Claudia Neumann

Trierer Westen im Baustellen-Marathon: Bonner Straße sechs Monate dicht

Trier. Wegen der Umfeldgestaltung am neuen Bahnhaltepunkt Pallien wird die Verkehrsachse ab Montag, 28. September, komplett gesperrt.

Die westliche Moselseite steht vor der nächsten großen Verkehrsbelastung: Ab Montag, 28. September, wird die Bonner Straße zwischen Kölner Straße und Palliener Straße komplett für den Autoverkehr gesperrt. Die Vollsperrung soll voraussichtlich bis Ende März 2027 dauern. Grund ist die Umfeldgestaltung am neuen Bahnhaltepunkt Pallien.

Schon in der Vergangenheit war die Bonner Straße wegen der Arbeiten an der neuen Westtrasse mehrfach länger gesperrt. Nun folgt die bislang längste Sperrphase. Für Autofahrer bedeutet sie weiträumige Umleitungen, während gleichzeitig an weiteren Stellen in Trier-West gebaut wird.

Auf den Termin haben Anwohner und Pendler länger gewartet als ursprünglich geplant: Die Deutsche Bahn hatte sich mit der Fertigstellung der Haltepunkte an der neuen Westtrasse deutlich mehr Zeit gelassen als vorgesehen, weshalb sich auch die Umfeldarbeiten der Stadt entsprechend verschoben.

Ein Schlüsselprojekt für den Trierer Westen

„Das ist für uns ein Schlüsselprojekt, insgesamt entstehen an der neuen Westtrasse fünf neue Haltepunkte“, sagt Julian Lehnart, Leiter des Amts StadtRaum Trier. Die Anwohner im Bereich Pallien seien bereits angeschrieben worden. „Wir ändern an dieser Stelle die komplette Verkehrsanbindung, inklusive Strom, Wasser und Kanal“, so Lehnart weiter. Auf dem heutigen Areal befand sich früher das Autohaus Buschmann.

Was am neuen Haltepunkt entsteht

Am Bahnhaltepunkt Pallien selbst entsteht laut Stadt ein neuer Radweg entlang der Bitburger Straße, der künftig das Moselufer mit der Kaiser-Wilhelm-Brücke verbindet. Zum Haltepunkt führt ein barrierefreier Zugang mit Fußgängerampel, die Bushaltestellen werden ebenfalls barrierefrei umgebaut. Zur Bitburger Straße hin entsteht zudem eine begrünte Stützmauer. Eine Visualisierung der Stadt zeigt zudem neue Bäume; auch Glascontainer und eine Packstation fügen sich in das künftige Umfeld ein.

Reptilien müssen vorab umziehen

Noch bevor die eigentlichen Bauarbeiten an der Bonner Straße beginnen, laufen bereits vorbereitende Maßnahmen: Die Eidechsen aus dem künftigen Baufeld sollen auf die andere Straßenseite an der Bitburger Straße umziehen, dort entsteht derzeit ein Reptilienhabitat. Deshalb ist dort schon jetzt der Gehweg gesperrt, es laufen Bauarbeiten am Hang. Erst wenn die Tiere umgesiedelt sind, kann in den eigentlich betroffenen Bereichen gebaut werden.

Trier-West unter Dauerbelastung

Für Autofahrer im Trierer Westen kommt die Sperrung zur Unzeit: Rund um den neuen Kreisverkehrsplatz Markusstraße ist die Hornstraße derzeit voll gesperrt, voraussichtlich bis Ende Oktober. Dort laufen der Ausbau des Straßenkörpers, die Herstellung eines Gehwegs sowie einer barrierefreien Querungsmöglichkeit, bevor abschließend die Asphaltdecke aufgebracht und der Kreisverkehr freigegeben wird. Die südliche Rampe soll ab Oktober fertiggestellt werden. Mehr dazu hier

Auch am Römerbrückenkopf, ebenfalls im Trierer Westen gelegen, wird gebaut. Treppen, Rampen und Wege werden erneuert, neue Aufenthalts- und Aussichtspunkte geschaffen sowie der Bereich rund um das Mediaforum und der Moseluferweg neu gestaltet. Acht Bauphasen laufen bis Ende 2027. Dabei entstehen auch aktuell schon neue Lebensräume für Eidechsen. Die Sperrungen für die Bauarbeiten betreffen hier vor allem den Radverkehr. Mehr dazu hier

Große Umwege für Autofahrer

Zurück in die Bonner Straße: Wer aus Richtung Trier-West kommt, wird ab Ende September zur Umfahrung der Sperrung großräumig über die Bitburger Straße, die Autobahn A 64 und die Bundesstraße B 53 umgeleitet. Aus Richtung Trier-Innenstadt führt die Umleitung über die Autobahn A 602, die Moselbrücke Ehrang und ebenfalls die B 53. Für Lastwagen beginnt die Sperrung bereits am Abzweig Biewerer Straße der B 53, da es im weiteren Streckenverlauf keine Wendemöglichkeit gibt. Anwohner können ihre Häuser aus Richtung Trier-Ehrang anfahren, die Palliener Straße bleibt über eine Anliegerzufahrt im Baustellenbereich erreichbar.

