Nico Lautwein

Auf den Spuren der Römer: Das Weinschiff „Stella Noviomagi" in Neumagen-Drohn

Neumagen-Drohn. Mit der „Stella Noviomagi“ können Besucher seit Mai wieder auf den Spuren der Römer über die Mosel fahren – vorbei an berühmten Weinlagen.

 

In Neumagen-Drohn bietet eine Fahrt auf der „Stella Noviomagi“ einen besonderen Einblick in die Geschichte und Kultur der Weinregion.

Text: Matthias Willems

Zeitreise auf der Mosel

Neben Frachtern, Ausflugsschiffen und Yachten ist auf der Mosel bald wieder ein außergewöhnliches Schiff zu sehen. „Die „Stella Noviomagi“ ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal auf der Mosel und für den Weinort Neumagen-Drohn“, sagt Bürgermeister Dieter Heintz stolz über den Nachbau eines römischen Weinschiffes, auf dem ab Mai wieder Fahrgäste auf eine Zeitreise in die Vergangenheit gehen können.

An Bord erfahren sie mehr über eine Epoche, in der die Römer die Landschaft und Kultur an der Mosel prägten. Die Ausflugsfahrten werden von erfahrenen Gästeführern begleitet, die Einblicke in die Gegenwart und Vergangenheit der 2000 Jahre alten Kulturlandschaft geben. Dabei geht es vorbei an den bekannten Weinlagen „Piesporter Goldtröpfchen“, „Drohner Hofberg“ und „Neumagener Rosengärtchen“.

Rund 5000 Gäste sind pro Jahr an Bord. Einzelgäste können von Mai bis Oktober mitfahren. Hier wird eine Vorreservierung dringend empfohlen. Gruppen bis 32 Personen können das Schiff komplett chartern. In diesem Jahr wird es auch wieder die Möglichkeit geben, auf dem Schiff zu heiraten.

Nachbau eines antiken Weinschiffes

Als Vorbild für das Schiff diente ein Grabmal aus dem 3. Jahrhundert. Daraus und anhand von Schiffsfunden aus der Römerzeit erstellte das Museum für Antike Schifffahrt Mainz die Baupläne. Lehrlinge der Handwerkskammer Trier bauten die „Stella Noviomagi“ dann in einjähriger Handarbeit. 2007 wurde das Schiff in Trier vom Stapel gelassen und getauft. In seinem Heimathafen Neumagen-Drohn wurde sogar eine eigene Anlegestelle gebaut.

Bevor die Saison am 1. Mai startete, wurde das 18 Meter lange und 4 Meter breite Schiff derzeit in einer extra dafür gebauten Werfthalle auf Vordermann gebracht. So wurden im vergangenen Winter beispielsweise Teile der Beplankung und der komplette Außenanstrich erneuert. Die Wartung übernehmen ehrenamtliche Helfer – überwiegend aus dem Förderverein Neumagener Weinschiff – und örtliche Handwerksbetriebe, unter anderem Schlosser, Schreiner und die Marina Mittelmosel.

Sanftes Dahingleiten auf der Mosel

Bürgermeister Dieter Heintz ist dankbar für die Unterstützung. Ein Schiff wie die „Stella Noviomagi“ müsse naturgemäß anders behandelt werden als moderne Schiffe. „Das Schiff hat ein Leergewicht von 9 Tonnen. Wir haben 5 Tonnen Ballast gebunkert, damit es stabil im Wasser liegt. Bei diesem Gewicht hat es nur einen Tiefgang von 60 bis 80 Zentimeter. Daher ist es ein ruhiges, sanftes Dahingleiten auf der Mosel“, erklärt der Bürgermeister.

Im Gegensatz zur Römerzeit wird das Schiff heute von zwei 55-PS-starken Dieselmotoren angetrieben. „Das Schiff fährt heute mit Motorkraft, aber wir sind guter Dinge, auch bald wieder die Möglichkeit anbieten zu können, einmal selbst zum Ruder zu greifen.“

Das 20-jährige Jubiläum im nächsten Jahr soll gebührend gefeiert werden. Dabei sollen nicht nur das Schiff, sondern auch weitere Funde aus der Römerzeit im ältesten Weinort Deutschlands stärker in den Fokus rücken. Mit Unterstützung des Rheinischen Landesmuseums Trier und der Universität Trier laufen bereits die Planungen.

Ausführliche Informationen zur Geschichte der „Stella Noviomagi“ sowie Termine, Uhrzeiten und Buchungsmöglichkeiten gibt es bei der Tourist Information, Römerstraße 137 in 54347 Neumagen-Drohn, Telefon: 06507/6555 oder per Mail an touristinfo@neumagen-drohn.de. Die Website findet sich unter: www.neumagen-drohn.de 

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