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Mit 500 PS durch das ganze Land

Trucker Babe Katrin Oschmann im Interview

Leben. Die Kabel-Eins-Doku "Trucker Babes – 400 PS in Frauenhand" begeistert seit 2017 die Fernseh-Zuschauer. Elf LKW-Fahrerinnen haben in der aktuellen Staffel einen Einblick in ihr Leben auf dem "Bock" gegeben. Darunter ist auch die rheinland-pfälzische Truckerin Katrin Oschmann. Mit ihrem LKW "Lotte" fährt sie quer durch Deutschland

Sie sind gelernte Kosmetikerin. Seit 2015 arbeiten Sie jetzt aber als LKW-Fahrerin. Wie kommt man vom Kosmetikstudio hinter den Bock eines 40-Tonners?

Katrin Oschmann: "Meine Brüder, mein Cousin und auch einige Kumpels von mir fahren LKW. Fahrriemen hatte ich schon immer und im LKW mitfahren fand ich super. Irgendwann war ich mal mit meinem Bruder on Tour und da fragte er, ob ich nicht auch den LKW-Führerschein machen will. Erst habe ich ihm den Vogel gezeigt, aber nach ein bisschen überlegen fand ich die Idee gar nicht so schlecht. Die Metallbaufirma, in der ich zu der Zeit gearbeitet habe, ist insolvent gegangen. Ich bin dann zur Fahrschule und habe im Schnell- Programm in zwei Monaten meinen LKWSchein gemacht. Ich habe die beiden praktischen Prüfungen, die drei theoretischen Prüfungen und die IHK-Prüfung auf Anhieb bestanden und los ging's."

 

Was reizt Sie besonders an Ihrer Arbeit?

"Man hat eine gewisse Freiheit und Unabhängigkeit und ist ein Stück weit der eigene Chef. Man kommt viel rum und trifft viele Leute. Natürlich reizen mich auch das Fahren und der LKW, von dessen Fahrerhaus man auf alle herunterschauen kann. Kein Tag ist wie der andere. Jeder Tag ist eine neue Herausforderung. Ich habe endlich einen Beruf, der mich erfüllt und mir riesig Spaß macht."

 

Als Trucker ist man viel unterwegs und oft getrennt von Freunden und Familie. Fühlt man sich da nicht manchmal einsam?

"Einsam fühle ich mich nicht. Natürlich fehlt mir mein Freund Tobias oder zum Beispiel im Sommer einfach unter der Woche spontan mit Freunden mal ein Eis essen oder schwimmen gehen. Das Sozialleben leidet schon darunter. Ganz klar. Der Freundeskreis wird kleiner, die Freizeit beschränkt sich auf die Wochenenden, aber das gehört nun mal zu unserem Beruf dazu."

 

Zwei Prozent der Berufskraftfahrer in Deutschland sind weiblich. Wird man als Frau in diesem Job anders wahrgenommen oder behandelt?

"Auf jeden Fall. Die einen schmunzeln, die anderen schauen entsetzt, andere staunen. Die Reaktionen können ganz unterschiedlich sein. Als Frau wird man meist etwas freundlicher behandelt. Nicht ganz so ruppig. Man muss sich als Frau erstmal beweisen und sich den Respekt der Männerwelt verschaffen. Aber wenn die Herren einmal gesehen haben, dass ich meinen LKW im Griff habe, ist das Eis schnell gebrochen und so manch einer kommt sogar, zeigt den Daumen hoch oder klopft einem auf die Schulter und zollt einem Respekt. Das geht dann natürlich runter wie Öl (lacht)."

 

Was muss man als Frau mitbringen, um in diesem Beruf erfolgreich zu sein?

"Man sollte in jedem Fall Spaß am Fahren haben und keine Angst mit vier Metern Höhe, 2,55 Metern Breite und fast 20 Metern Länge durch die Gegend zu fahren. Man sollte ein hartes Fell und gute Nerven haben und mit Stress umgehen können. Schlagfertig sollte man auch sein und auf keinen Fall ein Angsthase. Denn nicht immer steht man auf einem schönen, beleuchteten Autohof oder Rastplatz. Manchmal müssen auch Industriegebiete oder Feldwege zum Feierabend reichen."

 

Ihren ersten LKW haben Sie "Meggie" genannt, Nummer zwei trägt den Namen "Lotte". Welchen Stellenwert hat ihr LKW für Sie?

"Mein LKW ist in erster Linie mein Teampartner. Außerdem ist er von Montag bis Freitag mein Zuhause. Ich habe hier Büro, Wohnzimmer, Küche und Schlafzimmer in einem. In brenzligen oder schwierigen
Situationen oder wenn ich genervt bin oder mich was beschäftigt, rede ich auch mit meinem LKW. Das klingt vielleicht merkwürdig, aber er ist einfach wie ein Kollege, ein Weggefährte. Woche für Woche kämpfen wir uns gemeinsam durch Deutschland und freuen uns, wenn wir freitags heil auf dem Firmenhof zum Stehen kommen. Man muss jeden Tag dankbar und froh sein, wenn alles gut gelaufen und nichts passiert ist. Es ist so unglaublich viel los auf den Straßen, es passieren viele Unfälle. Aber auch das muss man ein wenig ausblenden. Das darf man nicht so sehr an sich heranlassen. Wenn man sich darüber zu viele Gedanken macht, dann kann man diesen Job an den Nagel hängen. Respekt muss man haben, aber keine Angst."

 

Was machen Sie in Ihrer Freizeit- also wenn Sie nicht gerade hinter dem Steuer von "Lotte" sitzen?

"Hobbys habe ich eigentlich gar nicht richtig. Wenn es passt, fahre ich gerne mit meinem Cousin nach Frankfurt ins Stadion, um die Eintracht anzufeuern. Ansonsten versuche ich so viel Zeit wie nur möglich mit meinem Freund Tobias zu verbringen. Wir haben uns schließlich nur an den Wochenenden und die kosten wir natürlich aus. Wir gehen gerne schön essen, ins Kino, mit Freunden bowlen oder gammeln einfach Zu Hause auf der Couch."

 

Circa 120.000 Kilometer fahren Sie mit ihrem Truck pro Jahr. Da kommen Sie viel rum. Für uns natürlich wichtig zu wissen: Waren Sie schon mal zum Laden oder Liefern in Trier?

"In Trier war ich noch nicht direkt, aber in Bous (Landkreis Saarlouis, Anm. d. Red) war ich schon öfter."

 

Steckbrief

  • Alter: 32 Jahre 
  • Arbeitsort: Weyerbusch (Kreis Altenkirchen)
  • Truck: Scania R Next Gen namens "Lotte"
  • PS: 500
  • Gewicht: leer 18 Tonnen, inklusive Ladung maximal 40 Tonnen

SP

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