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Michael Nielen

Die Serviett

Über die Tischsitten von Landrat Markus Ramers ist einem breiteren Publikum noch nichts zu Ohren gekommen, was dafürspricht, dass sie gut sind.
Manni kallt über den Umgang mit Messer und Gabel.

Manni kallt über den Umgang mit Messer und Gabel.

Bild: Michael Nielen

Auch in früheren Zeiten werden die Manieren der Landräte von Schleiden und Euskirchen beim Tafeln gehobenen Ansprüchen genügt haben.

Was man vom Umgang mit Messer und Gabel bei Bauers- und Arbeitsleuten in der Eifel nicht in jedem Fall wird behauptet haben können. Meine Patentante ("Jött") Lisa beispielsweise, Jahrgang 1900, und ihr Mann, ein alter "Spandäuer" (Bergmann in Mechernich) namens Köbes (Jakob), aßen grundsätzlich nie "zweispännig", also mit der Gabel in der linken und dem Messer in der rechten Hand.

Das konnten sie gar nicht, weil es ihnen nie einer beigebracht hatte. Wie ich das ebenfalls von zu Hause auf dem Bauernhof als Kind gewöhnt war, schnitten sie das Fleisch oder die Wurst oder den "Pannekooche" zunächst in überschaubare Stücke, um die komplette Mahlzeit anschließend "häppcheswies" mit der Gabel in der rechten Hand aufzuspießen und zum Mund zu führen.

Das taten sie übrigens sehr zielgenau, weshalb sie auch kein Lätzchen oder eine Serviette brauchten. "Mathildche", eine Bürgermeistergattin aus "Ogdebret" (Udenbreth), von der in einem Gedicht Fritz Koenns die Rede ist, wusste, was sich gehörte, und als der Landrat aus dem Schleidener Tal oben auf der Höhe auf Visite war, legte sie dem selbstverständlich zum Mittagessen eingeladenen Verwaltungschef eine fein gebügelte Serviette rechts neben den Teller.

Der nahm sie auch dankbar zur Hand, wunderte sich allerdings bei der Zusichnahme der Suppe, warum Eduard Schön, der Gatte und Bürgermeister, keine Serviette umgebunden hatte. Worauf "Tildche" dem obersten Repräsentanten des Kreises mit einem kräftigen Klapps auf die Schulter versicherte: "Me Männche bruch kenn Serviett, verlott Üch dropp: Der schlabbert net!"


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