

Von Nico Lautwein
Eneas und Valentin sind beide Deutscher Meister im Kickboxen geworden. Doch die beiden Konzer wollen mehr. Zweimal in der Woche trainieren die Nachwuchssportler in den Räumlichkeiten des Chorakee Gyms in Trier aber das ist nicht alles.
Titelgewinn für Valentin bei erster Teilnahme
Valentin ist in diesem Jahr das erste mal bei den Deutschen Meisterschaften in Rüsselsheim angetreten und konnte als jüngster Teilnehmer der Kampfsportschule (7 Jahre) den Titel nach Hause holen.
Eneas holt zweiten Deutschen Meistertitel
Sein „Vorbild“ Eneas, ist zwölf Jahre alt und bereits zweifacher Deutscher Meister. Letztes Jahr holte er den Titel in Muay Thai Boxen, eine traditionelle thailändische Boxsportart, bei der man bspw. auch das Knie benutzen darf, in Heilbronn. Dieses Jahr konnte er beim Kickboxen in seiner Klasse glänzen und den Titel ebenfalls in die Saar-Mosel-Stadt bringen.
Trainer mit internationaler Erfahrung
Trainier der beiden Talente ist Berat Aliu. Der gebürtige Kosvo-Albaner war Thaiboxer und hat sportlich alles erreicht. Er wurde unter anderem mehrfacher Deutscher Meister sowie vierfacher K-1 Weltmeister.
Trainingsalltag zwischen Technik, Ausdauer und Wettkampfvorbereitung
Die Jungs erhalten dabei ein spezielles Thai- und Kickboxtraining. Montag steht Sparring, eine Art Wettkampfstraining mit geänderten Regeln, auf dem Plan. Mittwochs wird eine Pratzeneinheit, sogenanntes Polstertraining, durchgeführt, damit die Koordination, Kombination und das konditionelle gestärkt wird. Hinzu kommt ein Part mit zusätzlichem Laufen. Um es weit nach oben zu schaffen, brauch man in der zeitintensiven Sportart natürlich auch Unterstützung von zu Hause.
Unterstützung aus der Familie
Detlef Endres, Vater von Valentin, betreibt seit über 30 Jahren das „Fit-Det“ Fitnessstudio in Konz und unterstützt seinen Sohn mit speziellem Training abseits des Rings. Auch Eneas und sein Vater besuchen manchmal das Fitnessstudio. „Da Valentin in einer Familie groß geworden ist, wo der Papa ein Fitnessstudio hat, habe ich ihn oft dabei. Wir arbeiten viel mit Körpergewicht. Er kann mit Aufsicht auch schon an einigen Maschinen trainieren, das macht natürlich viel aus“, so Detlef. Valentin unterscheidet sich dabei etwas von den „typischen“ Kindern in seinem Alter. „Valentin macht jeden Tag Sport, und das auch weil er es selber will. Die Zeit in der die anderen Kinder am Handy verbringen macht er Sport oder geht raus spielen. Natürlich gibt es auch Tage an denen er mal keine Lust hat, aber die Erholung tut ihm auch gut“, ergänzt der Vater. Er unterstützt seinen Sohn bei dem was er machen möchte und lässt ihm seine Freiheiten. Valentin spielt auch in einem Fußballverein. „Das eine ist ein Einzeltraining und Fußball ist halt Gemeinschaft, das soll er auch lernen. Aber das unterscheidet sich natürlich komplett von dem hier. Hier ist er auf sich alleine gestellt und das andere ist Mannschaftssport“, erzählt Detlef.
Wertevermittlung durch Kampfsport
Berat ist der festen Überzeugung, dass die Jungs es weit nach oben schaffen können. „Mir ist es wichtig, dass die Jungs wissen, dass wenn es mal einen Niederschlag geben sollte, die Jungs wieder aufstehen. Das ist das was mir in meinem Leben durch Kampfsport sehr viel weitergebracht hat. Niederlagen gehören dazu, das prägt die Wettkämpfer. Eine Niederlage macht einen stärker. Kampfsport ist die beste Sportart einem Kind bzw. Jugendlichen diese Werte beizubringen“, so Berat. „Vor allem Disziplin und Ehrgeiz spielen da eine große Rolle“, ergänzt Detlef.
