

Trauer in der Trier:
Nach den beiden tödlichen Gewalttaten, bei denen zwei Studierende der Universität Trier ums Leben kamen, schaffen die Stadt und die Universität weitere Möglichkeiten, öffentlich Abschied zu nehmen. Ab Mittwoch, 22. Juli, liegen Kondolenzbücher auf dem Campus und im Bürgeramt am Viehmarkt aus. Zudem sind in dieser Woche weitere Gedenkveranstaltungen geplant. Gleichzeitig werden für Mittwoch politische Versammlungen am Tatort des Messerangriffs erwartet.
Kondolenzbücher für die Stadtgesellschaft
Auslöser für das gemeinsame Gedenken sind zwei Gewalttaten innerhalb weniger Tage. Am 15. Juli wurde ein 22-jähriger Student bei einem Messerangriff auf dem Petrisberg getötet. Vier Tage später wurde eine 29-jährige Studentin tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Auch in diesem Fall gehen die Ermittler von einem Tötungsdelikt aus.
„Diese Taten treffen uns in Trier mit voller Wucht und erschüttern die ganze Stadt. Die Gewalt macht fassungslos, traurig und auch wütend“, erklärt Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Sein Mitgefühl gelte den Familien, Freunden und Angehörigen der beiden Getöteten.
Seit Mittwoch, 22. Juli, 13.30 Uhr, liegen im Foyer des Bürgeramtes am Viehmarkt zwei Kondolenzbücher der Universität Trier aus – eines für den Studenten und eines für die Studentin. Zur Eröffnung trugen sich Oberbürgermeister Wolfram Leibe und seine Ehefrau Professor Andrea Sand als Erste ein. Anschließend folgten unter anderem die Kanzlerin der Universität Trier, Dr. Ulrike Graßnick, Baudezernent Thilo Becker, Weihbischof Jörg Michael Peters, Vertreter der Ratsfraktionen sowie weiterer Trierer Institutionen. In den kommenden Tagen können Trierer dort täglich von 7 bis 16 Uhr den Familien der beiden Getöteten ihr Mitgefühl und ihre Anteilnahme ausdrücken, ihrer Trauer über die Gewalttaten Ausdruck verleihen und persönliche Worte hinterlassen.
Weitere Gedenkveranstaltung geplant
Für Donnerstag, 23. Juli, 12 Uhr, lädt die Universität Trier zu einer Gedenkveranstaltung für die getötete 29-jährige Studentin in die Kapelle am Campus II ein. An der Veranstaltung werden auch Vertreter des Trierer Stadtvorstands teilnehmen. Auch das Land Rheinland-Pfalz wird bei der Gedenkveranstaltung vertreten sein. Nach Angaben der Stadt nimmt Innenminister Achim Schwickert teil.
Bereits in der vergangenen Woche hatten mehr als 1.200 Menschen auf dem Campus des 22-jährigen Studenten gedacht. Angehörige, Studierende, Lehrende sowie Vertreter der Universität, der Stadt, der Polizei und der Feuerwehr nahmen an einer Schweigeminute teil. Im Anschluss trugen sich viele in ein Kondolenzbuch ein und legten Blumen nieder.
Ermittlungen dauern an
Die Ermittlungen zum tödlichen Messerangriff auf den 22-jährigen Studenten dauern unterdessen an. Nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei kannten sich das Opfer und der 22-jährige Tatverdächtige offenbar nicht. Der Beschuldigte wurde vorläufig in einer geschlossenen forensischen Psychiatrie untergebracht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des Totschlags.
Politische Versammlungen am Tatort angekündigt
Am heutigen Mittwoch sind im Bereich der Robert-Schuman-Allee zwei Versammlungen angekündigt. Eine „Gedenk- und Protestwache“ wurde von dem rechten Aktivisten Safet Babic angemeldet. Mehrere Trierer Initiativen rufen zugleich zu einer Gegenveranstaltung unter dem Motto „Trier nazifrei! Trauer über den Mord, Wut auf rechte Hetze!“ auf.
Damit dürfte der Tatort nicht nur Ort des Gedenkens, sondern auch Schauplatz zweier politisch gegensätzlicher Versammlungen werden. Stadt und Polizei stehen vor der Aufgabe, die Versammlungsfreiheit zu gewährleisten und zugleich den sensiblen Charakter des Ortes als Stätte der Trauer zu berücksichtigen.



