

Frau Gundert, Sie gehen Ende dieses Jahres in den Ruhestand. Erinnern Sie sich noch an Ihre ersten Tage oder an die Anfangszeit der Beratungsstelle?
Ja, daran erinnere ich mich noch sehr gut. Mein erster Arbeitstag war 2001, damals noch in einem kleinen Büro im alten Kreuzgang der Stadtverwaltung in Boppard. Das Büro war sehr spartanisch eingerichtet – es gab nur einen Tisch und einen Stuhl. Für mein erstes Beratungsgespräch musste ich erst einmal einen zweiten Stuhl organisieren. Aber trotz dieser einfachen Bedingungen war sofort klar: Diese Arbeit ist wichtig und wird gebraucht.
Wie kam es überhaupt zur Gründung von donum vitae in Boppard?
Ich erinnere mich noch gut an die ersten Gespräche mit Constanze Nattermann im Centralcafé in Boppard, wie es mit der Schwangerschaftskonfliktberatung in der Region weitergehen könnte. Der Hintergrund war, dass sich die katholische Kirche Ende der 1990er-Jahre aus dem staatlichen System zurückgezogen hatte. Daraufhin wurde der Verein donum vitae gegründet, um weiterhin eine qualifizierte Beratung anbieten zu können. Ich selbst hatte zuvor etwa zehn Jahre als Beraterin bei der Caritas gearbeitet.
Was hat Sie persönlich motiviert?
Ich war und bin von der Notwendigkeit dieser Arbeit überzeugt. Die Beratung von Frauen und Familien war für mich immer ein Herzensanliegen. Besonders wichtig ist mir, dass die Beratung ergebnisoffen ist. Frauen sollen einen sicheren Ort haben, an dem sie offen sprechen können, ernst genommen werden und Unterstützung erfahren. Am Ende geht es darum, dass sie eine selbstbestimmte und unabhängige Entscheidung treffen können.
Wenn Sie auf 25 Jahre zurückblicken: Was hat Sie besonders geprägt?
Es gab viele besondere Momente und Meilensteine. Immer wieder wurde deutlich, welche politische und gesellschaftliche Wertschätzung unserer Arbeit entgegengebracht wird. Ein wichtiger Schritt war der Umzug in eigene Büroräume in der Oberstraße in Boppard. Damit hat die Beratungsstelle eine feste und sichtbare Heimat bekommen.
Besonders prägend waren für mich verschiedene Projekte. Dazu zählt beispielsweise eine Ausstellung zum Thema »Gewalt in engen sozialen Beziehungen«, die wir gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten organisiert haben. Hinzu kommen zahlreiche präventive Angebote, etwa die Einführung des Fonds Familienplanung und Prävention. Dieser Fond ist eine finanzielle Unterstützung für Frauen und auch Männer bei der langfristigen Familienplanung.
Aber auch die Arbeit mit Jugendlichen im Rahmen des Elternpraktikums in Zusammenarbeit mit der Jugendbegegnungsstätte sind wertvolle Projekte, auf die ich stolz bin, dass wir diese hier in Boppard installieren konnten.
Ein besonderes Highlight war die Erfahrung auf europäischer Ebene in einem Erasmus+ Projekt. Kollegen aus Europa kennenzulernen und mit ihnen im Austausch zum Thema der positiven Elternschaft zu sein. Für diese wertvolle Erfahrung bin ich sehr dankbar.
Mit welchen Themen kommen Frauen und Familien heute am häufigsten zu Ihnen?
Viele Frauen kommen mit finanziellen Sorgen oder in schwierigen Lebenssituationen zu uns. Ein häufiges Thema sind auch Alleinerziehende, die sich fragen, wie sie den Alltag mit einem Kind bewältigen können. Manche Frauen kommen auch, weil sie keinen Kinderwunsch haben und Orientierung brauchen. Gerade deshalb sind Beratungsstellen so wichtig: Sie bieten einen geschützten Raum, in dem Menschen über ihre Sorgen sprechen können und Unterstützung bei Entscheidungen erhalten. Ein besonders wichtiger Aspekt ist die Ergebnisoffenheit.
Was ist Ihnen persönlich in der Beratung besonders wichtig?
Für mich steht immer die Wertschätzung im Mittelpunkt. Es ist wichtig, Menschen so anzunehmen, wie sie kommen – mit ihrer Geschichte, ihren Sorgen und ihren Fragen. Frauen zu unterstützen und ihnen Mut zu machen, liegt mir sehr am Herzen.
In diesem Jahr feiert auch die Beratungsstelle ihr 25. Jubiläum. Was bedeutet Ihnen dieser Anlass – und was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Das Jubiläum ist ein schöner Moment, um zurückzuschauen, was in all den Jahren entstanden ist. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Arbeit mit viel Engagement von meinen jungen Kolleginnen weitergeführt wird.
Die Jubiläumsfeier zu 25 Jahre donum vitae in Boppard findet am Donnerstag, 11. Juni ab 18 Uhr in der Stadthalle Boppard statt.
Dabei gibt es nicht nur Einblicke in die Arbeit der Beratungsstelle. Es steht auch ein Live-Konzert mit Lulo Reinhardt und den »Smooth Operatorz« auf dem Programm. Für Snacks und Getränke ist egsorgt.
Der Eintritt an diesem Abend ist frei; Spenden zugunsten der Arbeit von donum vitae Boppard e.V. sind willkommen.



