Michael Nielen

Ich kam, sah und siegte

"Ich kohm, ich sooch, ich kroosch" ist die Eifeler Variante von Cäsars berühmten Ausspruch "Veni, vidi, vici" ("Ich kam, ich sah, ich siegte").

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Manni kam, sah und kriegte.

Manni kam, sah und kriegte.

Foto: Michael Nielen

Der Eifeler kommt, sieht und bekommt, was er will. Op Huhdütsch mött Knubbele heißt es: "Ich kam, ich saach, ich kraasch…"

"Kommen" tun die Menschen ripuarischer Zunge praktisch am laufenden Band. O-Ton einer Bekannten: "Dann kam ich und sah und sachte: "Jupp", sachte ich, komm, jangk mir fort, das kommt mir jarnisch in die Tüte." Man "kommt", ehe man handelt, denn ist man noch nicht da, kann man auch nichts machen: "Erst kam ich, dann keck ich, dann zog ich meine Schlüsse: Josef pileidischte mich auf unverschämte Weise. Erst dann kraasch er von mir enne Klatsch an e Back."

Auch ehe jemand in die Wüste geschickt wird, muss er erst einmal auf der Bildfläche erscheinen: "Komm, jangk fott!" Oder auch, auf die eigene Person bezogen, muss sich der so Aufgeforderte nicht allen Blicken entziehen, sondern nur den meinen: "Komm, jangk mir fott!" Also: "Komm her und dann geh mir aus den Augen."

"Küste höck net, küste morje": Irgendwann kommt jeder, der eine zu früh, der andere später. Wer anderen wutentbrannt an die Kehle geht, der "kam und kraasch ihn beim Fraß." Eine Androhung körperlicher Gewalt kann brachial ausfallen: "Ich hauen Dir de Kopp dörch de Hals, dann kanns De dörch de Reppe kicke wie en Aap dörch de Tralleje!" Oder auch, kaum zärtlicher: "Ich hauen De et Jeseech op de Röcke, dann kanns De uss em Rucksack fresse…"

Ein Glück, dass die meisten dieser Drohungen nie wahr gemacht werden. Böse Zungen sagen: "Wenn me haue, dann haue me aff". Wie im Lied "Zau Dich Frau", wo sie dem in den Krieg ziehenden Gatten rät: "Ach, leever Mann, ach leever Mann, wenn se scheeße, dann loof drvan…"


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