„Das ist koordiniert“

Dass die vielen gleichzeitigen Baustellen bei manchem Verkehrsteilnehmer den Eindruck von Chaos erwecken könnten, räumt Baudezernent Thilo Becker ein – widerspricht diesem aber deutlich: „Das ist koordiniert.“ Ihm sei bewusst, dass Baustellen einen Eingriff in den persönlichen Alltag der Bürger bedeuteten.

Aktives Informieren sei daher „Bringschuld der Verwaltung“, weshalb die Stadt ihre Kommunikation zu Baustellen zuletzt ausgebaut habe, etwa mit einem neuen E-Mail-Newsletter und einem WhatsApp-Kanal. Über den aktuellen Stand der Bauarbeiten sowie weitere Sperrungen und Umleitungen informiert die Stadt zudem fortlaufend unter trier.de/baustellen.

Wie es an der Mosel weitergeht

Auch abseits der Bonner Straße geht es im Trierer Westen rege weiter: Für den geplanten Stadtteilplatz „Neue Mitte West“, den sich der Ortsbeirat als Veranstaltungsfläche etwa für einen Weihnachtsmarkt gewünscht hat, ist der Baubeginn für Frühjahr 2027 vorgesehen. Nach jetzigem Stand sollen 2027 sämtliche baulichen Maßnahmen auf der Westseite abgeschlossen sein.

Im kommenden Jahr will sich die Stadt zunächst auf die Sanierung des Pacelliufers konzentrieren, anschließend soll die Konrad-Adenauer-Brücke saniert werden. Becker ordnet solche Projekte in einen größeren Zusammenhang ein: Jahrzehntelang sei zu wenig investiert und zu wenig unterhalten worden, so Becker. „Das werden wir jetzt spüren.“ Man baue aber nicht zum Selbstzweck: „Wir bauen nicht zum Spaß, es soll etwas Schönes für die Stadtgesellschaft rauskommen.“

Weitere Baustellen im Überblick

  • Haltepunkt Euren: Bau eines Park-and-Ride-Platzes mit Radabstellboxen, Lademöglichkeit für E-Bikes, barrierefreien Querungen und Bushaltestelle; Bauende voraussichtlich Mitte Oktober.
  • Haltepunkt Zewen: Neubau einer barrierefreien Bushaltestelle mit Umfeldgestaltung und Radabstellboxen; Bauende voraussichtlich Mitte September.
  • Zewener Bach: Sanierung im Bereich des Bahnübergangs Kantstraße in Trier-Zewen.
  • Haltepunkt Hafenstraße (Trier-Ehrang): Umfeldmaßnahmen mit Park-and-Ride-Platz, neuem Rad- und Gehweg zum Schulzentrum Mäusheckerweg sowie barrierefreiem Umbau zweier Bushaltestellen in der Ehranger Straße; Baubeginn voraussichtlich Frühjahr 2027.
  • Grünzug Trier-West mit Spielplatz: Baubeginn im Oktober, Bauzeit rund ein Jahr.
  • Pellinger Straße: Nach den laufenden Arbeiten der Stadtwerke wird der Straßenausbau fortgesetzt, Bauende voraussichtlich Ende des Jahres.
  • Bahnhofstraße: Kreuzungsbereich Balduinsbrunnen derzeit im Bau, Fertigstellung voraussichtlich Anfang November; zweiter Bauabschnitt Bahnhofstraße soll im Februar 2027 beginnen.
  • Gartenstraße: Baubeginn Mitte Oktober, unter anderem Erneuerung von Asphaltdecke und Entwässerungsrinne.
  • Sichelstraße, Deworastraße und Kochstraße: Erneuerung der Asphaltdeckschichten, Baubeginn 2027.
  • Thyrsusstraße und Heinrich-Lübke-Straße: ebenfalls Erneuerung der Asphaltdeckschichten, Baubeginn jeweils 2027.
  • Kreisstraße K2 Trier-Zewen: Erneuerung der Asphaltdeckschichten, Baubeginn 2027.
  • Brücke „Im Speyer“: Sanierung, Fertigstellung Mitte November.
  • Konrad-Adenauer-Brücke: Im September wird eine Stahlkonstruktion zur Absicherung eines Brückenpfeilers montiert.
  • Römerbrücke: Bis Dezember werden Revisionsöffnungen und zusätzliche Hilfsstützen an den Brückenpfeilern eingebaut.
  • Olewiger Bach (Tiergarten): Renaturierung, geplante Fertigstellung 2028.
  • Biewerbach (Bereich Grundschule): Renaturierung, geplante Fertigstellung im Oktober.
  • Nells Park: Seit Juni läuft dort die ökologische Sanierung des Teichs, bei der Bakterien Schlammbestandteile abbauen und ein aufwendiges Ausbaggern verhindern sollen. Ein Baubeschluss für die geplante Renaturierung des Aveler Bachs und die Neugestaltung der Teichanlage soll 2027 fallen, fertiggestellt werden soll das Vorhaben bis 2030.