Thomas Förster

Brand im Hohen Venn unter Kontrolle

Einsatz geht weiter, deutsche Kräfte abgezogen - Ermittlungen zur Ursache haben begonnen - Hohes Venn bleibt für die Öffentlichkeit gesperrt

Von Florian Blaes

Das Feuer im Hohen Venn ist inzwischen im gesamten Gebiet unter Kontrolle und stellt derzeit keine weitere Ausbreitungsgefahr dar. Der Brand befindet sich auf dem Weg zur endgültigen Eindämmung. Entwarnung bedeutet das allerdings noch nicht: Die Einsatzkräfte bleiben vor Ort und konzentrieren sich nun auf die Überwachung bereits kontrollierter Bereiche im westlichen Sektor sowie auf das Löschen möglicher erneut aufflammender Brand- und Glutnester im Osten.

Vor allem Wind und wechselnde Wetterbedingungen können weiterhin dafür sorgen, dass versteckte Glutnester erneut aufflammen. Deshalb wird das Brandgebiet sowohl vom Boden als auch aus der Luft intensiv überwacht. Leichtere Luftfahrzeuge bleiben einsatzbereit, um bei einer erneuten Brandentwicklung schnell reagieren zu können. Zuvor wurden auch Wärmebildaufnahmen aus einem Hubschrauber der föderalen Polizei angefertigt und Drohnen eingesetzt, um besonders heiße Stellen aufzuspüren.

Große Einsatzzentrale in Sourbrodt


In Sourbrodt befindet sich die große Einsatzzentrale des Gesamteinsatzes. Hier kommen die Einsatzkräfte aus Belgien und den Niederlanden zusammen. Sie können sich verpflegen, ausruhen und auf ihre nächsten Einsätze vorbereiten. Gleichzeitig werden dort die zahlreichen Einsatzfahrzeuge versorgt und aufgetankt.

Beeindruckende Spezial- und Löschfahrzeuge stehen dort für den Einsatz im Hohen Venn bereit. Dazu gehören auch „Panther“-Fahrzeuge der belgischen Armee, mit denen Wasser über große Entfernungen ausgebracht werden kann. Ein Tanklastwagen mit rund 18.000 Litern Treibstoff steht ebenfalls bereit, um die Einsatzfahrzeuge zu betanken.

Weiterhin sind umfangreiche bodengebundene Kräfte der Hilfeleistungszonen und des Zivilschutzes mobilisiert. Die Unterstützung durch landwirtschaftliche Betriebe, die seit Beginn des Großbrandes eine wichtige Rolle bei der Wasserversorgung gespielt haben, kann aufgrund der verbesserten Lage inzwischen deutlich reduziert werden. Auch die lokale und föderale Polizei bleibt im Einsatz und sichert die Umgebung.

Deutsche Einsatzkräfte haben Einsatz beendet

Auf deutscher Seite hat sich die Situation inzwischen deutlich entspannt. Die zuletzt noch rund 75 deutschen Feuerwehrleute haben ihren Einsatz beendet und sich zurückgezogen. Zeitweise waren rund 170 deutsche Einsatzkräfte im Einsatz gewesen, um ihre belgischen Kollegen zu unterstützen und insbesondere eine weitere Ausbreitung des Feuers in Richtung Deutschland zu verhindern.

Am Donnerstagabend wurden auch der Bereitstellungsraum und die große Einsatzleitung in Kalterherberg aufgelöst. Damit ist der groß angelegte deutsche Unterstützungseinsatz vorerst beendet.

Die Brandbekämpfung auf belgischer Seite geht dagegen weiter. Löschhubschrauber und weitere Luftfahrzeuge unterstützen die Kräfte am Boden. Auch die beiden Löschflugzeuge waren im Einsatz und nahmen regelmäßig Wasser an der Oleftalsperre bei Hellenthal auf, bevor sie zurück über das Brandgebiet flogen.

Kilometerweit nur noch schwarze, verbrannte Landschaft

Unterdessen konnten erstmals Medienvertreter Bereiche des Hohen Venns betreten, in denen das Feuer besonders heftig gewütet hat. Dort wird das ganze Ausmaß der Katastrophe sichtbar: Egal, wohin man schaut – kilometerweit prägen schwarze, verbrannte Flächen das Bild.

