Nico Lautwein

Torsten Herz im Interview: Wohin die Reise der Gladiators Trier gehen soll

Trier (lau). Sechs Millionen Euro Etat, ein neuer Sportcampus und ambitionierte Zukunftspläne: Gladiators-Alleingesellschafter Torsten Herz spricht im exklusiven Interview über die nächsten Schritte un seine Vision des Trierer Basketballs.

 

Interview: Nico Lautwein

Wie kam es dazu, dass du dich entschieden hast, Alleingesellschafter der VET-CONCEPT Gladiators Trier zu werden?

Die Entscheidung ist gefallen, als wir aufgestiegen sind und uns zusammen mit Achim Schmitz und Christian Rech Gedanken gemacht haben: Wo stehen wir heute und wie können wir uns langfristig wirklich als Bundesliga-Standort etablieren? Dazu gehören einige Dinge. Zum einen muss natürlich geschaut werden, dass man den Etat entsprechend steigert. Zum anderen können wir unsere unternehmerische Erfahrung und unsere Ressourcen einbringen, um dem Verein auch bei den Strukturen weiterzuhelfen.
Christian und Achim waren ebenfalls der Meinung, dass sie das langfristig so nicht leisten können. Dann haben wir uns committet und gesagt: Okay, dann übernehme ich die Anteile und versuche, den Verein dorthin zu bringen, wo wir ihn in den nächsten Jahren sehen wollen.

Wie hat sich der Etat für die neue Saison im Vergleich zur vergangenen Spielzeit entwickelt?

Dank der bestehenden Sponsoren, die ihre Unterstützung noch einmal gesteigert haben, und sehr vieler neuer Partner konnten wir den Etat deutlich erhöhen. Wir haben die Anzahl der Sponsoren mittlerweile verdoppelt. Allein durch das erhöhte Sponsoring konnte der Gesamtetat um mehr als eine Million Euro gesteigert werden.
Dazu kommen der Karten- und Dauerkartenverkauf sowie die zusätzlichen Spiele im FIBA Europe Cup und vermutlich wieder die Teilnahme an den Playoffs. All das zusammen hat noch einmal etwa 500.000 Euro beigetragen. Insgesamt konnten wir den Etat damit um 1,5 Millionen Euro steigern. Das ist immerhin ein Drittel von dem, was wir bisher hatten, noch einmal obendrauf.

Wie hoch ist der Gesamtetat damit für die neue Saison?

Sechs Millionen Euro.

Ein weiteres großes Thema ist der geplante Sportcampus. Wie ist dort der aktuelle Stand?

Wir sind zusammen mit unserem Architekten schon sehr weit. Wir haben einige Runden mit den einzelnen Fachbereichen gedreht. Der sportliche Bereich hat seinen Input gegeben, ebenso das Office und der Medical-Bereich. Dadurch sind wir bei der Grundrissplanung und den Funktionen für unser Trainingszentrum schon sehr weit. Ende September wollen wir so weit sein, den Bauantrag zu stellen. Der Baubeginn ist dann ab Frühjahr 2027 vorgesehen.
Wir wollen dort eine neue Heimat schaffen und ein Profizentrum mit zwei Spielfeldern aufbauen, damit dort auch JBBL- und NBBL-Wettbewerbe stattfinden können und sowohl die Profimannschaft als auch die Jugend trainieren können.

Dazu kommt die gesamte Infrastruktur: Office-Räumlichkeiten, Räume für die Coaches, der Recovery-Bereich für die Erholung der Spieler und der Medical-Bereich. Alles soll an einem Standort zusammenkommen, sodass wir uns – abgesehen von den Spieltagen in der Arena – komplett dort aufhalten können. Insbesondere im Nachwuchsbereich wollen wir dadurch einiges erreichen.

Auch in der SWT-Arena entstehen zusätzliche Tribünen. Was steckt hinter diesem Projekt?

Die Investition wird von den VET-CONCEPT Gladiators beziehungsweise von der Trierer Ballsportbewegung GmbH getragen. Wir haben dieses Projekt übernommen, um zusätzliche Tribünen einbauen zu können. Dadurch können wir unseren Partnern und Sponsoren in den nächsten Jahren weitere Möglichkeiten bieten, Tickets zu erwerben. Unser bisheriger Bereich für die Sponsoren und der VIP-Bereich sind einfach viel zu klein geworden. Wir hätten unseren Unterstützern sonst gar keine entsprechenden Angebote mehr machen können.
Das Projekt wurde durch denselben Architekten umgesetzt, der auch den Campus plant. Wir liegen im Zeitplan, sodass wir die neuen Bereiche spätestens beim zweiten Heimspiel nutzen können.
Es entsteht ein großer Bereich für die Sponsoren mit eigenen Plätzen. Dadurch werden im unteren Bereich gleichzeitig 250 Plätze frei, die zusätzlich in die Vermarktung gehen können. Insgesamt stehen uns damit 250 zusätzliche Sitzplätze zur Verfügung.

Wie hoch ist die Investition in die zusätzlichen Tribünen?

Da ist auch über eine Million Euro investiert worden.

Sind die neuen Bereiche bereits zum ersten Heimspiel nutzbar?

Spätestens beim zweiten Heimspiel. Wir haben einen Doppelspieltag, freitags und sonntags. Für Freitag müssen wir sehen, ob es schon funktioniert, aber spätestens sonntags soll es soweit sein.

Wie ist der Bezug zu den Gladiators entstanden?

