Julia Borsch

Regionaler Klimaschutz: Marathon statt Sprint

Region (bor). Der WochenSpiegel widmet sich in einer Sonderausgabe dem Thema Nachhaltigkeit. Wie gestalten die umliegenden Landkreise Maßnahmen zum Klimaschutz? Wo liegen Chancen und Herausforderungen? Die Klimaschutzmanager:innen im Gespräch.

 

Klimaschutzmaßnahmen werden wichtiger denn je. Welche Schritte unternehmen die Landkreise um die Region Trier?

Klimaschutzmaßnahmen werden wichtiger denn je. Welche Schritte unternehmen die Landkreise um die Region Trier?

Bild: Symbolfoto CanvaPro

Noch bis 8. Oktober laufen die »Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit«. Die Klimaschutzmanager:innen der Landkreise Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich, der Stadt Trier und des Eifelkreises Bitburg-Prüm zeigen, wie unterschiedlich die Herausforderungen vor Ort sind und welche konkreten Schritte unternommen werden. Deutlich wird: Klimaschutz gelingt nur, wenn Kommunen, Verwaltung und Bürger:innen zusammenwirken.


Landkreis Trier-Saarburg: Weichen richtig stellen

»Handlungsbedarf besteht überall dort, wo jetzt noch zwischen fossil und erneuerbar abgewogen werden muss«, betonen Mira Hansch und Paul Lippl. Besonders im Wärmesektor drohten Fehlentscheidungen, die langfristig unwirtschaftlich seien. Die Kreisverwaltung sieht sich zudem in der Verantwortung, Vorbild zu sein, so etwa durch Maßnahmen an eigenen Gebäuden. Für die kommenden Jahre liegt der Schwerpunkt auf Transparenz und Beteiligung. Mit den »Energie- und Klimagesprächen« startete 2024 eine neue Informationsreihe. Insgesamt umfasst das Klimaschutzkonzept 40 Maßnahmen, von denen die meisten bis 2029 umgesetzt werden sollen - darunter ein Fahrplan für die klimaneutrale Bewirtschaftung kreiseigener Liegenschaften und die stärkere regionale Vermarktung von Ökostrom.

Hier geht's zum vollständigen Statement der Klimaschutzmanager des Landkreises Trier-Saarburg.


Landkreis Bernkastel-Wittlich: Bewusstsein schaffen

Im Nachbarkreis steht die Sensibilisierung im Vordergrund. »Das Thema Klimaschutz wird von anderen Krisen überlagert und verdrängt. Deshalb ist es für viele momentan nicht präsent«, erklären Yvonne Michels und Anja Saupe. Klimaschutzmaßnahmen würden häufig als Einschränkung wahrgenommen – ein Hindernis für die Umsetzung.
Umso wichtiger ist es, das vorhandene Potenzial in der Bevölkerung zu nutzen. Bereits umgesetzt sind ein Förderprogramm für private Balkonkraftwerke (bis 2026), der Ausbau von Informationsangeboten und Radwegen sowie die Umstellung des kommunalen Fuhrparks.

Hier geht's zum vollständigen Statement der Klimaschutzmanagerinnen des Landkreises Bernkastel-Wittlich.


Eifelkreis Bitburg-Prüm: Mobiltät und Wärme im Fokus

Die Treibhausbilanz 2022 zeigt: Im Stromsektor ist der Eifelkreis mit 160 Prozent Einspeisung gegenüber dem Netzbezug bereits gut aufgestellt. Handlungsbedarf besteht dagegen bei Mobilität und Wärme. Kleinteilige Siedlungsstrukturen fordern flächendeckende ÖPNV-Angebote im Eifelkreis. Wichtig seien laut Claudia Mohr und Stephan Borens Alternativen zum Autofahren, so etwa neue Linienbündel und der weitere Erhalt des Deutschlandtickets.

Hier geht's zum vollständigen Statement der Klimaschutzmanager des Eifelkreises Bitburg-Prüm.


Stadt Trier: Hitze, Wärme und Verkehr im Fokus

Die Stadt Trier sieht sich gleich mehreren Herausforderungen gegenüber: extreme Sommerhitze in der Innenstadt, eine noch starke fossile Wärmeversorgung und hohe Emissionen im Verkehrssektor. Der Stadtrat hat bereits 2019 den Klimanotstand ausgerufen und verfolgt seitdem einen Hitzeaktionsplan. »Durch versiegelte Flächen entstehen sogenannte Wärme-Inseln«, so Natascha Steinbacher, Klimaschutzmanagerin. Mit Trinkbrunnen, Schattenplätzen und grünen Inseln sollen Aufenthaltsqualität und Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger geschützt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Wärmeversorgung. Der kommunale Wärmeplan soll zeigen, wie sich der Wärmebedarf bis 2045 vollständig aus erneuerbaren Quellen decken lässt. Dazu zählen Wärmenetze, Abwärmenutzung und Wärmepumpen, die von den Stadtwerken konsequent vorangetrieben werden. Auch im Verkehr werden die Weichen neu gestellt: Die Reaktivierung der Weststrecke, der Ausbau von Radwegen und das Projekt »KI-optimierte Mobilität« sollen den Umstieg auf klimafreundliche Alternativen erleichtern.

Hier geht's zum vollständigen Statement der Klimaschutzmanagerin der Stadt Trier.


Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität zeigt auch in der Großregion, dass Nachhaltigkeit in Kommunen nicht durch nationale Programme oder Aktionswochen vorangetrieben werden kann. Notwendig sind laut Klimamanager:innen vielmehr langfristige Strategien, klare Zuständigkeiten der Akteur:innen sowie ausreichend Personal und finanzielle Mittel. Im Gespräch mit den Klimaschutzmanager:innen stellt sich heraus, dass Klimaschutz regional unterschiedlich ist und insbesondere die aktive Beteiligung der Bevölkerung voraussetzt.


Das E-Paper zur WochenSpiegel-Nachhaltigkeitsausgabe gibt es hier.

 


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