Große Teile der Landschaft sind verkohlt. Pflanzen, Sträucher, Bäume und weite Bodenflächen wurden von den Flammen erfasst. Besonders in östlicher Richtung sind weiterhin Einsatzkräfte unterwegs. Feuerwehrleute und andere Helfer bekämpfen verbliebene Brand- und Glutnester, während Fahrzeuge Wasser in das Gebiet transportieren und Luftfahrzeuge die Arbeiten unterstützen.

Ermittlungen zur Brandursache haben begonnen

Die inzwischen deutlich günstigere Lage ermöglicht es den zuständigen Diensten erstmals, sich intensiver mit der Ursache des Großbrandes zu beschäftigen. Die Ermittlungen zur Feststellung der Brandursache haben begonnen. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es allerdings noch keine gesicherten Erkenntnisse darüber, wie das Feuer entstanden ist.

Hohes Venn bleibt für die Öffentlichkeit gesperrt

Trotz der verbesserten Lage bleibt der Zugang zu den betroffenen Wald- und Naturgebieten weiterhin verboten. Die Talsperren von Eupen und La Gileppe sind zwar wieder zugänglich, dies bedeutet jedoch ausdrücklich nicht, dass auch die angrenzenden gesperrten Gebiete betreten werden dürfen.

Das Betretungsverbot umfasst weiterhin die betroffenen Bereiche der Forstreviere Verviers, Malmedy und Elsenborn. Auch dort, wo keine offenen Flammen mehr zu sehen sind, bestehen erhebliche Gefahren.

Durch das Feuer geschwächte Bäume und Äste können plötzlich umstürzen oder herabfallen. Glutnester können unbemerkt im Boden weiterschwelen und insbesondere bei Wind erneut aufflammen. Lokal können zudem gesundheitsschädliche Rauchgase auftreten, darunter Kohlenmonoxid.

Eine weitere besondere Gefahr besteht durch alte Kriegsmunition, die infolge des Brandes freigelegt oder wieder zugänglich geworden sein könnte. Verdächtige Gegenstände dürfen keinesfalls berührt oder näher untersucht werden.

Auch die Tierwelt hat durch das Feuer erheblich gelitten. Verletzte oder geschwächte Tiere werden von Fachleuten versorgt. Besucher sollen deshalb keinesfalls eigenständig in die betroffenen Gebiete gehen oder versuchen, Tiere selbst einzufangen oder zu versorgen.

Das Fehlen sichtbarer Flammen bedeutet somit ausdrücklich nicht, dass das Hohe Venn wieder sicher ist. Die Behörden appellieren an die Bevölkerung, Absperrungen, Beschilderungen und Anweisungen konsequent einzuhalten.

Ein großes Dankeschön an die Einsatzkräfte und Helfer

Was nach diesen außergewöhnlichen Tagen bleibt, ist neben den Bildern der verbrannten Landschaft vor allem eines: große Dankbarkeit gegenüber den Hunderten Einsatzkräften und Helfern, die teilweise rund um die Uhr gegen die Flammen gekämpft haben.

Ein ganz besonderer Dank gilt den Feuerwehren, dem THW, den Rettungsdiensten, der Polizei, den Landwirten, den beteiligten Firmen und Unternehmen sowie den Behörden und allen weiteren Helferinnen und Helfern auf deutscher und belgischer Seite. Viele von ihnen waren über Stunden und Tage hinweg im Einsatz, um Menschen, Ortschaften und die Natur vor einer weiteren Ausbreitung des Feuers zu schützen.

Wie groß die Anerkennung in der Bevölkerung ist, lässt sich derzeit überall rund um das Hohe Venn sehen. In den Straßen und Ortschaften auf deutscher wie auf belgischer Seite haben Menschen Schilder, Banner und Schriftzüge aufgehängt, auf denen vor allem ein Wort zu lesen ist: „Danke“.

Dieses Danke gilt all jenen, die angepackt, organisiert, Wasser transportiert, Fahrzeuge bereitgestellt, Menschen versorgt, Straßen gesichert und das Feuer bekämpft haben.

Ein großes Danke über Grenzen hinweg – an alle, die in diesen Tagen für das Hohe Venn im Einsatz waren und weiterhin im Einsatz sind.