

Von Nico Lautwein
Am Rande der kleinen Ortsgemeinde Serrig, liegt eine Betriebsstätte, die sich im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Betrieben etwas unterscheidet. Es ist der Hofgut Serrig.
Besondere Außenstelle der Lebenshilfewerke Trier
Der Hofgut ist eine Außenstelle der Lebenshilfewerke Trier, welcher Mitte der 80er Jahre mit sehr einfachen Mitteln auf einer grünen Fläche entstanden ist. Hier arbeiten rund 160 Menschen mit Beeinträchtigung. Während der Standort in Trier mit seinen rund 370 Beschäftigten eher auf Industriekunden fokussiert ist, fällt der nicht ganz so kleine Hofgut durch seine geprägte Landwirtschaft auf. Dabei geht es hauptsächlich um die Form der Tierhaltung und dem Erzeugen von grünen Lebensmitteln. Circa 200 Hektar Beweidungs- und Nutzfläche umfasst das Gelände. Davon sind zwei Hetkar Tafelobstanbau und ein Hektar Freilandfläche für Salat. Hinzu kommen drei Gewächshäuser von rund 300qm² wo saisonales Gemüse angebaut wird. Im Sommer Gurken und Tomaten und im Winter, Rucola und Feldsalat, so Christoph Halbe, Vermarktungsleiter vom Hofgut. Der Rest der Gesamtfläche wird für die Tierhaltung genutzt, da möglichst viel Futter selbst produziert werden soll. „Die 200 Hektar reichen da auch nicht aus“, erläutert Christoph Heide, Vermarktungsleiter des Hofguts. Rund 160 Hektar Außenfläche werden hauptsächlich zur Futtergenerierung und Beweidung genutzt.
Handwerk und Montage als zusätzlicher Arbeitsbereich
Aber mit der Zeit haben sich auch Montagearbeiten auf dem Hofgut angesiedelt und sind mittlerweile ein fester Bestandteil. „Dies kam aus der Historie heraus, dass in den Wintermonaten weniger landwirtschaftliche Arbeiten angefallen sind“, so Heide. Neben den typischen Montagetätigkeiten zählt die Betriebsstätte auch eine Korbflechterei. „Das Handwerk des Korbflechtens ist in Deutschland ja schon ein Novum“, erläutert Halbe. Dabei werden sämtliche Reperaturarbeiten getätigt und auch Produkte selbst hergestellt. Das Abteil erhält sogar deutschlandweit Aufträge.
Bildung, Förderung und Integration in den Arbeitsmarkt
Der Hofgut versteht sich als eine moderne Bildungseinrichtung, dessen Kernaufgaben es sind, Menschen mit Beeinträchtigung zu fördern und im alllgemeinen Arbeitsmarkt möglichst zur Verfügung zu stellen. Oder auch ihnen zu helfen, damit sie in ihrem Alltag Fortschritte machen. Diese kommen nach zwei Jahren Eingangsverfahren aus dem Berufs- und Bildungsbereich und sämtlichen Praktika in den Arbeitsbereich. „Wenn jemand in einen festen Arbeitsbereich platziert wird, heißt das aber nicht, dass er auf Lebzeiten dort sein wird. Es kann jederzeit ein Wechsel in einen anderen Arbeitsbereich stattfinden“, so Stepanie Land, Leitung der begleitenden Dienste. Die Beschäftigten arbeiten dabei Themen- und Standortübergreifend.
Gemeinschaft, Förderung und Alltag im Arbeitsumfeld
In der Gruppe liegt der Fokus auf der Förderung und Qualifizierung. Die Menschen werden beim Prozess und der Arbeit begleitet. Viele Kunden kommen regelmäßig ins Haus, um die Beziehung mit den Beschäftigten aurechtzuerhalten. Aber auch die individuelle Unterstützung in Tätigkeiten und Themen wie Umgang mit Geld oder Maßnahmen wie Kochen oder Backen sind ein großes Thema. Zudem gibt es verschiedene Kreativ- und Sportangebote, Bewegungsrunden oder auch selbstgestaltete Spiele um das Gruppengefühl zu stärken. Dabei werden sie von Azubis und FSJlern oder Bundesfreiwilligendienstlern unterstützt und begleitet. Es sollen keine Grenzen gesetzt werden. Jeder soll sich frei entfalten können und seine Ideen miteinbringen. Hierbei ist wichtig, dass die Gruppen nicht voneinander separiert werden. Es werden gruppenübergreifende Maßnahmen angeboten, damit diese zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen. Bei den Lebenshilfewerken herscht keine stumpfe Hierarchie. Ihnen ist es wichtig, dass die Fachkräfte und die betreuten Mitarbeiter sich auf Augenhöhe begegnen und kein „von oben herab“ entsteht. Das gemeinsame Miteinander und der gegenseitige Respekt ist ein wesentlicher Bestandteil. „Zusammenhalt ist das A und O. Wenn keine Verantwortlichen vor Ort sind, dann wird geschaut, dass man die Themen untereinander klärt“, erzählt Rolf, der seit 2003 als Fleischer im Hofgut arbeitet.
Sportlicher Teamgeist auch außerhalb der Arbeit
Gemeinsam mit Benjamin, welcher seit 2008 bei den Lebenswerken und seit zwei Jahren auf dem Hofgut in der Küche arbeitet, spielen die beiden nebenbei in der Behindertennationalmannschaft im Fußball. Außerdem belegten die beiden den 4. Platz bei den Deutschen Meisterschaften, bei denen sie gegen Teams anderer Werkstätten antreten. Hier spielt der Teamgeist eine wesentliche Rolle. „Vor allem lernt man dort neue Leute kennen bei denen auch die ein oder anderen Freundschaften entstehen“, erläutert Rolf.



