Deutsches Brotinstitut testet dem Schlossplatz in Simmern
Der für den Bereich zwischen Sauerland und Sachen zuständige Prüfer und Bäckermeister Maik Wegner, der aus Lennestadt angereist war, zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden. Er ist einer von bundesweit drei Prüfern. Auch die Bäckereien um Kreishandwerksmeister und Bäckermeister Alfred Wenz sind stolz auf ihre Backwaren.
Mit dabei am Bäcker-Präsentationsstand war die rheinisch-westfälische Brotkönigin Tatjana Krechel, die in Emmelshausen zu Hause ist und in zwei Jahren den elterlichen Betrieb (25 Mitarbeiter) übernehmen möchte. Sie hat in über 15 Jahren Erfahrungen im Bäckereihandwerk gesammelt, half erst zu Hause mit, absolvierte eine Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin in Koblenz, arbeitete als Verkaufsleiterin Bayern, machte die Ausbildung in Boppard als Bäckerin, erwarb 2023 die Meisterwürde und schloss die Weiterbildung als Betriebswirtin ab und ist zurück im Familienunternehmen. Sie bringt sich in der „BÄKO-Snackkultur“ ein und hilft, zeitgemäße Konzepte im Bäckerhandwerk zu entwickeln.
„Genau das Richtige,“ freut sich Innungsobermeister Alfred Wenz (Bundenbach), der selbst wieder neue Ideen umsetzt – sei es beim Stollenbacken, sei es mit Aktionen wie Brotpfenniglauf für oder „Flutbrot“ für Hilfsorganisationen. Den Unterschied herausarbeiten was Handwerksbäckereien von Discount-Backmaschinen unterscheidet. Das sollen Aktionen wie die Qualitätsprüfung vermitteln –gegenüber der Kundschaft wie intern in den Betrieben. Auszeichnungen und Prämierungen sind ein wertvolles Instrument, die Qualität der Backwaren gegenüber den Kunden hervorzuheben.
Aber der Prüfer und Brotsemmelier gibt auch Hinweise, wie Backprofis mit jahrzehntelanger Erfahrung besser werden können. So sieht es Peter Erbach, der in Idar eine alteingesessene Bäckerei und Konditorei betreibt, und weiter lernen will. Bei der Stollenprüfung habe er wertvolle Hinweise erhalten. Es sei wichtig, zu erkennen, worauf die Kunden Wert legen, aber Tips vom Fachmann seien ratsam. Dem Tester falle auch auf, was man schon beim Einschieben des Brotes verbessern kann – optische Feinheiten, die der Verbraucher vielleicht nicht sieht.
Die Kombination von selbst hergestellten Traditionsbackwaren, frischen Konditoreierzeugnissen und mutigen Schritten bei der Vermarktung kann helfen, die Zukunft des Bäckerhandwerks zu sichern. So hat die Brotkönigin, die noch fast drei Jahre im Amt ist, einiges in Sachen Öffentlichkeitsarbeit angeschoben. Ihre Brot-Spezialität, die Königskruste, ein saftiges rustikales Brot mit 100 Prozent Dinkel, Joghurt, Honig, getrockneten Tomaten und frischer Petersilie und langer Teigführung kommt bei der Kundschaft prima an. Auch die Kombination von Brot und Wein, wie sie mit der biblisch-musikalischen Weinprobe des Fördervereins Lützelsoon erfolgreich praktiziert wird, griff sie auf. Ein Winzer aus Dellhofen und der elterliche Betrieb haben eine erfolgreiche Kampagne gestartet. Brotkönigin Tatjana freut sich, dass Vater Rainer (70) innovativ mitmacht, etwa in Corona-Zeiten mit „Frühstück to go“ erfolgreich war, Kollektionen wie Sonntagsbrot testet. Tester Wegner begrüßt den Trend zu Innovationen wie mit „Pseudogetreide“, das mit Buchweizen, Quinoa und Amaranth auf der Zutatenliste auftaucht.
Jede Prüfung geschieht auf Grundlage der Brot- und Brötchenkarte. Da sind Roggen-Weizel oder Dinkelmehr, Saaten, Nüsse etc. anzugeben, damit der Tester weiß, was er vor sich hat. Der stundenlange konzentrierte Test hat indes Grenzen. Gut 50 Brot- und Brötchen schafft er an einem Prüfungstag wie in Simmern, von Kunden und Kollegen wie im Schaufenster betrachtet. Genau das macht die Prüfung aus: Es gilt, Qualität sichtbar zu machen. Mit Darstellung im Internet („Bäckerfinder“) und Qualitätssiegeln auf Eingangstüren und Firmenfahrzeuge machen Handwerksbäckereien auf sich aufmerksam, kämpfen gegen Maschinen, die Standarderzeugnisse unter Preisdruck setzen. Motto: Biete Gutes und rede darüber.
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