Klätsche unn klatsche

Manni kallt platt. Wem man nachsagt, er habe „eine Klatsche“, der verfügt über ein kaum an Deutlichkeit zu übertreffendes geistiges Defizit. Ob der Auslöser eingeschränkter kognitiver Fähigkeiten immer ein Schlag (Klatsch) aufs Haupt war, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Allerdings ist in der Eifel „ne Klatsch an e Back“ (Ohrfeige) meist nicht von schlechten Eltern.

„Klätsch“ oder „Klatsch“ hat in rheinischer Mundart allerdings einen größeren Bedeutungsumfang als in der hochdeutschen Umgangssprache. „Klatsch“ beispielsweise ist eine – wenn auch ungenau anmutende – Mengenangabe beim Backen und Kochen.

So tut man „ene Klatsch Botter“ in den Teig für „Hefeküchelchen“. Quark wurde bei uns früher „Klatsch-Kies“ genannt – und so sahen die in Pergament gewickelten triefnassen Klatschkäsblöcke auch aus, die meine Mutter am Kaller Molkerei-Ausfahrauto („de Mollek“) erwarb.

Eine Portion Quark fürs Weißbrot nannten wir folgerichtig „ene Klätsch Klatsch-Kies“ – obendrauf kam bei mir Johannesbeergelee, alles zusammen nannte mein Vater „en Flööte-Kies-Botteramm“, weil ich nach dem Genuss einer solchen Weckstulle rascher pfeifen lernen würde.

Wer hingegen einen von der Zielansprache her verfehlten „Klatsch an e Back“ aufs Auge bekam, trug häufig ein „Klätsch-Ooch“ (Triefauge) davon. Das Tätigkeitswort „klätsche“ hat mit dem brutalen „klatschen“ aus der zeitgenössischen Jugendsprache für „jemanden verprügeln“ ebenso wenig zu tun wie mit Applaus.

„Klätsche“ oder „weddewerpe“ wurde die Tätigkeit des Verputzens am Bau genannt. Der „Pützer“, „der de Spies an de Wank klätsch“, wurde auch „Pliesterer“ genannt. Marmagen war ehedem das Dorf der Verputzer und Stuckateure, so dass der Ortsnamen zum Synonym für den Berufsstand wurde. Statt die „Klätscher“ oder „Pützer“ bestellt man in der Nordeifel, wenn „de Rühbou fähdisch öss, die Märmarener“.

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