Andreas Bender

Niklas Wida kreiert Kunst aus der Sprühdose

Ohlweiler. Graffiti muss keine Schmiererei sein. Das zeigt die Kunst von Niklas Wida. Der Hunsrücker begeistert sich seit seiner Jugend für Street Art und hat sich jetzt als (Auftrags-) Künstler selbstständig gemacht.

Wer Graffiti oder Sprühdose hört, denkt vielleicht zuerst an illegale Schmierreinen an Gebäuden, Zügen oder öffentlichen Plätzen. Dass Graffiti aber mehr sein kann, beweist Niklas Wida aus Ohlweiler, der mit der Sprühdose Kunstwerke kreiert. Als Mural Artist (mural: englisch für Wandgemälde) und Designer hat er sich Anfang des Jahres selbstständig gemacht. 

 

»Neben Fassadengestaltungen male ich auch auf Leinwänden in verschiedensten Formaten. Viel Spaß macht es mir, mein Wissen in Form von Workshops an andere weiterzugeben«, sagt der 25-jährige. Für Murals oder Leinwände können sich private wie auch geschäftliche Kunden an ihn wenden. Alle Projekte werden individuell nach den Ideen und Wünschen der Kunden entworfen und kreativ umgesetzt.

 

Besonders am Herzen liegen Niklas die Workshops. An einer Schule in Bayern hat er zum Beispiel kürzlich zusammen mit Schülern den Schulhof kreativ gestaltet. Workshops richtet er aber nicht nur an Schulen oder Jugendzentren aus, auch Team-Workshops auf Sommerfesten von Unternehmen und mehr sind möglich – was immer das Anliegen der Kunden ist. Dabei sind diese auch nicht an die Sprühdose gebunden – für den Hunsrücker steht das Ergebnis im Vordergrund.  

 

Und wie kam er zur Graffiti-Kunst? »Ich habe mich schon immer begeistert für Dinge abseits des Mainstreams«, sagt Niklas. Mit 13 Jahren hat er ernsthaft angefangen in seiner Freizeit zu malen, erinnert er sich. Dann haben ihn die Street-Art-Künstler inspiriert, die mit Sprühdosen Kunstwerke auf großen Flächen zaubern, besonders in Großstädten. 

 

Also nahm er selbst die Sprühdose in die Hand. »Meine Eltern haben mich hier von Anfang an unterstützt und mir die erste Dose gekauft«, sagt der Hunsrücker. »Die künstlerische Ader habe ich von meiner Mutter geerbt, die selbst gerne malt und töpfert.« Mit diesem Rückhalt hat sich Niklas dann nicht nur zu Hause künstlerisch ausprobiert, sondern ist auch mit Freunden zu »legalen Wänden« gefahren, beispielsweise in Bingen. Städte weltweit bieten gezielt Wände an, auf denen Street Artists sprühen dürfen (www.legal-walls.net). 

 

Die Kunst zum Beruf zu machen, daran hat er zunächst nicht gedacht. »Vor ein paar Jahren hat mich ‚Graffiti Motion‘ in Riegenroth ins Boot geholt«, sagt Niklas. Die Unternehmung bietet seit rund 15 Jahren fachgerechte Graffiti-Fertigung für Kunden an. »Bis dahin dachte ich nicht, dass es für mich eine Option ist, Geld zu verdienen als Vollzeit-Künstler.« 

 

Aber genau das macht er seit Anfang des Jahres. Besonders freut er sich über die abwechslungsreiche Arbeit. »Jeder Tag ist anders, die Aufträge mannigfaltig«, sagt der 25-jährige. »Dazu gehört auch Büroarbeit, wie Kundenakquise, Marketing und Buchhaltung. Das macht einen großen Teil meiner Arbeit aus.« Da passt es gut, dass er BWL studiert hat.

 

Wer sich seine Kunst aus der Nähe betrachten möchte, kann dies bis zum 8. Mai zu den Öffnungszeiten im Rathaus Kirchberg tun. Über die Möglichkeit zu dieser Ausstellung freut sich Niklas Wida besonders. »Die Idee zu einer Ausstellung hat mich schon länger begleitet und der Kulturverein Arena 13 hat nach etwas Modernem gesucht für eine Rathausausstellung. Das hat jetzt genau gepasst«, freut sich der 25-jährige.

 

Das Thema der Ausstellung: »The Club 27«. Hinter dem Titel verbergen sich stilprägende Ikonen der Rockmusik, die alle viel zu früh im Alter von nur 27 Jahren starben. Die Werke wurden speziell für diese Ausstellung angefertigt. »Jede Person hat eine eigene Farbe, aber alle Porträts haben den gleichen Stil für eine harmonische Ausstellung«, erklärt Wida. »Als Vorlage diente jeweils ein Foto, welches ich dann in den Stil eingepasst habe.« Auch die Rahmen für die Bilder hat er selbst hergestellt. Somit ist jedes Werk ein Unikat, komplett aus seinen Händen.

 

Die Idee zu der Ausstellung hatte er, als sein Vater - ein Nirvana-Fan – ihn um ein Bild fürs Wohnzimmer bat. Also hat Niklas ein Porträt des Sängers Kurt Cobain kreiert. Die Leinwand hat eine Fläche von etwa 2,20 mal 1,20 Meter. Jetzt blickt er auf die kommenden Monate, in der er seine junge Unternehmung Wida/Visuals weiter voranbringen möchte. Dazu gehört auch, seine Angebote und Talente auch über die Region hinaus bekannter zu machen.

www.widavisuals.com