

Wer an diesem Tag dabei war, spürte: Dieser Ort hat auf diesen Augenblick gewartet.
Moderator Markus Werner brachte es zu Beginn auf den Punkt. »Ihr habt dieses geile Teil hier hingezaubert, herzlichen Dank!« sagte er an die ehrenamtlichen Helfer gewandt.
Die Alte Schule in Pesch ist kein gewöhnliches Gebäude. 1963 feierlich eingeweiht, diente sie zunächst als Volksschule, später bis 1980 als Grundschule. Dann begann eine Zeit des Wandels – und irgendwann eine Zeit der Stille. Eine Firma zog ein, gelegentliche Veranstaltungen fanden statt, doch der Ort verlor nach und nach seinen Platz im Dorfleben. Und Pesch verlor etwas, das ein Dorf braucht: einen Mittelpunkt.
Der Bürgermeister der Gemeinde Nettersheim, Norbert Crump, erinnerte an die langen Jahre, die zwischen Wunsch und Wirklichkeit lagen. Bereits 2013 war klar geworden, dass aus der alten Schule ein Dorfgemeinschaftshaus werden sollte. »Die Weichen für das, was wir heute feiern können, sind im Prinzip vor 13 Jahren gelegt worden«, sagte Crump. Eine enorme Zeitspanne – und eine, die den Beteiligten viel abverlangt hat.
Denn dann kamen Corona und die Flut. »Wir haben andere Schwerpunkte setzen müssen. Die Menschen lagen im Dreck, wir mussten helfen«, so Crump. Was ihn bewegte: Aus Pesch habe er in all diesen Jahren kein einziges Wort der Kritik gehört, dass das Projekt zurückgestellt worden war. »Das war eine große solidarische Gemeinschaftsleistung, und dafür möchte ich heute noch einmal ausdrücklich Danke sagen.«
Die neue Pescher Ortsvorsteherin Daniela Nielen ließ die Mauern sprechen. Sie bat das Publikum um Stille – um echte Stille. »Wenn ihr ganz leise seid, dann könnt ihr es vielleicht hören – das Lachen der Kinder, das Quietschen der Kreide auf der Tafel, die Mahnung der Lehrer zur Ruhe.« Was folgte, war kein Vortrag, sondern eine Reise durch die Geschichte dieses Hauses. »Diese Mauern atmen Pescher Dorfgeschichte«, sagte Nielen – und im Saal war es für einen Moment tatsächlich sehr still.
Sie sprach von den Kindern, die hier Gummi-Twist gespielt haben, von den Jungs, die gegen den Ball getreten haben, von allem, was diese Mauern erlebt und gespeichert haben. Und sie sprach davon, was diese Mauern nie wieder erleben sollen: »Die entsetzliche Stille und Leere, die ihnen fast den Lebensmut genommen hat.«
Ihr tiefer Dank galt unter lang anhaltendem Applaus den ehrenamtlichen Helfern, ohne die dieser Tag nicht möglich gewesen wäre. Und das ist keine Übertreibung. Rund 10.000 Stunden haben freiwillige Helfer in die Sanierung der Alten Schule investiert. Bürgermeister Crump rechnete vor, was das bedeutet: Bei einem anerkannten Stundensatz von 15 Euro – »der eigentlich viel zu wenig ist« – entspricht das einem Gegenwert von rund einer Viertelmillion Euro, der durch reines Ehrenamt geschaffen wurde.
Die »Alte Schule« verfügt nun über einen großen Gemeinschaftsraum, dazu einen Jugendraum, moderne Toilettenanlagen – und eine Hofanlage, die noch fertiggestellt wird. Im Untergeschoss hat der Physiotherapeut Jörg Koch seine Praxis eingerichtet. Langfristig soll nun ein Trägerverein gegründet werden, der das Objekt für 30 Jahre sichert. »Machen Sie mit – das ist die dauerhafte Grundlage, dieses schöne Haus dem Ort zu erhalten«, appellierte Crump an die Pescher.
Bevor es soweit komme, werde aber zuerst gefeiert, mit viel Musik von Uwe Reetz sowie »Kerk und Baend« und dem einen oder anderen Gläschen. Das hatte Pesch sich verdient ...




