

Zum Auftakt der 17. Auflage des Eifel Literatur Festivals hat Bestseller-Autorin Caroline Wahl in der Bitburger Stadthalle gelesen. Insgesamt 874 Besucherinnen und Besucher verfolgten die Lesung aus ihrem aktuellen Buch "Die Assistentin".
Zu Beginn sorgte Wahl mit einer Bemerkung für Aufmerksamkeit. Sie erklärte, Bitburg sei ihr zuvor kein Begriff gewesen, das Bier kenne sie jedoch aus der Werbung, die vor der Formel 1 laufe, die sie früher mit ihrem Bruder gesehen habe. Dabei handelt es sich vermutlich um eine Verwechslung: Der bekannte Spot stammt nämlich von Krombacher, nicht von Bitburger.
Das Publikum in der Bierbrauerstadt reagierte gelassen auf diese Bemerkung. Durch das Eifel Literatur Festival hat man in der Region bereits viele etablierte und bekannte Autorinnen und Autoren erlebt und konnte daher mit entsprechendem Selbstvertrauen über Wahls Unwissenheit hinwegsehen.
Vom Taxifahrer, der sie von Köln nach Bitburg brachte, habe sie zuvor bereits von der "Gäßestrepper-Legende" erfahren und so zumindest etwas lokales Wissen mitgenommen.
In "Die Assistentin" sei mehr persönliche Erfahrung eingeflossen als in ihre Vorgängerromane "22 Bahnen" und "Windstärke 17", so Wahl bei ihrer Lesung. Der Roman schildert den beruflichen Werdegang der Figur Charlotte, die als Assistentin eines Verlegers arbeitet, der grenzüberschreitend und machtmissbrauchend agiert.
In ihren Werken schreibt Wahl über junge Frauen, die trotz widriger Umstände wie familiären Belastungen oder toxischen Beziehungen gegen Widerstände ihren Weg gehen. Mit ihren Büchern wolle sie Betroffenen Mut machen. Wenn das gelinge und sich andere in ihren Werken wiedererkennen, würde sie das stolz machen.
Mit viel Selbstironie und spannenden Einblicken in ihre Schreibprozesse sorgte Wahl bei der Lesung für einen kurzweiligen und unterhaltsamen Abend. Dabei erklärte sie auch, warum ihre Bücher immer eine Liebesgeschichte enthalten: Beim Schreiben lande sie automatisch bei diesem Thema – und frage sich manchmal, was das wohl über sie aussage.
Mit einem Augenzwinkern ging Wahl zudem auf eine öffentlich diskutierte Aussage ein: Sie wolle den Deutschen Buchpreis gewinnen. Daran glaube sie weiterhin, während ihre Mutter laut eigener Aussage nicht daran glaube.
Auch ihr literarisches Schaffen sorgt für Diskussionen. In ihrem Debütroman "22 Bahnen" erzählt sie die Geschichte einer Studentin, die sich um ihre kleine Schwester kümmern muss, an der Supermarktkasse arbeitet und eine alkoholkranke Mutter hat. In der Öffentlichkeit wurde ihr dabei unter anderem vorgeworfen, sich mit Geschichten über Armut und Sucht zu bereichern, da sie im Gegensatz zur Figur im Roman selbst aus sehr behüteten Verhältnissen stammt.
Zum Ende der Veranstaltung kündigte Caroline Wahl außerdem ihren nächsten Roman an, der im Sommer erscheinen soll. Für die Arbeit daran war sie zuletzt von einer Schreibreise aus Bali zurückgekehrt.
Der Abend hatte auch eine besondere Bedeutung für das Festival selbst. Es war die erste Veranstaltung ohne den im Oktober 2025 verstorbenen Gründer des Eifel Literatur Festivals, Dr. Josef Zierden.
Sein Sohn Dr. Johannes Zierden, der bereits 2024 die Festivalleitung übernommen hatte, zeigte sich sichtbar bewegt. Der Saal hielt einen Moment inne, um des Verstorbenen zu gedenken.
Zum Andenken erschien zudem eine limitierte Sonderauflage mit dem Titel „Ein Leben für die Literatur“. Darin finden sich Stimmen aus Politik, Wirtschaft und Kultur sowie von Wegbegleitern.
Die Lesung von Caroline Wahl war der Auftakt eines vielversprechenden Programms des Eifel Literatur Festivals. Weitere Veranstaltungen folgen in den kommenden Monaten in Gerolstein, Bitburg und Prüm.
Am 13. März liest Martina Hefter in der Stadthalle Rondell in Gerolstein aus ihrem Roman "Hey guten Morgen, wie geht es dir?". Am 20. März ist Joachim Meyerhoff in der Bitburger Stadthalle mit „Man kann auch in die Höhe fallen“ zu Gast.
Am 24. April folgt in der Bitburger Stadthalle eine Veranstaltung mit Stefanie Stahl unter dem Titel "Das Kind in dir muss Heimat finden und weitere Bestseller". Am 29. Mai liest Herfried Münkler in der Karolingerhalle in Prüm aus "Macht im Umbruch. Deutschlands Rolle in Europa und die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts".
Den Abschluss des Programms bildet am 13. Juni eine Lesung von Ewald Arenz in der Karolingerhalle in Prüm. Er stellt dort seinen Roman "Zwei Leben" vor.




