Am Ende Latein?

Manni kallt platt. Wer Platt kallt, öss flöcker fäedisch! Unsere Mundart ist effizienter als Hochdeutsch, origineller – und fast frei von Anglizismen („Ploove“ = Pull-over). An dieser Stelle wurden schon Begriffe behandelt, die aus dem Französischen stammen, von „Abelong“ (Lust) und „Ambraasch“ (Umstände) über „Bajaasch“, „Kuraasch“ (Mut), „Klühr“ (Farbe), „tuschuer“ (stets) und „Momang“ bis „Paraplü“ (Schirm).

Ein Auszug aus dem Kölner Wörterbuch kommt auf 500 solcher „Gallizismen“, andere Quellen sprechen von bis zu 7000, die aus dem Altfranzösischen, Altniederländischen oder gemeinsamen Wurzeln der Frankenzeit stammen. Karl der Große war ja von „hier“ und beherrschte von „Ooche“ den Großteil Europas. Er konnte lesen („lößse“), aber angeblich nicht schreiben („schrieve“), was ich für „Quatsch“ halte, aber er sprach neben „Fränkisch“ auf jeden Fall Latein.

Die Römer haben in der Mundart Spuren hinterlassen bis heute, was nicht verwunderlich ist in einem Landstrich mit 300 römischen Gründungen wie Colonia Claudia Ara Agrippinensium, Bonna, Antunnacum (Andernach), Tolbiacum (Zülpich) und Juliacum (Jülich).

„Promm“ (Mz. „Prumme“ = Pflaume(n)) kommt von lateinisch „prunum“/ „pruma“, „Kall“ (Regenrinne“) von „canalis“ (Röhre, Rinne), „Kappes“ (Kohl) ist lat. „caput“ (Haupt), daher auch „Kappeskopp“. Die rheinische „Mösch“ (Spatz) leitet LVR-Sprachwissenschaftler Peter Honnen vom lateinisch-gallischen „muscio“ ab, das westrheinische Hohlmaß „Müdde“ (am Mechernicher Bleiberg „Midd“) vom lateinischen „modius“ (Maß).

Die ripuarische „Mäerdel“ (Amsel) hieß bei den Römern „merula“, „plästern“ (heftig regnen) basiert auf „emplastrum“ (Pflaster), „Puute“ kommt von „putus“ (Kind), „Pips“ (Erkältung) von „pituita“ (Verschleimung) und „fimmelich“ bzw. „Fimmel“ (lat. „femella“) steht für „zimperlich“ und extravagant, „poarz“ kommt von „porta“ und „Fenste“ von „fenestra“. „Pangs“ kommt vom lateinischen „pantex“ (Bauch), und aus dem Leib der Mutter kommen auch die „Pänz“.

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