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Äerpelschölle

Noch in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts stand das Kartoffelschälen bei wirtschaftlich nicht allzu reichlich gesegneten Verwandten unter scharfer Beobachtung. Oh weh, wenn die „Äerpelsschale“ zu dick waren, das galt als Verschwendung, dann gab es Schimpfe.
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Die argwöhnische Begutachtung der Schalen hatte seine Begründung in den „schläert Zegge nohm Kreech“, der Armut der Nachkriegsjahre, die unversehens und unreflektiert in die Wirtschaftswunderzeit übergegangen waren. Manche hatten noch gar nichts von ihrem Glück gemerkt, dass es vielleicht nicht mehr auf ein paar Millimeter gutes Kartoffelfleisch angekommen wäre. Doch vermutlich saß der Schock der drei Eifeler Hungersnöte des 19. Jahrhunderts noch tiefer im kollektiven Gedächtnis, die ähnlich wie in Irland Kartoffelmissernten als Ursache hatten und zu drei großen Auswanderungswellen vor allem nach Nordamerika führten. Mit Kartoffeln („Äerdäppel“ = „Äerpel“/ „Jrongkbirre“ = „Jrompere“) musste man jednfalls sorgfältig und sparsam umgehen. Sie waren neben Brot das Hauptnahrungsmittel und es gab sie in vielfältiger Form, in manchen Häusern morgens, mittags und abends. Unter anderem in Form erkalteter Reibekuchen auch als (Schwarz-)Brotbelag für die Pausenbrote in der Schule. Bei uns gab es nur jeden Mittag Kartoffeln – und abends Bratkartoffeln. Reis oder Nudeln gab es manchmal, aber dann zusätzlich. Wenn es Kartoffelpüree gab, bekam mein Vater gleichwohl noch ein „Kümpchen Äerpel“ extra. Die im „Veehpännche“ gekochten Schalen bekamen die Schweine („Söi“) und man achtete peinlich genau darauf, dass sie nicht zu dick wurden – die Schalen, nicht die Schweine… Fritz Koenn hat folgenden Dialog aufgezeichnet. Pitter (laut): „Marie, schäel doch die Äepel net esu saumäßig deck!“ Marie (lauter): „Endau! Dann schmaachen se beißer!“ Pitter (noch lauter): „Wäe säht datt dann?“ Marie (leise): „Dä Mechel! Der krett de Schale…“