Mario Zender

Nächste Hiobsbotschaft für medizinische Versorgung im Kreis Cochem-Zell

Das einzige Krankenhaus im Kreis Cochem-Zell hat angekündigt, zum 30. Juni dieses Jahres, die Belegabteilung für Frauenheilkunde zu schließen.

Das einzige Krankenhaus im Kreis Cochem-Zell hat angekündigt, zum 30. Juni dieses Jahres, die Belegabteilung für Frauenheilkunde zu schließen.

Bild: Zender

WochenSpiegel exklusiv: Nach dem Aus des Zeller Krankenhauses im vergangenen Jahr droht der nächste Einschnitt im ländlichen Gesundheitswesen. Nach Recherchen des Cochemer WochenSpiegel wird im Cochemer Krankenhaus aus Kostengründen eine wichtige Abteilung geschlossen.
Von Mario Zender

Cochem/Kreis. Die Schließung des Klinikums Mittelmosel in Zell im Sommer 2025 hat tiefe Spuren in der Region hinterlassen. Trotz massiver Proteste aus der Bevölkerung wurde der Krankenhausbetrieb eingestellt – mit spürbaren Folgen für die wohnortnahe Versorgung. Nun bringt eine aktuelle Recherche des WochenSpiegel eine neue Hiobsbotschaft ans Licht: Auch das Marienkrankenhaus Cochem steht unter massivem Druck.
Gynäkologie vor dem Aus
Recherchen des WochenSpiegel ergaben, dass im Marienkrankenhaus Cochem aus Kostengründen eine Abteilung geschlossen wird.
Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt die Mariengruppe mit Hauptsitz in Berlin entsprechende Recherchen des Cochemer WochenSpiegel. Demnach wird die Belegabteilung für Frauenheilkunde zum 30. Juni dieses Jahres geschlossen. Als Gründe nennt das Krankenhaus mehrere Faktoren: Zum einen endet die Zusammenarbeit mit dem bisher tätigen Belegarzt, zum anderen verschärfen sich durch die anstehende Krankenhausreform die strukturellen Anforderungen – insbesondere in Bezug auf die dauerhafte Vorhaltung von qualifiziertem Fachpersonal.
»Diese Anforderungen sind für ein Haus unserer Größe und Lage dauerhaft nicht wirtschaftlich zu erfüllen«, betont Pressesprecherin Vivien Vonier auf Anfrage.
Wichtige Säule der Versorgung
Das Marienkrankenhaus ist ein zentraler Bestandteil der medizinischen Infrastruktur an der Mosel. Mit 143 Betten und noch sieben Fachabteilungen – darunter Innere Medizin, Chirurgie, Anästhesie, Urologie und Gynäkologie – stellt es die Grund- und Notfallversorgung für eine ganze Region sicher. Ergänzt wird das Angebot durch moderne Funktionsbereiche wie Radiologie und ein medizinisches Versorgungszentrum.
Gerade nach dem Wegfall des Zeller Krankenhauses hat das Cochemer Haus zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Viele Patientinnen und Patienten aus dem Zeller Land sind seitdem auf die Versorgung in Cochem angewiesen.
Finanzielle Lage angespannt
Doch die wirtschaftliche Situation ist ernst. Für das Jahr 2025 rechnet das Krankenhaus nach WochenSpiegel-Informationen trotz eines Sicherstellungszuschlags mit einem Verlust von 2,5 bis drei Millionen Euro. Die Liquiditätslage gilt als angespannt, langfristige Risiken können nicht ausgeschlossen werden.
Diese Entwicklung ist kein Einzelfall, sondern Teil eines bundesweiten Trends: Viele kleinere Krankenhäuser in ländlichen Regionen kämpfen mit steigenden Kosten, Fachkräftemangel und strukturellen Reformen.
Auswirkungen auf die Region
Die erneute Einschränkung medizinischer Angebote sorgt für wachsende Besorgnis. Bereits die Schließung in Zell führte zu längeren Anfahrtswegen im Notfall – ein Umstand, der laut einem Gutachten des Berliner IGES-Instituts kritisch zu bewerten ist. 
Demnach war der Standort Zell für eine wohnortnahe Notfallversorgung erforderlich.
Sollte sich die Lage in Cochem weiter zuspitzen, drohen ähnliche Konsequenzen: längere Wege, eine höhere Belastung für umliegende Kliniken – und ein spürbarer Verlust an Versorgungssicherheit, insbesondere für ältere und weniger mobile Menschen.
Die Mariengruppe als Träger des Cochemer Krankenhauses bedauert nach eigenen Angaben die Entscheidung zur Aufgabe der Frauenheilkunde. »Wir bedauern diese Entwicklung, sehen jedoch keine verantwortbare Alternative. Die betroffenen Patientinnen wurden und werden rechtzeitig und umfassend über die Einstellung des Versorgungsangebots informiert«, so Pressesprecherin Vivien Vonier. Bericht folgt!