Michael Nielen

Nettersheim nutzt die Kraft der Sonne

Zingsheim. Die Eifelgemeinde Nettersheim installiert Photovoltaikanlagen auf zehn kommunalen Gebäuden.
Norbert Crump (v.li.) und Jens Berbuir auf dem Dach des Feuerwehrgerätehauses Zingsheim, das mit einer PV-Anlage bestückt wurde und energetisch mit dem Rathaus eine Einheit bildet.

Norbert Crump (v.li.) und Jens Berbuir auf dem Dach des Feuerwehrgerätehauses Zingsheim, das mit einer PV-Anlage bestückt wurde und energetisch mit dem Rathaus eine Einheit bildet.

Bild: Michael Nielen

Es war ein bewölkter Vormittag, als Jens Berbuir von der Gemeindeverwaltung Nettersheim auf sein Tablet schaute und entspannt feststellte: »Wir produzieren momentan 8,28 Kilowattstunden – und das Rathaus verbraucht gerade nur 5,75. Das heißt, wir produzieren mehr, als wir hier überhaupt abnehmen.« Was übrig bleibt, fließt in den Speicher.

Was der Speicher nachts nicht schafft, kauft die Gemeinde zu. An sonnigen Tagen braucht sie gar keinen Strom einzukaufen. Der Rat der Gemeinde hatte beschlossen, einen Masterplan zur Energieeinsparung und Energieoptimierung zu erarbeiten. Ein zentraler Baustein davon: Photovoltaikanlagen auf kommunalen Dächern. Zehn Gebäude wurden ausgewählt – darunter das Rathaus Zingsheim, die Grundschulen in Marmagen und Zingsheim, das Schulzentrum Nettersheim, das Familienzentrum, zwei Bauhofhallen, der Dorfsaal Tondorf, der Waldkindergarten und die Turnhalle Zingsheim. Die Gesamtleistung der Anlagen liegt bei rund 139 Kilowatt Peak, die jährlich etwa 125.000 Kilowattstunden erzeugen werden.

Möglich wurde das Projekt durch das Förderprogramm »Photovoltaikanlagen auf kommunalen Dächern im Rheinischen Revier«. Die Förderquote liegt bei 95 Prozent der zuwendungsfähigen Nettokosten – das entspricht rund 80 Prozent der Bruttokosten. In konkreten Zahlen: Von einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 520.000 Euro trägt die Förderung knapp 462.000 Euro.

Die Gemeinde rechnet mit einer jährlichen Ersparnis von rund 40.000 Euro bei den Energiekosten. »Das ist wirklich erfreulich zu sehen«, sagte Crump. Dass das Programm genutzt werden konnte, war keineswegs selbstverständlich. Es war zwischenzeitlich geschlossen worden und dann wieder geöffnet. »Wir haben das Fenster genutzt, als es sich aufgetan hat«, so der Bürgermeister.

Ausgeschrieben wurde das Projekt in zehn Losen, an 20 Fachfirmen. Die Aufträge wurden an die jeweils günstigsten Bieter vergeben.

Inzwischen sind auf allen zehn Gebäuden die Anlagen installiert – Tondorf war das letzte. »Wir können eigentlich Vollzug melden – zu 95 Prozent«, sagte Berbuir. Was noch fehlt, sind die letzten Feinarbeiten: Anschlüsse und eine Software, über die der Verbrauch jedes einzelnen Gebäudes künftig digital abgerufen werden kann.

Neu ist das Thema für Nettersheim nicht. Vor rund 20 Jahren hatte die Gemeinde bereits erste Photovoltaikanlagen auf kommunalen Dächern installiert – damals noch zu Einspeisevergütungen von über 50 Cent pro Kilowattstunde, garantiert über 20 Jahre. »Das war damals ein anderer Ansatz«, erinnert sich Crump. »Es ging nicht ums Eigenverbrauch, sondern ums Einspeisen.« Diese Anlagen – unter anderem auf der Grundschule Marmagen und der Turnhalle Zingsheim – laufen noch heute. Die neuen Anlagen ergänzen sie nun, mit einem grundlegend anderen Ziel: so viel wie möglich selbst zu verbrauchen.

Die Einspeisevergütung für überschüssigen Strom liegt heute bei rund acht Cent pro Kilowattstunde. »Besser als nichts – aber damit wird man nicht reich«, kommentierte Crump trocken. Der Fokus liegt deshalb klar auf dem Eigenverbrauch, kombiniert mit Batteriespeichern. Am Rathaus in Zingsheim stehen 30 Kilowattstunden Speicherkapazität zur Verfügung. »Ich kann eigentlich die ganze Nacht das Rathaus über den Speicher bedienen, ohne Strom einzukaufen«, erklärte Berbuir

Das Projekt endet nicht bei den Photovoltaikanlagen. Am Rathaus Zingsheim sind zwei Ladestationen für Elektrofahrzeuge geplant, die künftig mit dem selbst erzeugten Solarstrom betrieben werden sollen. »Wir haben im Masterplan die Elektromobilität beschrieben und wollen da mit Augenmaß vorgehen«, so Crump. Ein Dienstfahrzeug des Ordnungsamts soll durch ein Elektrofahrzeug ersetzt und künftig direkt über die Photovoltaikanlage geladen werden.

Insgesamt verfügt die Gemeinde Nettersheim über rund 80 Gebäude. Nicht alle kommen für weitere Anlagen in Frage – Statik, Verbrauchsnachweise und Förderfähigkeit müssen jeweils geprüft werden.

Aber der Bürgermeister machte deutlich, dass man noch lange nicht am Ende ist: »Wir werden weiterhin die Gebäude und die Förderschienen im Auge behalten. Wenn sich wieder ein Fenster öffnet, steigen wir ein.«