Andreas Bender

125 Jahre Hunsrücker Geschichtsverein: Regionales Geschichtsbewusstsein fördern

Region/Simmern. Seit 125 Jahren verschreibt sich der Hunsrücker Geschichtsverein der Förderung des regionalen Geschichtsbewusstseins. Eine Ausstellung im Hunsrück-Museum erinnert an diese, seit über einem Jahrhundert geleistete Vereinsarbeit.
Redaktionssitzung des Vereins um 1968 (v.l.): Hermann Brucker, Theodor Schauder, Willi Wagner, Hajo Knebel und Gustav Schellack.

Redaktionssitzung des Vereins um 1968 (v.l.): Hermann Brucker, Theodor Schauder, Willi Wagner, Hajo Knebel und Gustav Schellack.

Bild: Ernst Otto Simon

Der Hunsrücker Geschichtsverein entstand vor dem Hintergrund eines wachsenden Interesses an regionaler Geschichte und Heimatpflege Ende des 19. Jahrhunderts. Bereits am 6. Juni 1890 hatten Pfarrer Hermann Reeder aus Kappel und Lehrer Jakob Röhrig aus Dill in einer Zeitungsanzeige zu einer Versammlung nach Kirchberg eingeladen, um die Gründung eines »Kirchberger Vereins für Hunsrücker Geschichte« zu beraten. Der daraus hervorgegangene Verein erhielt bald den Namen Hunsrücker Geschichtsverein. Ziel war es, die Kenntnis der Regionalgeschichte durch Vorträge zu fördern, das Interesse an Altertümern zu wecken und Bibliotheken aufzubauen.

Zunächst entstanden Ortsgruppen in Simmern und Kirchberg, die jedoch nur kurze Zeit Bestand hatten. Um die Jahrhundertwende wurde die Idee eines dauerhaften Geschichtsvereins erneut aufgegriffen. Vor allem Geistliche setzten sich für eine institutionelle Organisation ein, um bisherige Forschungen und Sammlungen zusammenzuführen. Im November 1901 erfolgte schließlich in Simmern die Neugründung des Vereins.

»Eine zentrale Aufgabe des Vereins war von Beginn an der Aufbau einer Sammlung historischer und volkskundlicher Objekte«, sagt der heutige Vorsitzende Dr. Fritz Schellack. »Gesammelt wurden Altertümer aus unterschiedlichen Epochen, Schriftstücke, Bodenfunde, Arbeitsgeräte, Möbel, Münzen sowie Literatur. Diese Sammlung bildete dann auch den Grundstock des späteren Museumsbestandes des Hunsrück-Museums in Simmern.«

Zunächst wurden die Objekte im damaligen Landratsamt am Schlossplatz aufbewahrt und teilweise öffentlich gezeigt. Aus der Vereinsbibliothek entwickelte sich später die heutige Kreisgeschichtsbücherei, die seit 1999 gemeinsam mit dem Archiv in der Kreisverwaltung Rhein-Hunsrück untergebracht ist.

»Als Verein beschäftigen wir uns mit der Geschichte und Kultur der gesamten Hunsrückregion, die sich nicht an Kreisgrenzen orientiert«, so Schellack. Das spiegelt sich besonders in den »Hunsrücker Heimatblättern« wider. Die Publikation ist ein wichtiger Bestandteil des Vereins-Engagements und erscheint seit 1961 in regelmäßiger Folge. Der Umfang beträgt rund 70 Seiten. Anfang des Jahres ist Heft Nummer 190 erschienen. »So wurden bis heute rund 12 000 Seiten rund um die (Kultur-) Geschichte der Hunsrück-Region veröffentlicht«, sagt Schellack. Die Autoren verfassen ihre recherchierten Beiträge ehrenamtlich – mitunter schon seit Jahren. Mitglieder erhalten die Hefte (derzeit drei Ausgaben, zuzüglich eventueller Sonderausgaben) per Post. Die Hefte sind auch für Nicht-Mitglieder im regionalen Buchhandel erhältlich oder direkt beim Verein. Ältere Ausgaben sind mitunter noch erhältlich (ab Nummer 51).

Darin werden auch immer wieder Biografien von historischen Hunsrückern veröffentlicht. Diese »Hunsrücker Biografien« werden aktuell auch sukzessive auf der Internetseite des Vereins online gestellt. Eine Auswahl wurde als Buch aufbereitet (»55 historische Persönlichkeiten«).

Wie erwähnt, gehen die Anfänge des Hunsrück-Museums in Simmern auf die Sammelinitiative des Vereins zurück. Da die Räume im Landratsamt bald nicht mehr ausreichten, suchte man nach einer dauerhaften Unterbringung. Den entscheidenden Impuls für ein eigenes Heimatmuseum gab schließlich der damalige Bürgermeister Heinrich Meckel.

Im ehemaligen Schinderhannesturm, der bis Anfang des 20. Jahrhunderts als Gefängnis genutzt worden war, entstand nach dem Ersten Weltkrieg ein Museum. Der Hunsrücker Geschichtsverein fusionierte in dieser Zeit mit dem Verein für Volksbildung und Geschichte, der 1921 die Sammlung übernahm und im selben Jahr das Museum eröffnete. Erster Museumsleiter wurde Karl Wagner, der die Sammlung kontinuierlich erweiterte.

1958 erfolgte die Neugründung des Vereins, der sich in den 30er-Jahren auflöste. Zur 600-Jahr-Feier Simmerns zog das Museum 1930 ins Schloss Simmern um, wo es sich bis heute befindet. Dort präsentierte man die vor- und frühgeschichtlichen, historischen, volkskundlichen und naturkundlichen Bestände in insgesamt fünf Räumen und wechselnder Ausstellungen.

 

  • Bis zum 28. Juni ist die Ausstellung »125 Jahre Hunsrücker Geschichtsverein – Ein Blick auf die Bedeutung der Heimat-, Lokal- und Kulturgeschichte im ‚kulturhistorischen Niemandsland‘« im Foyer im Schloss Simmern zu sehen.
  • Öffnungszeiten sowie Info zum Verein: www.hunsruecker-geschichtsverein.de