

Seit Monaten beschäftigt die geplante Erneuerung der Sitzplätze auf der Vortribüne des Trierer Moselstadions Verein, Stadt und Fans. Was ursprünglich als vergleichsweise einfache Maßnahme gedacht war, hat sich zu einem umfangreichen Bauprojekt entwickelt. Nun steht sogar die Frage im Raum, ob die neuen Sitzschalen überhaupt noch montiert werden.
Rund 800 Sitzschalen hatte Eintracht Trier beschafft. Ein lokaler Sponsor unterstützte die Anschaffung, in die der Verein nach früheren Angaben rund 20.000 Euro investierte. Die Idee war zunächst simpel: Die Zuschauer sollten auf den bisherigen Holzbänken künftig auf modernen Sitzschalen Platz nehmen können. Doch bereits Anfang 2026 kam das Vorhaben ins Stocken.
Bei einer Kontrolle der begonnenen Arbeiten wurde festgestellt, dass die neuen Sitzschalen sowohl nach vorne als auch nach hinten über die Sitzflächen der vorhandenen Holzbänke hinausragen. Dadurch verringert sich der Abstand zwischen den Sitzreihen.
Die Stadt Trier stellte deshalb klar, dass die geplante Ausführung den bauordnungsrechtlichen Vorgaben nicht entsprach. Für die Veränderung war ein Bauantrag erforderlich. Ein solcher wurde von der Eintracht eingereicht. Nach Angaben der Stadt wurde die erforderliche Baugenehmigung inzwischen erteilt; das Genehmigungsverfahren sei damit abgeschlossen.
Die Entwicklung hatte bereits im Februar für einen Baustopp gesorgt. Damals waren zwar rund 400 laufende Meter Kanthölzer an den Bänken ausgetauscht worden – die Kosten von rund 3500 Euro übernahm die Stadt. Die Sitzschalen selbst blieben jedoch unmontiert. Rund 800 Exemplare lagerten zu diesem Zeitpunkt bereits in den Garagen auf dem Gelände des Moselstadions.
Inzwischen ist klar, dass es mit dem Anschrauben der Sitzschalen auf den vorhandenen Holzbänken nicht getan ist. Die Baugenehmigung enthält nach Angaben des Vereins zahlreiche Auflagen, unter anderem zu Fluchtwegen und einem zusätzlichen Fluchttor zum Innenraum.
„Es geht also nicht mehr um das ursprünglich angedachte triviale Anschrauben von Sitzschalen auf die vorhandenen Holzbänke, sondern um die komplette bauliche Neugestaltung dieses Teiles der Vortribüne“, erklärt Stefan Lambert, Vorstandsmitglied von Eintracht Trier, auf Anfrage des WochenSpiegels.
Sämtliche vorhandenen Betonstufen müssten demnach in ihrer Höhe und/oder Tiefe neu nivelliert werden. Damit steigen Aufwand und Kosten erheblich.
Bereits im Juli hatte Lambert erklärt, dass durch die notwendigen Anpassungen voraussichtlich 50 bis 60 Sitzplätze verloren gehen werden. Die Bankreihen müssen für zusätzliche Fluchtwege geöffnet werden.
Die Eintracht befindet sich nach eigenen Angaben derzeit in der Durchführungsplanung. Gemeinsam mit Feuerwehr, Bauaufsicht und Sportamt der Stadt Trier soll geklärt werden, wie die Anforderungen umgesetzt werden können.
Gleichzeitig stellt der Verein erstmals offen infrage, ob das Projekt unter den neuen Bedingungen überhaupt noch wirtschaftlich vertretbar ist.
„Zurzeit befinden wir uns in der Durchführungsplanung, wie wir diese Anforderungen erfüllen können oder ob wir gar das ganze Projekt aus Kostengründen wieder stornieren müssen“, sagt Lambert.
Ursprünglich hatte der Verein die Montage für die Winterpause vorgesehen. Noch im September hatte Lambert erklärt, dass man sich bewusst für diesen Zeitraum entschieden habe, weil eine Umsetzung vor Saisonbeginn angesichts der notwendigen Arbeiten nicht zuverlässig zu gewährleisten gewesen sei. Hinzu kam die Belastung durch das DFB-Pokalspiel, das für die ehrenamtlich geführte Eintracht einen erheblichen organisatorischen Aufwand bedeutete.
Nun könnte also sogar der ursprünglich geplante Einbau in der Winterpause infrage stehen.
Die Diskussion um die Sitzschalen ist für die Zuschauer nicht nur eine Frage von Komfort und Bauplanung. Die derzeitige Situation auf der überdachten Vortribüne sorgt nach Angaben eines langjährigen Eintracht-Anhängers bereits für konkrete Probleme.
In einer Nachricht an den Verein schilderte der Fan, der nach eigenen Angaben seit 50 Jahren zur Eintracht geht, wiederholt Probleme mit der Sitzplatzzuordnung. In der dritten Reihe seien zu viele Sitzplätze ausgewiesen. Die entsprechenden Aufkleber mit den Platznummern lägen teilweise nur etwa 25 Zentimeter auseinander.
Für den Betroffenden hatte das bereits konkrete Folgen: Sein eigentlicher Sitzplatz habe ihn 300 Euro gekostet. Dennoch musste er bei einem Spiel erneut auf seinen eigentlichen Sitzplatz verzichten und eine Reihe tiefer im Dauerregen Platz nehmen.
Er wandte sich deshalb bereits zum dritten Mal an den Verein und fragte zugleich, ob die Sitzschalen tatsächlich in der Winterpause montiert würden.
Stefan Lambert bestätigte in seiner Antwort, dass der Verein um die Problematik weiß.
