Ein Dorflädchen setzt auf seine Bürger
Rohren (Fö). »Viele hatten vermutet, dass mit dem Norma in Höfen unser Ende naht. Doch die Umsatzeinbußen, die darauf zurückzuführen wären, halten sich sehr in Grenzen«, freut sich der Vorstandsvorsitzende der Konsumgenossenschaft Rohren. Seit 2011 hält Heinz-Josef Hermanns die Fäden in der Hand - damals übernahm er das Ehrenamt von seinem verstorbenen Bruder Rudi. Er kümmert sich um die Buchhaltung und Mitarbeiterangelegenheiten. während seine Mitstreiter im Vorstand Peter-Josef Strauch und Bruno Gerards für IT und als Hausmeister tätig sind. Hinzu kommt der Aufsichtsrat, der unterstützt, wo Arbeiten anfallen. »Und wenn etwas Größeres zu tun ist, findet man bei den ortsansässigen Handwerkern immer ein offenes Ohr«, zeigt Hermanns, das ein Dorfladen nur als Gemeinschaftswerk funktioniert. Im Geschäft selbst kümmert sich Anita Brandenburg um Bestellungen und die täglichen Arbeiten, wird dabei von einer Schar an engagierten Verkäuferinnen - auch aus dem benachbarten Höfen - unterstützt.
Der Konsumgenossenschaft Rohren, die 1898 gegründet und 1949 wiederbeleibt wurde, geht es gut. »Wir erwirtschaften immer ein kleines Plus, das uns handlungsfähig macht«, weiß der 73-Jährige, dass es auch mal Zeiten gab, in denen das Dorflädchen verschuldet war und kurz vor der Schließung stand. »Wir brauchen aber auch weiterhin stabile Umsätze, denn gehen diese zurück, geraten wir direkt in rote Zahlen, weil die Fixkosten uns auffressen«, appelliert der Vorstand an die Dorfbevölkerung. »Wir sind - wie viele andere Dorfläden auch - der soziale Treffpunkt Rohrens.«
Nachdem die Schließung der benachbarten Bäckerei und die Eröffnung eines Discounters in Höfen den Dorfladen negativ beeinflussen sollten, hat Hermanns gehandelt. Aus seiner Mützenicher Backstube liefert Alex Theißen Steinofenbrot und andere Bachwaren zum Rohrener Konsum: Er legt Wert auf handwerklich hergestelltes Brot, das er mit Natursauerteig im holzbetriebenen Steinbackofen backt. »Das meiste geht auf Vorbestellung, weil wir es uns nicht leisten können, dass wir auf der Ware sitzen bleiben - dann verdienen wir nichts«, rechnet Hermanns vor.
Auch die Camper kaufen im Dorflädchen ein
Doch nicht nur des Brotes wegen, auch wegen der Frischfleischtheke, den vielen regionalen Produkten, dem freundlichen Personal und dem sozialen Treffpunkt kommen die Menschen in ihr »Dorflädchen«. »Wir haben hier in Rohren alles an einer Stelle: Gastronomie, Kirche, Spielplatz, Feuerwehr, Alte Schule und Konsum«, weiß Hermanns, das man voneinander profitiert - ein Faktor, der auch beim Dorfwettbewerb überzeugte, als Rohren mit Gold dekoriert wurde. Übrigens auch von dem Wohnmobilstellplatz am Ortsrand. »Viele Camper decken sich bei uns ein, schließlich gibt es hier alles für den täglichen Bedarf«, weiß der 73-Jährige.
Sorgen bereiten ihm Bürokratie, Mindestlohn und andere Auflagen. Darunter leiden viele, aber solch kleine Unternehmen wie ein Dorfladen ganz besonders. Mit Engagement und Ideenreichtum wird dem in Rohren getrotzt, damit auch die nächste Generation noch ins »Dorflädchen« gehen kann.

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