

Fragen von Arnt Finkenberg
Wospi: 2014 wurden Sie als bester Nachwuchs-Travestiekünstler Deutschlands ausgezeichnet, seit 2025 gehören Sie zum Ensemble von Olivia Jones. Was bedeutet das für Sie?
Seit 2014 hat sich bei mir wirklich einiges getan. Ein wichtiger Meilenstein war damals der Nachwuchswettbewerb im Pulverfass in Hamburg, bei dem ich – als bester Deutscher – den zweiten Platz belegt habe. Noch einmal einen ordentlichen Schub haben mir dann ab 2025 die Auftritte bei Olivia Jones gegeben. Das hat auch andere Ensembles auf mich aufmerksam gemacht, denn wer bei Olivia auf der Bühne steht, muss abliefern – es muss einfach sitzen, sonst funktioniert es im Showclub nicht.
Wospi: Regina Red steht für Glamour, schrille Kostüme und schlagfertigen Humor. Wie viel von Ihrer eigenen Persönlichkeit steckt in dieser Bühnenfigur, und wer ist der Mensch hinter Regina Red?
Hinter Regina Red steckt zu einem sehr großen Teil meine eigene Persönlichkeit: Mein Sinn für Humor fließt da voll ein, und ich weiß natürlich genau, wie ich diese Kunstfigur interpretiere. Da ist also ganz viel René drin. Privat bin ich als René allerdings etwas zurückhaltender. Regina ist da im direkten Vergleich das komplette Gegenteil – schlagfertig und direkt, eben ganz Stand-up-Comedian.
Wospi: Spüren Sie eine Veränderung des politischen Klimas in der Unterhaltungsbranche, und erleben Sie gerade als Travestiekünstlerin persönlich oder beruflich zunehmende Vorbehalte? Verstehen Sie Ihre Auftritte auch als politisches Statement?
Ja, natürlich machen wir uns – und da spreche ich wohl für die gesamte Travestie- und Drag-Szene – ziemliche Sorgen um die Akzeptanz unserer Kunst. In den letzten rund drei Jahren spürt man gerade bei öffentlichen Auftritten oder dort, wo die Leute vielleicht nicht direkt mit uns rechnen, doch eine gewisse Ablehnung. Zum Glück überwiegt nach wie vor der positive Zuspruch, und der Tenor unseres Publikums ist durchweg herzlich. Aber wir merken ganz deutlich, dass der Gegenwind zunimmt und die Akzeptanz abnimmt – nicht zuletzt befeuert durch politische Strömungen und insbesondere eine Partei, die sehr stark und gezielt gegen uns arbeitet. Ich habe meine Show nie als Plattform für politische Parolen gesehen, die ich unbedingt weitertragen will. Man wird durch die aktuelle gesellschaftliche und politische Debatte um unsere Kunst und die gesamte queere Gemeinschaft am Ende aber einfach reingezogen, ob man will oder nicht. Ich selbst möchte im Grunde einfach nur eins: gut unterhalten. Die Leute sollen einen wunderschönen Abend haben, gemeinsam mit uns singen, viel lachen und mit einem guten Gefühl nach Hause gehen.
Wospi: Statt auf der Hamburger Reeperbahn stehen Sie nun im Dorfgemeinschaftshaus in Schüller auf der Bühne. Was reizt Sie an solchen Auftritten vor einem kleineren Publikum?
Ja, in Hamburg zu spielen ist natürlich wunderschön – und dann noch im Showclub auf dieser mehr als historischen Bühne, auf der einst sogar die Beatles gespielt haben! Letztendlich komme ich aber von der Kleinkunstbühne und vom Schützenfest, so haben meine Anfänge ausgesehen. Ich fühle mich einfach unheimlich wohl damit, direkt im Kontakt mit dem Publikum zu stehen, so wie es bei Veranstaltungen wie bald in Schüller sein wird. Ganz nah dran, Auge in Auge mitten im Publikum,
Wospi: Am 30. Oktober erwartet die Besucher in Schüller eine Mischung aus Halloween, Travestie und Comedy. Worauf darf sich das Publikum besonders freuen, und gibt es eine Überraschung?
Ich denke, die ganze Show wird einfach eine riesige Überraschung sein – es wird ein wunderbar bunter Mix! Natürlich haben wir passende Halloween-Nummern dabei, aber eben auch klassische Travestie, poppige Songs und natürlich Comedy zum Weglachen. Das Schöne ist: Die Show ist jedes Mal aufs Neue eine Überraschung, weil wir für jeden Veranstaltungsort ganz individuell eine neue Show konzipieren.´

Arnt Finkenberg, WochenSpiegel
Bild: Privat
In Zeiten, in denen Freiheit, Vielfalt und Toleranz zunehmend unter Druck geraten und das Recht auf freie Meinungsäußerung immer häufiger zur Verbreitung von Hass und Hetze missbraucht wird, heißt es Farbe bekennen und lauter werden. Denn wenn der Gegenwind zunimmt, müssen unsere demokratischen Grundrechte umso entschiedener verteidigt werden. Überall. Auch auf den Showbühnen in der Eifel. Jetzt erst recht! Danke, Regina Red!
Ihr Arnt Finkenberg
afinkenberg@weiss-verlag.de


