

Was kann eigentlich ein Tischler? Verzinken, verzapfen, sägen, hobeln und vieles mehr. Vom Biertresen, Kombiniert aus alter Werkbank, Stahl und Möbelholz über Vitrinenschränke, Side- und Lowboards, Schreib- und Esstische bis zum Weinschrank in Glas und Schiefer und kreisrunden Vitrinenschrank reicht die Palette, die das starke Dutzend der Tischler-Azubis im Rhein-Hunsrück-Kreis bei der Gesellenstück-Ausstellung präsentiert. Eltern, Verwandte, Freunde, Vertreter von Ausbildungsfirmen und Politik mit Landrat Volker Boch an der Spitze und KHS-Geschäftsführer Marc Schild ließen sich von den Junggesellen ihre Ideen, die Materialauswahl, Planzeichnungen und herausfordernde Verarbeitungsdetails erklären.
Tischler-Innungsobermeister Thomas Klemm von der Kreishandwerkerschaft Rhein-Nahe-Hunsrück betonte schon bei der Begrüßung, dass es den jungen Männern gut gelungen sei, ihr Können, ihre Ausdauer und Kreativität mit ihrem Gesellenstück zu realisieren. Das sei weit mehr als ein Möbelstück. Klemm freute sich, dass alle jungen Fachleute auch ihre Arbeiten gut und nachvollziehbar erklärten vor der großen Zuhörerkulisse und die Chance zur Präsentation nutzten. Lars Neurohr, Leiter Kreditabteilung der gastgebenden Sparkasse, sagte zur Begrüßung, dass man den eindrucksvollen Ergebnissen handwerklichen regionalen Könnens gerne eine Bühne und Kommunikationsplattform biete. Die interessanten Werkstücke würden sehr gern auch von Kunden ohne Bezug auf das Tischlerhandwerk betrachtet und bewundert. Daher wollen man die Tradition der Ausstellung gerne fortsetzen und damit auch die Verbundenheit zu den regionalen Ausbildungsbetrieben unterstreichen.
Beim Rundgang durch die Ausstellung wurde deutlich, wie vielfältig die Tischler-Arbeit inzwischen geworden ist. Altbekannte Verbindungstechniken wie das Verzinken, die nach wie vor bei den Gesellenstücken eingefordert und eingebracht werden müssen, sind mit der Moderne kombinierbar. So wird einerseits in Vollholz gearbeitet mit Holznägeln und Verzapfung, andererseits werden Kabelschächte in Vitrinen und Schreibtischen „versteckt“ oder Lichteffekte durch Bewegungssensoren ausgelöst. Interessant auch die Oberflächenbehandlung von Hartwachs bis Linoleum, Schiefer bis Umleim-Furnier. Jedes einzelne Werkstück, auch jede mit scheinbar einfacher Konstruktion, hatte seine Besonderheit und auch bei der Holzauswahl gab es interessante Lösungen von Elsbeere bis zur klassischen Eiche. Von selbstgeschreinerten Griffen bis zu grifflosen Schubladen in Tip-On-Öffnung- und Verschlusstechnik, Schweizer Kante, die massive Platten optisch grazil wirken lässt, klassische uralte Bänder für Türen, Magnetverschlüsse.
In rund 100 Arbeitsstunden soll ein solches Gesellenstück eigentlich fertig sein. Doch die Jung-Tischler gaben zu, dass sie von oftmals verworfenen Ideen, Plänen bis zum fertigen Möbelstück teils viele Wochenenden und Stunden zusätzlich investiert haben. „Das war ein ganz starker Jahrgang,“ bestätigte Fachlehrer Volker Winter von der Berufsschule Simmern. Sie haben mitgezogenen, sich gegenseitig unterstützt und als Klasse gut harmoniert. Fazit: Eine gelungene traditionelle beispielhafte Präsentation, an der sich manch andere handwerks-Innung ein Muster abschauen sollte.
Die erfolgreichen Möbeltischler, die ihre Werke ausstellen: Jo Bernhard, Schreinerei Gutenberger, Nico Bielawski, Schreinerei Wagner, Pierre Grundmann, VBS Sohrschied, Max Guttau, Schreinerei Busch, Emilio Konen, Schreinerei Konen, Finn Mähringer, Schreinerei Federhenn, Noel Pies, Holzfreude GmbH, Max Odenbreit, Schreinerei Dieterich, Max Rupprich, BoGo Schreinerei GmbH, Felix Schmittinger, Hansen Solz Design, Fabian Schrattenholz, Latz und Kunz Holzwerkstätten und Merlin Seibel, Hansen Holzdesign.
Die Ausstellung ist bis einschließlich 12. Juni im Foyer der Kreissparkasse Rhein-Hunsrück in Simmern zu sehen.




