

Die Kräfte von Unternehmen, Kommunen und Institutionen im Rhein-Hunsrück-Kreis bündeln – so könnte man die Idee hinter dem Regionalrat Wirtschaft (ReWi) in einem Satz umschreiben. Geschäftsführer Achim Kistner fasst das Engagement so zusammen: »Neben der klassischen Wirtschaftsförderung sind wir ein Motor der aktiven Regionalentwicklung. Dabei sehen wir uns als Institution zur Unterstützung der Unternehmen im Kreis, haben aber immer die ganze Region im Blick. So entstand im Laufe der Jahre ein großes, weitverzweigtes Unternehmens-Netzwerk über die Kreisgrenzen hinaus.«
Rund 250 Mitgliedsunternehmen zählt der Verein nach 30 Jahren – vom Familienbetrieb bis zum Global Player. Das zeugt davon, dass viele Unternehmen vom Konzept und der Arbeit des Regionalrates überzeugt sind. »Die allermeisten ‚großen‘ Unternehmen im Kreis sind Mitglieder des ReWi«, betont Achim Kistner. »Das ist gleichzeitig auch ein Bekenntnis zur Region als Wirtschaftsstandort. Viele Unternehmen sind hier verwurzelt und wollen, dass es der Region gut geht.«
Gegründet wurde der Verein am 6. November 1995. Die Entstehung geht auf die wirtschaftlichen Herausforderungen der frühen 1990er-Jahre zurück – geprägt von Strukturwandel, Konversion am Flughafen Hahn, hoher Arbeitslosigkeit und Zuwanderung. Aus einer 1994 initiierten Wirtschaftskonferenz erwuchs der Gedanke, die regionalen Kräfte zu bündeln und die Herausforderungen gemeinsam anzugehen.
Ein wichtiger Aspekt der Regionalentwicklung ist die europäische LEADER-Initiative, an der sich der ReWi quasi seit Beginn beteiligt. 2001 wurde auch die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Hunsrück gegründet, in der sich viele Bürger und Vertreter unterschiedlicher Institutionen engagieren. »LEADER war immer ein Standbein des Vereins, welches nicht nur die Akzeptanz unserer Arbeit, sondern auch das Netzwerk vergrößert hat«, betont Kistner. »Bis heute hat die LAG so rund 20 Millionen an öffentlicher Förderung in die Region geholt.« Mehr als 400 einzelne Projekte wurden damit unterstützt – vom kleinen ehrenamtlich betriebenen Dorfprojekt bis hin zu großen Leuchtturmprojekten wie der Geierlay.
Die erfolgreichen Kampagnen »Wildwuchs« (Ausbildungs- und Karrierefibel für den Kreis) und »Gelobtes Land« (crossmediale Standortinitiative) widmen sich der Fachkräftesicherung. Diese ist ein essentielles Anliegen des ReWi. »Viele Projekte sind seit 1996 darauf ausgerichtet worden«, sagt Kistner. »Hier hat sich die Situation seit Gründung gewandelt. Heute sind wir in einem Arbeitnehmermarkt. Daher ist unser Antrieb, neben der Vernetzung, Impulse zu geben, wie sich Firmen attraktiver und sichtbarer machen für junge (und ältere) Arbeitskräfte.«
In den vergangenen 30 Jahren hat der ReWi eine Vielzahl weiterer Projekte initiiert, begleitet und umgesetzt, um die wirtschaftliche und strukturelle Entwicklung voranzutreiben. Dazu gehör(t)en unter anderem der Strukturatlas Rhein-Hunsrück (digitale Datenbank), das Landesprojekt »Regionale Beschäftigungsentwicklung« (2006 bis 2014), die sozialpädagogische Begleitung von Auszubildenden (seit 2009) und die Veranstaltungsreihe »ReWi IMPULS«. Seit 2021 engagiert sich der ReWi als MINT-Regionalpate im Rahmen der landesweiten MINT-Strategie. Das EU-Projekt DART (Developing Active Regions And Sustainable Tourism) förderte von 2003 bis 2007 die Zusammenarbeit mit Partnerregionen in anderen europäischen Ländern. Das europäische Forschungsprojekt RUSTIK widmet sich derzeit nachhaltiger Entwicklung in ländlichen Räumen Europas. Im Landkreis wird durch den ReWi ein »Living Lab« betrieben, das Daten zum Ausbildungsmarkt analysiert und neue Strategien für bessere Passung zwischen Jugendlichen und Ausbildungsbetrieben entwickelt.
