Michael Nielen

»Marmor« aus dem Römerkanal

Blankenheim. Prof. Dr. Klaus Grewe zeigt in einem Lichtbildervortrag das steingewordene Wasser aus der römischen Eifelwasserleitung, das zum Schmuckstein der Romanik wurde.
So sehen die abbauwürdigen Kalksinterablagerung im Römerkanal aus, hier in  Kreuzweingarten. 
	Foto: K. Grewe

So sehen die abbauwürdigen Kalksinterablagerung im Römerkanal aus, hier in Kreuzweingarten. Foto: K. Grewe

Bild: K. Grewe

Steingewordenes Wasser als Schmuckstein der Romanik – das klingt zunächst verwunderlich. Doch genau darum geht es in einem Lichtbildervortrag von Prof. Dr. Klaus Grewe am Mittwoch, 21. Januar, im Eifelmuseum Blankenheim. Beginn ist um 19 Uhr.

Für die in der romanischen Zeit gebauten Kirchen, Klöster und Burgen des Rheinlandes hat man nicht nur die Steine der römischen Eifelwasserleitung abgebaut und recycelt. Ein besonderes Ziel dieses mittelalterlichen »Steinraubes« war die Kalksinterablagerung, aus der sich ein ganz besonderer Schmuckstein herstellen ließ.

Das Ausgangsmaterial dieses Schmucksteins war der Sinter, die Kalkablagerung in der römischen Eifelwasserleitung, die in der fast 200-jährigen Betriebszeit der Leitung zu abbauwürdiger Stärke herangewachsen war. Unter den Händen geschickter Steinmetzen wurde aus Kalksinter ein wunderschöner »Aquäduktmarmor«, der in vielen romanischen Kirchen in Mitteleuropa Verwendung fand.

Besonders vertreten ist dieses Material im Rheinland, wo die Transportwege günstig waren. Verhandelt wurde dieser Baustoff in halb Europa: Alle Dome entlang des Hellweges, die Kathedralen von Roskilde in Dänemark und in Canterbury sowie viele Kirchen in den Niederlanden sind mit Säulen, Altar- oder Grabplatten aus Aquäduktmarmor ausgeschmückt.

Und man darf nicht übersehen: Ein Aquäduktmarmor dieser Qualität ist nur in der Eifelwasserleitung entstanden – keine andere Kalksinterablagerung aus dem römischen Weltreich konnte da mithalten. Prof. Dr. Klaus Grewe wird dies in seinem Vortrag mit Lichtbildern zeigen.


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