

Die nach dem Schirmherrn des Festivals benannte Siegertrophäe „Edgar“ ging an die spanische Produktion mit dem Originaltitel „Rondalla“. Der Filmpreis ist mit 3.000 Euro dotiert. Bock sagte in seiner Laudatio: „Wenn es darum geht, zutiefst zu berühren mit Lachen und Weinen, damit kann man mich sehr gut kriegen. Um so mehr, wenn hervorragende Schauspielerinnen und Schauspieler ihren Beruf so verantwortungs- und hingebungsvoll verstehen und ihn dementsprechend ausüben wie in diesem Film.“ Die Geschichte handelt von einem kleinen Fischerdorf in Galicien, in das nach zwei Jahren der Trauer wegen eines Unglücksfalls wieder Zuversicht und positive Lebenseinstellung zurückkehren. Die Menschen im Ort können durch Gemeinschaft wieder nach vorn schauen. In einer ersten Reaktion per Videobotschaft freute sich Regisseur Daniel Sánchez Arévalo: „Das ermuntert mich und zeigt mir, dass wir eine gute Arbeit gemacht haben.“
Juror Rainer Bock suchte auch den besten Nachwuchspreis aus. Seine Wahl fiel auf die dänische Produktion „Home“ von Marijana Jankovic. „Dieser Film hat das Motto dieses wunderbaren Filmfestivals innerlichst beglaubigt. Was ist Heimat? Was bedeutet der Verlust von Heimat? Und kann Heimat wirklich da sein, wo man sich gerade befindet? Kann man Heimat etwa mitnehmen?“, fragte der Juror. Die in Montenegro geborene dänische Schauspielerin durfte sich freuen, für ihr Erstlingswerk in Spielfilmlänge als Regisseurin gleich doppelt ausgezeichnet zu werden.
Der Film heimste auch den Publikumspreis ein, der ebenfalls mit 1.000 Euro dotiert ist. Mohammad Asefi, Präsident des Rotary Clubs Simmern-Hunsrück, der das Preisgeld stiftete, übergab den Preis. „Ich bin sprachlos“, bekannte Jankovic in ihrer Videobotschaft. Aus tiefem Herzen dankte sie dem Publikum dafür, den Film angeschaut und für preiswürdig gehalten zu haben.
„Home“ handelt von einer Familie aus Jugoslawien, die sich in Dänemark ein besseres Leben erhofft und beschließt, auszuwandern. Weil aber nicht alle fünf Familienmitglieder mitkönnen, entscheidet der Vater, die beiden Söhne in Jugoslawien zurückzulassen, um sie später nachzuholen. Der Nachwuchspreis ist dotiert mit 1.000 Euro und wurde vom rheinland-pfälzischen Kulturministerium gestiftet. Staatsekretär Denis Alt sagte in Simmern: „Die Heimat Europa Filmfestspiele bieten beste Unterhaltung, bestes Niveau und große Begeisterung.“ Das Festival in Simmern habe sich für die Region zu einem Leuchtturm entwickelt. Im Namen seines Ministeriums versprach der Staatssekretär für die Zukunft des Festivals: „Wenn Sie’s weiter auf die Beine stellen, werden wir es fördern.“ „Gerade die kleinen Festivals brauchen unsere Unterstützung“, betonte Juror Rainer Bock.
Für die Jugendjury war „Sunny Dancer“ von George Jaques der Siegerfilm, der sie wegen seiner jugendlichen Art ganz besonders überzeugt habe. „Als Coming-of-Age Film hat er gerade uns als Jugendliche berührt“, schreiben die fünf Juroren in ihrer Begründung. Die Produktion aus Großbritannien handelt von einem Sommercamp für an Krebs erkrankte Kinder. Hier können sie unter sich sein und werden nicht ständig an ihre schwere Krankheit erinnert. Die 1.000 Euro Preisgeld kamen von der Hunsrücker Andarta-Stiftung für Kunst, Kultur, soziale und ökologische Projekte. Regisseur Georger Jaques dankte ebenfalls per Video.
Jugendlich locker aber auf höchstem Niveau geriet die musikalische Gestaltung des Finalabends. Die Vokalgruppe German Gents faszinierte mit ihrem A-capella-Gesang das Publikum, das am Tag zuvor schon den Film-Klassiker „Comedian Harmonists“ von Joseph Vilsmaier genossen hatten. Das junge Quartett lieferte neben perfektem Satzgesang mit makelloser Intonation nebenbei noch klasse Unterhaltung durch humorvolle Anmoderationen der einzelnen Lieder. Das Publikum war hingerissen und forderte energisch Zugabe.
Am Schluss des Finalabends gab es dann noch starken Beifall für die Macher der Heimat Europa Filmfestspiele, die sich nach zwei Wochen Filmfestival auf der Bühne präsentierten. Im weiteren Verlauf des Abends ging es, wie schon zu Beginn, auch um die neunten Heimat Europa Filmfestspiele. Moderator Holger Wienpahl hat bei seiner Begrüßung schon hervorgehoben, dass in diesem Jahr ein neuer Besucherrekord aufgestellt worden sei. „Die 4.500 vom vergangenen Jahr haben wir getoppt. Die exakten Zahlen haben wir noch nicht“, sagte Wolfgang Stemann vom Pro-Winzkino.
„Die gute Nachricht: Es geht weiter im nächsten Jahr. Es wäre Wahnsinn, wenn in dieser Stadt die Filmfestspiele nicht mehr stattfinden würden“, betonte Stemann. „Die Zukunft des Festivals ist gesichert“, freute sich auch Stadtbürgermeister Andreas Nikolay. Es komme auch darauf an, dass die Pro-Winzler, die seit mehr als 40 Jahren ihr Kino in Simmern betreiben, Nachfolger finden. „Festspiele ohne Stadt sind denkbar, aber nicht ohne Kino“, sagte Nikolay. Im kommenden Jahr geht es auf jeden Fall mit Humor in die nächste Runde. Das Motto des Kultursommers Rheinland-Pfalz lautet 2027: „Wenn man trotzdem lacht – Scherz, Satire – und tiefere Bedeutung“.