So blickt der Verein nach 30 Jahren auf eine Erfolgsgeschichte zurück, die von den Unternehmen und dem Landkreis geschätzt wird. Das zeigt sich nicht zuletzt durch die Finanzierung des Vereins, die sich aus Mitgliedsbeiträgen sowie Zuschüssen des Kreises und den Kommunen im Landkreis zusammensetzt. Die Geschäftsstelle befindet sich in Simmern. Von hier organisieren aktuell sechs Mitarbeitende eine Vielzahl an Projekten, die allesamt zur Entwicklung der Region Rhein-Hunsrück beitragen. »Der ReWi ist eine feste Instanz in unserer Region und gehört zum Landkreis. Die enge und gute Verbindung zwischen Kreis und Regionalrat ist fest, erfolgreich und wichtig für unsere weitere regionale Entwicklung«, sagt Landrat Volker Boch.
Thomas Hähn, Vorsitzender ReWi, blickt aus unternehmerischer Sicht auf die Arbeit des Vereins: »30 Jahre ReWi – das bedeutet drei Jahrzehnte gelebtes Unternehmertum, regionales Engagement und gemeinschaftliche Zukunftsgestaltung. Als Unternehmer weiß ich, wie wichtig starke Netzwerke, praxisnahe Impulse und verlässliche Partner sind. Genau das bietet der ReWi. Nur wenn Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft an einem Strang ziehen, können wir unsere Region nachhaltig stärken – und der ReWi ist dafür ein unverzichtbarer Motor.« Hähn ist der vierte Vorsitzende des Vereins. Mit Energie und Tatkraft prägte der Simmerner Unternehmer László Gilányi als erster Vorsitzender des ReWi die Aufbaujahre bis 2011. Ihm folgten Evelyn Brosowski und Kathrin Heinrichs.
Auch wenn man sich beim ReWi über die bisherige Erfolgsgeschichte freut, schaut man realistisch auf die Wirtschaft allgemein, die aktuell vor vielen Herausforderungen steht. »Wir leben in unsicheren Zeiten«, sagt der Geschäftsführer. »Neben zahlreichen globalen Situation befinden wir uns zudem mitten in zahlreichen Transformationsprozessen in der Gesellschaft und Wirtschaft: Digitalisierung und KI, demografischer Wandel, Kostensteigerungen bei Energie und Arbeit sowie Klimakatastrophen.«
Was also wünscht er sich von der (Landes-) Politik mit Blick auf die Wirtschaft? »Vor allem Verlässlichkeit, damit Unternehmen sicherer planen können. Die Politik darf sich nicht im Klein-Klein verlieren, sondern muss das Ganze sehen mit dem Ziel einer nachhaltigen Wirtschaft. Ein guter Schritt wäre die Vereinfachung der Förderlandschaft. Es braucht niedrigschwellige Angebote, die gerade kleinere Betriebe bei Transformationsprozessen unterstützt, wie der ‚DigiBoost‘ vor ein paar Jahren«, so Achim Kistner.
»Es müssen konkrete Ziele für eine greifbare Zukunft formuliert werden, die praktikable Ansätze liefern und über Legislaturperioden hinaus ausgerichtet sind. Wir brauchen Visionen statt nur den Mangel zu verwalten«, betont er. Dazu gehören für ihn eine funktionierende Infrastruktur in allen Bereichen (von Verkehr bis Digital) und eine funktionierende Bildungslandschaft, die junge Menschen nicht nur auf ein Studium, sondern auf das Leben vorbereitet.




