Andreas Bender

35 Jahre cinema Boppard: »Es ist wie unser Kind«

Boppard. Christopher Schell (Kinoleiter) und Anja Breitbach (2. Vorsitzende) des Kinovereins cinema Boppard e.V. blicken auf 35 Jahre Ehrenamt zurück.
Anja Breitbach und Christopher Schell engagieren sich mit Herzblut für das cinema in Boppard.

Anja Breitbach und Christopher Schell engagieren sich mit Herzblut für das cinema in Boppard.

Bild: Dorothea Mast

Popcorn, Snacks, ein Saal voller gemütlicher Sessel, in dem sowohl Blockbuster wie »Avatar« als auch Kulturfilme wie »Salzpfad« gezeigt werden: Ein nostalgisches Kino inmitten von Boppard. »Hinter diesem Kino stecken tausende Stunden unbezahlter Eigenleistung«, erinnern sich Christopher Schell und Anja Breitbach. »Es ist sozusagen wie unser Kind.« 

 

Bis 1987 gab es in Boppard einen kommerziellen Kinobetrieb im »Capitol und Cinema« durch die Familie Rath. Dieser musste jedoch eingestellt werden, sodass alles damit begann, dass der VHS-Filmclub 1988 etwa ein Jahr lang mobil im Saal des alten Rathauses Filme vorstellte. Der damalige Jugendpfleger Wolfgang Stemann beschloss mit Schell 1989 den Kinosaal in die Jugendbegegnungsstätte im Gemeindezentrum St. Michael in Boppard zu verlegen. 

 

Damals übernahmen sie das Inventar teilweise aus dem ehemaligen Kino in der Oberstraße, die Technik erwarben sie vom Kino in Simmern, das schließen musste. Wegen der Hochwassergefahr waren Schell und sein Team immer wieder dazu gezwungen die Gegenstände im Keller zu retten. »Etwa dreimal mussten wir den komplett leeren – ein kräftezehrender Akt«.

 

Später ermöglichte Bürgermeister Dr. Walter Bersch, dass das cinema in den damaligen Personalraum der Sparkasse - heute das Untergeschoss der Stadthalle - einzuziehen. »Der Standort ist phänomenal, für die Bewohner und Urlauber in Boppard«, bekräftigt Breitbach, die sich 1992 dem Team anschloss. Bis 2005 das Kino eingerichtet werden konnte, standen jedoch umfangreiche Renovierungsmaßnahmen an. 

 

»Zum Glück hatten wir eine Architektin im Team, die uns bei unserem Vorhaben beratend zur Seite stand«, erinnert sich Breitbach. 2024 dann gründete sich der Verein cinema Boppard e.V., der den Kinobetrieb von der VHS Boppard e.V. übernahm. Das Team des ehrenamtlichen Vereins besteht neben den beiden aus Johannes Nass, Jürgen Engels, Oliver Schrölkamp, Jörg Spitzley, Susen Spitzley-Rechmann, Katharina Bösand, Verena Nass, und Jasmin und Martin Fischbach. 

 

Für viele originelle Ideen zeigt sich das cinema offen: Im Frühling und im Herbst beispielsweise veranstaltet es das »Kino Vino«, wobei zwei Spielfilme mit erlesenem Wein aus dem Mittelrhein genossen werden können. Im Sommer soll ein OpenAir-Kino angeboten werden. Im Winter ziehen stimmungsvolle Familienfilme wie ein. Auch bei Schulen und Kitas ist das Programm beliebt: Gut gebucht war das Kino etwa im Rahmen der SchulkinoWoche Rheinland-Pfalz im November, wo Filme präsentiert wurden, die »helfen, Vergangenes zu entdecken«. 

 

Das Jahr 2026 führt die Staffelreihe »Rollenwechsel – Kirche im Kino« fort, eine Kooperation zwischen cinema und der Jugend-Begegnungsstätte St. Michael Boppard, des Pastoralen Raums Sankt Goar und der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Trier. Im Rahmen einer Filmdiskussion werden verschiedene Perspektiven auf Krieg und Frieden in NS-Zeit aufgezeigt: Nach dem Start im Januar ist am 2. Februar Hitlers Hofregisseurin Leni Riefenstahl in einer Dokumentation. Thema. Am 2. März folgt der Film »Der Führer und Verführer«. 

 

Info und Programm unter: www.cinema-boppard.de


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