Andreas Bender

"Erfreulich friedlich und ruhig": 55 000 feiern bei der Nature One 2026

Hasselbach. Rund 55.000 Besucher feierten bis Sonntagmorgen bei
Nature One. Nicht nur der Veranstalter zieht ein positives Fazit. "Erfreulich friedlich und ruhig" beschreiben das DRK und die Polizei ihre Einsätze zum Festival.

Bild: I-Motion

Deutschlands traditionsreichstes Festival für elektronische Musik stand unter dem Motto „rave.now.together“. Mit dabei waren internationale Stars wie Fatboy Slim, Paul Kalkbrenner, Lilly Palmer, Paul van Dyk, Holy Priest, I Hate Models, Neelix, Fantasm und Sven Väth. Erstmals präsentierte das Indian Spirit Festival mit seinem typischen Goa- und Psytrance-Sound einen eigenen Floor bei NATURE ONE. Auch eines der derzeit angesagtesten Konzepte feierte Premiere auf der Raketenbasis Pydna: Bei Face2Face stehen sich zwei DJs gegenüber und spielen gemeinsam in Echtzeit.

Bereits am Mittwoch reisten bei schönstem Sommerwetter die ersten 10.000 Gäste auf den Campingplatz an. Auf den 70 Bühnen, die von privaten Communities gebaut und organisiert wurden, spielten bis zum Sonntag über 1.000 DJs und verwandelten die Wiesen und Felder rund um die Gemeinde Hasselbach zum „verrücktesten Campingplatz der Welt“. Der Rheinland-Pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder und Innenminister Achim Schwickert besuchten das Festival und zusammen mit I-Motion Geschäftsführer Oliver Vordemvenne trafen sie die Einsatzkräfte von Polizei, DRK und Feuerwehr und ließen sich über die Einsatzabläufe sowie die Zusammenarbeit vor Ort informieren. Auch Michael Ebling, Minister für Wirtschaft, Energie und Klima zeigte sich von der Größe des Festivals und der friedlichen Atmosphäre beeindruckt.

"Nach drei Jahren mit Regen und kalten Nächten hatten wir endlich wieder perfektes Festivalwetter. Die Stimmung bei allen Beteiligten war großartig, wir haben tolle Performances der Künstler gesehen und die Abläufe in allen Bereichen spielten absolut reibungslos", so Oliver Vordemvenne. "Wir sind sehr happy und freuen uns schon auf nächstes Jahr, für das wir bereits einige Neuerungen geplant haben. Und last but not least: Herzlichen Dank an den DRK Kreisverband Rhein-Hunsrück für die 30-jährige Partnerschaft, Ihr seid die Besten!“

 

Rotes Kreuz versorgt 1.450 Besucher 

Während der fünf Veranstaltungstage waren rund 650 Rotkreuzlerinnen und Rotkreuzler aus Rheinland-Pfalz, Hessen, dem Saarland, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen im Einsatz und sorgten für die medizinische Versorgung der Besucher. Aus Sicht der DRK-Einsatzleitung verlief die Jubiläumsausgabe des Festivals erfreulich ruhig. Insgesamt wurden während des rund 100-stündigen Einsatzes knapp 1.450 Patientinnen und Patienten medizinisch versorgt. In 119 Fällen war eine weiterführende Behandlung in einem Krankenhaus erforderlich. Gemessen an der Größe der Veranstaltung und der Besucherzahl liegt das Einsatzaufkommen,  trotz einer geringen Steigerung im Vergleich zum Vorjahr, auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. 

„Die Nature One zählt für uns seit vielen Jahren zu den größten und zugleich angenehmsten Sanitätsdiensten des Jahres. Einen wesentlichen Anteil daran hat die vertrauensvolle und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Veranstalter I-Motion. Gleichzeitig profitieren wir von einem eingespielten Kernteam aus erfahrenen Ehrenamtlichen, das seit vielen Jahren gemeinsam im Einsatz ist. Diese Kontinuität sorgt für reibungslose Abläufe und ein hohes Maß an Professionalität“, bilanziert DRK-Gesamteinsatzleiter Heinz-Dieter Wieß am Sonntagmorgen.

Auch medizinisch blieb das Einsatzgeschehen überwiegend überschaubar. Die häufigsten Hilfeleistungen betrafen kleinere Verletzungen, Kreislaufbeschwerden sowie vereinzelt Knochenbrüche. Lediglich ein Festivalbesucher musste nach einer schweren Verbrennung mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik transportiert werden.

Erstmals setzte das DRK bei der Nature One mobile GPS-Tracker für seine Einsatzteams ein. Dadurch konnte die Einsatzleitung die Positionen der Sanitätsteams in Echtzeit verfolgen und bei Notrufen unmittelbar das nächstgelegene Team alarmieren. Der erste großflächige Praxiseinsatz der neuen Technik verlief erfolgreich und soll in den kommenden Jahren weiter optimiert werden. Ergänzt wurde das System durch eine vollständig digitale Einsatzdokumentation. Sämtliche Hilfeleistungen wurden in Echtzeit erfasst und standen der Einsatzleitung unmittelbar zur Verfügung. Dadurch war jederzeit ein aktuelles Lagebild über das gesamte Festivalgelände möglich, was die Koordination der Einsatzkräfte zusätzlich verbesserte.

(Artikel zu 30 Jahre DRK bei Nature One: https://www.wochenspiegellive.de/rhein-hunsrueck-kreis/artikel/drk-sanitaetsdienst-ist-seit-30-jahren-beim-nature-one-festival-im-einsatz)

 

Polizei zieht vorläufiges Fazit

"Erfreulich friedlich"... so einfach lässt sich der bisherige polizeiliche Einsatzverlauf zu der Techno-Veranstaltung beschreiben. Das spiegelt sich auch bislang in den Zahlen und Statistiken wider. Veranstaltungsbedingte Delikte wie Diebstähle, Körperverletzungen waren die absolute Ausnahme. Das ist sicher auch auf die deutlich sichtbare Präsenz der Einsatzkräfte im Veranstaltungsraum und auf den Campingarealen zurückzuführen. "Insofern haben sich die auf eine jahrelange Erfahrung beruhenden Absprachen und Vereinbarungen im Sicherheitskonzept bewährt", so der Einsatzleiter Björn Neureuter, Leiter der Polizeidirektion Koblenz.

Mit den laut Veranstalterangaben rund 55.000 Besuchern und der entsprechenden Logistik und Infrastruktur wird auf und um das Veranstaltungsgelände binnen weniger Tage eine "Stadt" in der Größe eines Oberzentrums aufgebaut. "Darauf muss die Polizei personell und logistisch gut vorbereitet sein. Aus meiner Sicht ist uns das gut gelungen. Es ist mir wichtig, dass sich die Kolleginnen und Kollegen bürgerfreundlich zeigen und ein Gefühl der Sicherheit vermitteln", zeigt sich Neureuter bislang sehr zufrieden. Auch die Verstöße nach dem Betäubungsmittelgesetz und die Fahrten unter dem Einfluss berauschender Mittel dürften voraussichtlich leicht rückläufig sein.