Michael Nielen

La Päerd - La Fott - La Finster

"Dat Histörche wor domols en Kölle passiert", erzählt Karl Berbuer in einem vergessenen Karnevalsschlager: "Ne Fiaker voll Monsieurs wuhr dörch de Strooß kutschiert …"
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Foto: Michael Nielen

Plötzlich scheut das Pferd und gerät mit dem Hinterteil in eine Schaufensterscheibe…
Die herbeigerufene Gendarmerie fragt nach den Ursachen des Malheurs. Worauf der Kutscher auf Kölsch-Französisch zu Protokoll gibt, wie sein Gaul ("la Päerd") mit seiner Kruppe (Hinterteil, "la Fott") durch die Glasscheibe geriet ("la finste"). Hätte der Filou wenigstens die Substantive auf Französisch gekannt, hätte er "dämm Schandarm" gesagt: "Le Cheval, le derrière, la fenêtre".
Aber auch so dürfte dem napoleonischen Besatzer durch Gestik und Mimik des rheinischen "Fuhrmanns" klargeworden sein, was passiert war. "La Päerd, la Fott, la Finster, dat sin kein Hirnjespinster", sang Berbuer: "Dat es französisch Kölsch, Kuschelemusch, Kuschelemusch un Jemölsch - dat es Französisch Kölsch."
In der zweiten Strophe treffen sich Adenauer und de Gaulle ("die Premiers Bonn-Paris und nicht nur die Zwei") zum deutsch-französischen Freundschaftsschluss auf der Loreley: "Resultat vum Jespräch wohr beim Jeist des Weins: "Parle-vous Francais" witt Lehrfach Nr. 1."
Für rheinische Schüler dürfte das kein Problem gewesen sein, denn sie konnten längst mehr "Französisch" als nur "La Päd, la Fott, la Finster". Im Ripuarischen wimmelt es vor eingemeindeter französischer Vokabeln wie Angtree (Eintritt), bütze (von baiser = küssen), Bredullje (Schwierigkeit), Kaschott (Gefängnis), dusmang (sachte, "höersch"), expree (mit Absicht), Fassong (Form), jüstemang (sofort), Pavei (Pflasterstein), Trottewa (Bürgersteig), Kavalöres (Liebhaber), Schemisett (Vorhemd), Allewittche (rasche Besorgung), Fennöös (Ofen), Plavong (Zimmerdecke) und Tralleje (Fenstergitter). Selbst der rheinische Klüngel kommt aus dem Französischen (von clin d'oeil = Augenzwinkern)…