Vorurteile gegenüber Kampfsport
Der Kampfsport wird in Deutschland auch teils kontrovers gesehen und oft mit Klischees bedient. „Der Sport wird zu wenig gewertschätzt und auch unterschätzt. Viele legen das in eine Schublade nach dem Motto: „Da wird sich eh nur gekloppt“. Aber im Gegenteil. Das sind die Harmlosesten draußen vor der Tür, die haben sich unter Kontrolle. Sie sind eher diejenigen die probieren zu schlichten und der Gewalt aus dem Weg gehen. Sie wissen ja was sie draufhaben“, so der Trainer. „Das musst du den Kindern auch direkt beibringen, dass sie das nicht in der Schule falsch anwenden und jemanden verletzen“, ergänzt er.
Training in international geprägtem Umfeld
Seit April befindet sich das Chorakee Gym Trier am neuen Standort in Trier-Nord. „Was ich sehr gut finde ist, dass Wir hier einen Multi-Kulti Standort haben, bei dem es komplett egal ist, welche Religion du hast oder woher du kommst. Hier gibt es keine Religion, hier gibt es auch keine Politik. Das alles sollte im Sport auch keine Rolle spielen“, erwähnt Berat.
Trainingserfahrung auch im Ausland
Auch Eneas trainiert regelmäßig um weiterhin Titel zu gewinnen. Er war zum Beispiel die kompletten Sommerferien über in Thailand und hat sich dort bestens vorbereitet. „Enea’s Mutter ist Thailänderin und hat dadurch einen gewissen Bezug zur Sportart. Er selbst ist vor allem kondentionell, als auch mental, sehr stark“, erzählt Berat.
Klare Ziele: Internationale Titel
Die beiden wollen hoch hinaus und die Ziele sind klar:
Die nächste internationale deutsche Meisterschaft, findet am 21. September in Leverkusen statt, bei der beide teilnehmen werden. Je nach dem wie sie abschneiden, können sie sich für die Weltmeisterschaft am 5. Oktober in Rüsselsheim qualifizieren.
Selbstvertrauen und Persönlichkeitsentwicklung
Was die Nachwuchssportler beim Training prägt, ist nicht nur die Disziplin, der Respekt untereinander und die Wertschätzung, sondern auch das selbstsichere Auftreten und das Selbstvertrauen. „Es kommen viele Kinder hier hin, die leider in der Schule gemobbt werden und das wird immer mehr. Das was die Kinder hier im Training in einer Stunde beigebracht bekommen, hilft ihnen im Leben weiter. Das kriegen sie im Fußball nicht in einem Jahr gelehrt“, so Berat.
Erfolg braucht Disziplin und Unterstützung
Er selbst, kann die Jungs aber nicht bis ganz nach oben bringen. Da spielen viele Aspekte wie Unterstützung und Disziplin eine große Rolle wenn man erfolgreich sein will. „Deshalb ist es gut, dass der Valentin zu Hause auch seinen Vater im Rücken hat. Natürlich muss man in einem gewissen Alter viel Zeit reinstecken. Während andere feiern gehen bist du am trainieren“, erläutert Aliu.
Für die Eltern ist das natürlich auch zeitintensiv. „Das fahren, das unterstützen, auch in meinem Fitnessstudio. Ich kann die ja nicht einfach alleine loslassen. Die brauchen ja auch immer jemanden, der sie betreut. Aber das mache ich natürlich gerne, weil ich sehe, dass es auch fruchtet“, so Detlef.
Blick in die sportliche Zukunft
Es bleibt spannend, wo die Reise der beiden Nachwuchssportler aus Konz hingeht. Aber eins ist klar: Valentin und Eneas wollen Weltmeister werden und den Titel in die Saar-Mosel-Stadt holen.



