Michael Nielen

Wenn sich alles um die Wolle dreht

Kuchenheim. Der Rheinische Wollmarkt lockt am Sonntag, 7. Juni, mit Schafen, Kunsthandwerk und historischen Maschinen ins LVR-Industriemuseum Kuchenheim.

Der alte Fabrikschornstein ragt weithin sichtbar über das Gelände der Tuchfabrik Müller. Rundherum blöken Schafe, Kinder filzen bunte Wollkugeln und aus der historischen Fabrik dringt das rhythmische Rattern alter Maschinen. Wenn der Rheinische Wollmarkt nach Kuchenheim einlädt, dann verwandelt sich das LVR-Industriemuseum jedes Jahr in einen ganz besonderen Ort.

Am Sonntag, 7. Juni, findet der Wollmarkt bereits zum 34. Mal statt. Von 11 bis 17 Uhr dreht sich auf dem weitläufigen Gelände alles um Wolle, Handwerk und traditionelle Verarbeitungstechniken. Der Eintritt ist frei.

Längst hat sich der Markt weit über die Region hinaus einen Namen gemacht. Rund 100 Aussteller werden erwartet. Sie bringen handgefärbte Garne, Filzarbeiten, Schmuck, Keramik, Naturseifen und viele weitere handwerklich gefertigte Produkte mit nach Kuchenheim. Vieles entsteht direkt vor den Augen der Besucher.

Gerade diese Mischung aus Markt, Handwerk und lebendiger Industriekultur macht den besonderen Reiz der Veranstaltung aus. Während auf den Wiesen am Schornstein verschiedene Schafrassen vorgestellt werden, laufen wenige Meter weiter historische Maschinen in der Tuchfabrik an. Die Besucher können dabei erleben, wie Stoffe früher hergestellt wurden.

Vorführungen von Border Collies

Besonders beliebt dürften erneut die Vorführungen mit Hütehunden sein. Mehrmals am Tag zeigen Border Collies gemeinsam mit den Schafen ihr Können. Daneben demonstrieren Schafscherer ihre Arbeit und Spinnerinnen verwandeln Rohwolle am Handspinnrad in feine Fäden.

Auch Kinder kommen auf ihre Kosten. Im Hof der Tuchfabrik wird gefilzt, gewebt und gebastelt. Kleine Teppiche entstehen ebenso wie bunte Pomponschafe. Wer möchte, kann sich selbst einmal an historischen Handwerkstechniken versuchen.

Wer sich mehr für die Geschichte der Wollverarbeitung interessiert, findet im Museumsneubau die Sonderausstellung »Von der Wolle«. Dort wird gezeigt, wie sich die Verarbeitung des Rohstoffes vom 19. Jahrhundert bis heute verändert hat. Führungen durch die Ausstellung werden mehrfach angeboten.

Überhaupt ist der Wollmarkt längst mehr als eine reine Verkaufsveranstaltung. Umweltverbände informieren über nachhaltige Projekte, Kräuterführungen laden zum Entdecken der Natur ein und auch touristische Anbieter aus der Region präsentieren ihre Angebote.

Natürlich gehört auch Kulinarisches dazu. Regionale Spezialitäten, Brot und Käse, Kaffee und Kuchen sowie internationale Speisen sorgen dafür, dass niemand hungrig nach Hause gehen muss. Und wer etwas Zeit mitbringt, der sollte unbedingt einen Blick in die historische Tuchfabrik werfen. Wenn dort die Transmissionen laufen, Lederriemen über die alten Maschinen surren und die große Dampfmaschine aus dem Jahr 1903 in Betrieb genommen wird, dann wird ein Stück Euskirchener Industriegeschichte wieder lebendig.

Weitere Infos: https://industriemuseum.lvr.de/de/die_museen/euskirchen/wollmarkt/wollmarkt_1.html