„Wir wissen um die momentane, eigentlich unzumutbare Situation. Dass ist auch der Grund dafür, die Bänke mit Sitzschalen ausstatten zu wollen“, schrieb Lambert.
Gleichzeitig verwies er auf Probleme mit der Platzkennzeichnung. Es komme leider immer wieder vor, dass Zuschauer die Aufkleber mit den Platznummern austauschten oder um einige Zentimeter verschöben. Der Verein prüfe deshalb, ob bis zur endgültigen Montage der Sitzschalen eine Interimslösung möglich sei.
Für die entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigte sich Lambert ausdrücklich.
Damit wird deutlich: Der geplante Umbau soll aus Sicht des Vereins nicht nur für mehr Komfort sorgen. Er könnte auch dazu beitragen, die derzeitige Situation bei der Platzzuordnung zu verbessern.
Die Stadt Trier weist derweil darauf hin, dass das Genehmigungsverfahren abgeschlossen ist und die weitere Umsetzung nun beim Verein als Bauherrn liegt.
„Die Baugenehmigung liegt somit vor. Das Genehmigungsverfahren ist abgeschlossen“, erklärt Michael Schmitz, Pressereferent und Leiter des Amtes für Presse und Kommunikation der Stadt Trier.
Die Stadt habe die Genehmigung etwa drei Wochen nach Eingang des Bauantrags erteilt. Die Sitze hätten damit nach Darstellung der Stadt bereits seit mehreren Wochen montiert werden können.
Konkrete Fragen zum Bauablauf und zum Zeitpunkt der Umsetzung seien deshalb an Eintracht Trier zu richten.
Zugleich betont die Stadt, dass auch für den Verein dieselben bauordnungsrechtlichen Anforderungen gelten wie für jeden anderen Bauherrn. Gerade in einem Stadion mit zahlreichen Besuchern könne im Sinne der Sicherheit nicht auf notwendige Prüfungen und Genehmigungen verzichtet werden.
Nach aktuellem Stand befinden sich die Sitzschalen allerdings nicht mehr auf dem Gelände des Moselstadions. Wie Achim Junk, Leiter des Sportserviceteams der Stadt Trier, auf Anfrage des WochenSpiegels mitteilte, wurden sie wegen fehlender Lagerflächen inzwischen in einer Halle in Waldrach untergebracht. Die Sitzschalen seien dort jederzeit abrufbar.
Die Frage, warum sich das Vorhaben so lange hinzieht, wurde in den vergangenen Monaten auch öffentlich diskutiert. Besonders deutlich wurde die Debatte im September, nachdem sich der ehemalige Eintracht-Spieler, Trainer sowie Team- und Projektmanager Stefan Fleck in mehreren Beiträgen in den sozialen Medien zur Situation im Moselstadion geäußert hatte.
Die Beiträge stießen in der Region auf große Resonanz und führten zu zahlreichen Diskussionen.
Auch Bürgermeisterin und Sportdezernentin Britta Weizenegger meldete sich zu Wort. Sie verwies darauf, dass es bereits mehrere Gespräche und Termine mit Eintracht Trier zum Thema Moselstadion gegeben habe. Als regelmäßige Spielbesucherin kenne sie die Situation und die Themen rund um das Stadion gut.
Lambert stellte seinerseits klar, dass die neu ins Amt gekommene Sportdezernentin aus Sicht des Vereins nicht für die Verzögerungen verantwortlich sei. Im Gegenteil: Bei ihr finde die Eintracht jederzeit ein offenes Ohr.
Lambert machte bereits im September deutlich, wie sehr die Entwicklung den Verein beschäftigt. Die Eintracht werde ehrenamtlich geführt und könne hinsichtlich ihrer finanziellen und personellen Möglichkeiten nicht mit einem professionell geführten Verein wie den Gladiators Trier verglichen werden.
Gleichzeitig räumte er ein, dass man die Angelegenheit möglicherweise zu einfach eingeschätzt habe. Niemand habe damit gerechnet, dass aus dem vorgesehenen Anschrauben von Sitzschalen auf vorhandene Holzbänke ein Projekt mit umfangreichen baulichen Anforderungen werden würde.
„Es nervt jeden im Verein, dass sich solche Dinge so lange hinziehen“, erklärte Lambert damals.
Damit ist die Situation Anfang November eine andere als noch zu Jahresbeginn: Die Sitzschalen sind vorhanden, die Baugenehmigung liegt vor – doch der eigentliche Umbau ist weiterhin nicht erfolgt.
Stattdessen müssen umfangreiche bauliche Maßnahmen geplant und umgesetzt werden. Fluchtwege müssen angepasst, ein zusätzliches Fluchttor geschaffen und die vorhandenen Betonstufen verändert werden. Gleichzeitig droht der Verlust von 50 bis 60 Sitzplätzen.
Für Eintracht Trier stellt sich deshalb inzwischen eine grundsätzliche Frage: Lässt sich der Umbau unter diesen Bedingungen finanziell und organisatorisch stemmen – oder wird das Projekt tatsächlich wieder aufgegeben?
Eine endgültige Entscheidung gibt es bislang nicht. Der Verein befindet sich nach eigenen Angaben weiterhin in Gesprächen mit Feuerwehr, Bauaufsicht und Sportamt. Ziel sei es, einen für alle Seiten akzeptablen Kompromiss zu finden.
Sollte dies nicht gelingen oder der Aufwand wirtschaftlich nicht vertretbar sein, könnte der ursprüngliche Wunsch nach moderneren und komfortableren Sitzplätzen auf der Vortribüne vorerst unerfüllt bleiben.