Vom Prinzip her war es zunächst eine Standardanfrage des Vereins, ob wir Sponsor werden möchten. Wir wurden eingeladen, uns einmal ein Spiel anzuschauen. Da ist es mir wie vielen anderen und auch vielen neuen Sponsoren gegangen: Der Funke ist direkt übergesprungen.
Man hat einfach gesehen, dass diese Sportart als Familiensport sehr attraktiv ist. Das war zum einen für mich privat interessant, aber auch für Unternehmen ist Basketball sehr attraktiv. Die Zielgruppe umfasst die ganze Familie und der Sport hat eine Dynamik, die beim Zuschauen einfach Spaß macht. Als Hallensport ist Basketball natürlich auch über die Wintermonate attraktiv. Deshalb habe ich mich dafür entschieden, den Basketball langfristig zu unterstützen.

Gab es vorher schon Berührungspunkte mit dem Trierer Basketball?

Ich hatte schon in den Anfängen der TBB einen Bezug, weil ich am FSG (Friedrich-Spee-Gymnasium Trier mein Abitur gemacht habe. Im weiteren Lebensweg, unter anderem durch mein Studium in Kaiserslautern, habe ich den Basketball dann aus den Augen verloren.
Mir war natürlich klar, dass Trier ein Traditionsstandort im Basketball ist. Aber dadurch, dass ich beruflich sehr eingespannt war, hatte ich den Sport zunächst aus den Augen verloren. Erst durch die Anfrage des damaligen Geschäftsführers André Ewertz, mir das einmal anzuschauen und zu prüfen, ob ein Sponsoring für mich interessant sein könnte, ist dieser Bezug wieder neu aufgelebt.

Mit dem FIBA Europe Cup spielen die Moselstädter erstmals seit 25 Jahren wieder international. Warum habt ihr euch bewusst für die Teilnahme entschieden?

Zum einen haben wir uns natürlich gefreut, dass durch die entsprechende Qualifikation überhaupt die Möglichkeit entstanden ist, europäisch zu spielen. Wir haben uns dann aber auch ganz bewusst dafür entschieden.
Wenn du dich weiterentwickeln und Spieler einer entsprechenden Qualität verpflichten möchtest, die sich auch international präsentieren wollen, ist es wichtig, dieses Angebot anzunehmen und international zu spielen. Sonst bekommst du langfristig Schwierigkeiten, hochklassige Spieler für dich zu verpflichten.
Für uns selbst ist es natürlich ebenfalls eine weitere Bühne, auf der wir uns darstellen können. Gleichzeitig können wir Unternehmenssponsoren, die über den Tellerrand hinaus vielleicht international tätig sind, eine zusätzliche Plattform bieten.
Dazu kommen mindestens fünf weitere Heimspiele durch die Vorrunde, die wir unseren Fans hier vor Ort anbieten können. Wenn es nach der ersten Runde weitergeht, werden es sogar noch mehr. Es hat also eigentlich alles dafür gesprochen, sich auch europäisch zu präsentieren.

Die Teilnahme bedeutet allerdings auch zusätzliche Kosten. Wie bewertet ihr das wirtschaftlich?

Wir haben uns natürlich erkundigt, wie das finanziell aussieht. Zunächst sieht man den riesigen zusätzlichen Aufwand, beispielsweise durch Reisen und Flüge.
Nach den Erfahrungen, die uns andere Standorte geschildert haben, sollte sich dieser zusätzliche Aufwand aber ungefähr mit den Mehreinnahmen aus den Heimspieltagen und den zusätzlichen Möglichkeiten bei der Vermarktung von Sponsoring-Leistungen decken. Das war zumindest die Aussage, die wir bekommen haben, als wir uns erkundigt haben, was es wirtschaftlich bedeutet, europäisch zu spielen.

Wo sollen die Gladiators langfristig hin? Wo siehst du den Club in Zukunft?

Zum einen wollen wir uns absolut in der BBL etablieren und jedes Jahr um die Playoffs mitspielen können. Auch international sehen wir das nicht als Eintagsfliege. Wir wollen uns dort langfristig weiter etablieren.
Der FIBA Europe Cup bietet uns als Einstieg eine gute Plattform. Darüber hinaus gibt es noch andere Wettbewerbe, die höher angesiedelt sind. Auch dort sehen wir uns langfristig.
Ein weiterer ganz wichtiger Punkt ist, dass wir über den Campus und die Infrastruktur ein sehr starker Standort für den Nachwuchs werden wollen – also den Aufbau von unten nach oben vorantreiben. Langfristig wollen wir JBBL und NBBL stärken und vielleicht auch im Bereich ProB eine zweite Mannschaft aufbauen.
Wir wollen außerdem den Internatsgedanken aufgreifen und ein Sportinternat betreiben, um auch überregionale Talente nach Trier zu bekommen. Gleichzeitig sperren wir uns nicht davor, links und rechts zu schauen und vielleicht auch im Mädchen- und Damenbasketball etwas aufzubauen.
Außerdem wollen wir die Kooperation mit den Dolphins weiter ausbauen. Das ist ebenfalls erste Bundesliga, im Rollstuhlbasketball. Wir wollen vollumfänglich alle Teilbereiche abdecken. Mit unserem Außenspielfeld, das am Campus entstehen soll, wollen wir auch 3x3-Turniere veranstalten.
Wirklich alles, was mit Basketball zu tun hat, soll an unserem Standort verwirklicht werden können.


Hier geht es zum allgemeinen Gladiators Trier Artikel zur Saisoneröffnung: https://www.wochenspiegellive.de/stadt-trier/artikel/gladiators-trier-vor-saisonstart-acht-neue-europa-und-mehr-platz-in-der-arena