigartige Erfolgsgeschichte.
Mit Matteo, Francesco und Maria-Laura steht bereits die nächste Generation bereit. Matteo Bortolot hat seine Ausbildung zum Eishersteller begonnen und setzt damit die Familientradition fort. Die Zukunft des Familienunternehmens scheint damit gesichert.
Trotz moderner Technik ist eines über die Jahrzehnte unverändert geblieben: der Anspruch an höchste Qualität. Noch heute setzt die Familie auf handwerkliche Herstellung und hochwertige Zutaten. Die Klassiker Vanille, Schokolade und Erdbeere gehören nach wie vor zu den beliebtesten Sorten. Gleichzeitig sorgen immer neue Kreationen für Begeisterung bei den Kunden.
Zum Jubiläum stand jedoch nicht nur das Eis im Mittelpunkt. Die Familie stellte ihren Festtag ganz bewusst in den Dienst einer guten Sache. Anstelle von Geschenken baten die Bortolots um Spenden zugunsten der Elterninitiative krebskranker Kinder. Beate Schütze bedankte sich stellvertretend für die Initiative für die großzügige Unterstützung.
Die Familie Bortolot ist längst zu einer Institution geworden und gehört zu Cochem wie die Reichsburg und die Mosel. Seit 130 Jahren steht ihr Name für Genuss, Gastfreundschaft und familiären Zusammenhalt. Dass dies auch in Zukunft so bleiben wird, daran ließ das heutige Jubiläum keinen Zweifel.