Mario Zender

Streit um Schließung der Realschule Lutzerath eskaliert: »So arbeiten Konkursverwalter«

Der Lutzerather Ortsbürgermeister Günter Welter greift im Streit um die Zukunft der Realschule Lutzerath scharf Landrätin Anke Beilstein an.

Der Lutzerather Ortsbürgermeister Günter Welter greift im Streit um die Zukunft der Realschule Lutzerath scharf Landrätin Anke Beilstein an.

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Der Lutzerather Ortsbürgermeister Günter Welter greift im Streit um die Zukunft der Realschule Lutzerath scharf Landrätin Anke Beilstein an. Die Kreischefin verbittet sich den Vergleich mit "Konkursverwaltern" im Gespräch mit dem Wochenspiegel.

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Lutzerather Bürgermeister kämpft im Streit um den Erhalt der Lutzerather Realschule mit harten Bandagen. Nun geht er erneut frontal die Landrätin an. Und das, obwohl beide in der CDU sind.  Die Kreischefin verbittet sich den "Vergleich". 

Von Mario Zender

Lutzerath. Der Streit um die Zukunft der Realschule plus Vulkaneifel geht in die nächste Runde – und der Ton wird deutlich schärfer. Nachdem nun zunächst die Eltern befragt werden sollen, bevor über die Zukunft des Schulstandortes Lutzerath weiter beraten wird, meldet sich Ortsbürgermeister Günter Welter (CDU) erneut zu Wort. In einer Stellungnahme übt er massive Kritik an Landrätin Anke Beilstein (CDU). Sein Vorwurf: Die Diskussion um eine Schließung des Standortes hätte aus seiner Sicht überhaupt nicht so weit kommen müssen.
Seit Wochen sorgt die mögliche Aufgabe des Realschulstandortes für heftige Diskussionen in Lutzerath, der Verbandsgemeinde Ulmen und darüber hinaus. 
Ausgangspunkt war der Wunsch der Schulgemeinschaft, die bislang auf Ulmen und Lutzerath verteilte Realschule plus künftig an einem Standort in Ulmen zusammenzuführen. Der Ausschuss für Schulen und Kultur des Kreises hatte sich mit sechs Ja-Stimmen, vier Gegenstimmen und zwei Enthaltungen knapp dafür ausgesprochen.
Doch entschieden ist noch nichts. Bevor weitere Weichen gestellt werden, sollen nun die Eltern befragt werden. Genau das bringt Welter auf die Palme. Eine solche Befragung hätte seiner Meinung nach viel früher stattfinden müssen.
Welter sieht vor allem die Kreisverwaltung und Landrätin Beilstein in der Verantwortung. »Das Ganze wäre um Längen einfacher gewesen, hätte man durch die Schließungspläne des Standortes Lutzerath nicht dem Ruf der Schule in den letzten fünf Jahren schon sehr geschadet und so eine Abwanderung der Schülerinnen und Schüler beschert«, sagt Welter.
Der Ortsbürgermeister geht noch weiter. Er wirft der Landrätin vor, bei einer möglichen Aufhebung der sogenannten Dislozierung – also der Verteilung der Schule auf die Standorte Ulmen und Lutzerath – die langfristige Entwicklung der Schülerzahlen nicht ausreichend im Blick zu haben. Nach Daun, Gillenfeld und Cochem könnten bei weiter sinkenden Schülerzahlen irgendwann auch Ulmen Einschnitte drohen, argumentiert er.
Welter verweist auf den demografischen Wandel und fordert eine langfristige Planung. Eine vorschnelle Konzentration auf Ulmen könne seiner Ansicht nach am Ende sogar dazu führen, dass auch dieser Standort unter Druck gerate.
Besonders schwer wiegt für Welter ein weiterer Punkt: Sollte Lutzerath als Schulstandort erst einmal geschlossen sein, hätte die Gemeinde bei späteren Entscheidungen über die Zukunft der Realschule kaum noch Einfluss.
Dann greift Welter die Landrätin frontal an: »Frau Landrätin, so arbeiten Konkursverwalter, aber keine verantwortlichen, vom Volk gewählten Mandatsträger.« Deren Aufgabe sei es, gewachsene Strukturen zu erhalten und nicht »einen Schließmechanismus, Abbau betreiben unter dem Deckmantel des Kindeswohls«.
Harte Worte – zumal Welter und Beilstein beide der CDU angehören. Angesprochen auf die Kritik, mahnt Landrätin Anke Beilstein zu einer sachlichen Debatte – und reagiert damit ebenfalls deutlich auf Welters Attacke.
»Bei einer so weitreichenden Entscheidung dürfen wir uns nicht von lautem Gepolter oder zugespitzten Forderungen beeinflussen lassen. Entscheidend müssen vernünftige, nachvollziehbare und sachliche Argumente sein. Im Mittelpunkt steht dabei allein die Frage, welche Lösung langfristig die beste für unsere Schülerinnen und Schüler und für die Zukunft der Schule ist«, erklärt Beilstein.
Sie weist zudem darauf hin, dass der Wunsch nach einer Zusammenführung nicht vom Landkreis ausgegangen sei. Bereits im Januar 2023 habe die Schulgemeinschaft der Realschule plus Vulkaneifel – bestehend aus Lehrkräften sowie Eltern- und Schülervertretung – die Aufhebung der Dislozierung beantragt. Im März dieses Jahres sei der Antrag nochmals erneuert worden. Als Gründe seien organisatorische und pädagogische Vorteile eines gemeinsamen Standortes genannt worden. Derzeit werden die Klassenstufen 7 bis 10 in Ulmen in kreiseigenen Gebäuden unterrichtet, während die Klassen 5 und 6 in Lutzerath Gebäude der Verbandsgemeinde nutzen. Und Beilstein macht noch einen wichtigen Punkt deutlich: Das letzte Wort hat nicht der Landkreis. Der Kreistag entscheidet zunächst darüber, ob der Antrag auf Aufhebung der Dislozierung bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) gestellt wird. Die abschließende Entscheidung über die Zukunft der beiden Schulstandorte liegt bei der ADD.