Nico Lautwein

25 Jahre Gemeinschaftskalender: Inklusion in bunten Bildern

Neuerburg. Seit 25 Jahren bringt der Gemeinschaftskalender der Westeifel Werke und der Volksbanken Menschen zusammen. Schülerinnen und Schüler sowie Künstlerinnen und Künstler gestalten ihn gemeinsam.

Ein roter Krake zwischen bunten Fischen, eine Meerjungfrau in einer fantasievollen Unterwasserwelt oder Blumen neben einer Biene: Die Motive des neuen Gemeinschaftskalenders sind farbenfroh, verspielt und persönlich. Bei der Präsentation der 25. Auflage im euvea Freizeit- und Tagungshotel in Neuerburg wurde deutlich, dass der Kalender längst mehr ist als ein Jahresplaner.

„Der Kalender sollte nicht irgendwo in einem Büro hängen oder nach Neujahr in einer Schublade verschwinden, sondern in die Küche kommen“, erinnerte sich Willi Leinen an die Anfänge des Projekts. Der damalige Marketingleiter der Volksbank Eifel-Mitte hatte den Kalender vor 25 Jahren gemeinsam mit dem Künstler und Maltherapeuten Walter Wilde und dem Grafiker Jochen Hank angestoßen. „Dort sollten die Leute jeden Tag von positiven und fröhlichen Bildern empfangen werden.“ Bei Besuchen habe er immer wieder festgestellt, dass der Kalender tatsächlich in vielen Küchen hing.

Gemeinsam kreativ: Schule trifft Werkstatt

Heute gestalten Schülerinnen und Schüler aus der Region gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern aus den Westeifel-Werkstätten die Kalenderseiten. Die Bilder aus dem Malwettbewerb „jugend creativ“ der Volksbanken stehen dabei gleichberechtigt neben den Werken aus der Maltherapie.

Jedes Jahr gehen rund 2000 bis 3000 Bilder von Schulen ein. Ausgewählte Arbeiten werden für den Kalender zusammengestellt und machen so die Kreativität der jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ebenso sichtbar wie die Kunst aus den Werkstätten.

Bei der Präsentation stellten einige der jungen Künstlerinnen ihre Motive persönlich vor. Schülerin Luna Wagner erzählte von ihrer roten Krake, Lea Krämer erläuterte die Inspiration für ihre Meerjungfrau. Auch Monika Zeimantz und Brunhilde Kockelmann aus den Westeifel-Werkstätten berichteten von ihren Bildern. Zeimantz verband ihr Küchenmotiv mit Erinnerungen an ihre Mutter und das frühere Familienleben, während Kockelmann schilderte, wie sie einen Leuchtturm und das Meer aufs Papier brachte.

Begegnung steht im Mittelpunkt

„Neben den Bildern ist es wichtig, zusammenzuwachsen und sich kennenzulernen“, sagte Ferdinand Niesen, Geschäftsführer der Westeifel Werke. Die Begegnungen ermöglichten den Schülerinnen und Schülern zugleich Einblicke in die Arbeit der Werkstätten und in den Alltag von Menschen mit Behinderung.

Mit einem Augenzwinkern verwies Niesen auf die unterschiedlichen Fähigkeiten der Künstlerinnen und Künstler: „Malen können Menschen mit Behinderung oft besser als Menschen ohne Behinderung. Ich kann überhaupt nicht malen.“ Dafür gab es Lacher im Publikum – und zugleich wurde deutlich, wie persönlich und herzlich das gemeinsame Projekt mittlerweile geworden ist.

Auch die Vertreter der beteiligten Banken betonten die Bedeutung des Kalenders. Manfred Heinisch, Vorstand der VR Bank EifelLand, bezeichnete ihn als „absolutes Vorzeigeprojekt“. Er zeige, „dass man in der Gemeinschaft mit vielen Leuten wirklich vieles voranbringen und gestalten kann“.

Wie groß die Nachfrage nach dem Kalender ist, erlebe er jedes Jahr beim Weltspartag: „Die erste Frage ist dann immer: Habt ihr schon den Kalender hier?“ Die VR Bank wolle das Projekt auch künftig unterstützen.

Michael Simonis, Vorstand der Volksbank Trier-Eifel, kennt die Präsentationen seit vielen Jahren. Auch bei ihm hänge der Kalender in der Küche – und dort würden alle wichtigen Termine eingetragen. Zwar könnten Termine längst digital verwaltet werden, doch gerade das Eintragen per Hand habe seinen eigenen Wert. Stolz sei er zudem auf die regionale Verbindung: „Alle Bilder, die hier im Kalender sind, sind in der Eifel gemalt worden.“

Dank an Schulen und Lehrkräfte

Detlef Maiers von der VR Bank EifelLand betreut das Kalenderprojekt gemeinsam mit Helena Schilling von der Volksbank. Er dankte insbesondere den Lehrerinnen und Lehrern, die den Wettbewerb begleiten und in den Unterricht integrieren.

„Der Wettbewerb ‚jugend creativ‘ steht und fällt mit dem Engagement der Schulen“, sagte Maiers. Viele Schulen erkundigten sich bereits im November nach den Malblättern für die nächste Runde. Ohne die Unterstützung der Lehrkräfte wären die zahlreichen Schülerarbeiten nicht jedes Jahr möglich.

Auch Ministerpräsident Gordon Schnieder gratulierte per Videobotschaft zum Jubiläum. Er würdigte den Kalender als Projekt, das Kinder und Jugendliche mit Beschäftigten der Westeifel Werke zusammenbringe. Beim gemeinsamen Malen entstünden wertvolle Begegnungen, Menschen lernten einander kennen und Berührungsängste würden abgebaut. „Das ist gelebte Inklusion“, sagte Schnieder.

Verlosung zum 25-jährigen Bestehen

Zum Jubiläum gibt es außerdem eine Verlosung. In jedem Kalender befindet sich eine Teilnahmekarte, mit der sich Kalenderbesitzer beteiligen können. Die Ziehung findet am 11. November statt.

Zu den Preisen gehören unter anderem eine Sitzbank im Wert von 500 Euro, eine Heißluftballonfahrt für zwei Personen, ein Sonntagsdinner im euvea, ein Terrassenfeuer sowie weitere Gutscheine.

Der Kalender ist in den Filialen der VR Bank EifelLand sowie in den Filialen der beiden Regionaldirektionen Bitburg-Südeifel und Prüm-Gerolstein der Volksbank Trier-Eifel erhältlich.