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Hellisch Ovend

Man kann sich nicht nur an Ereignisse erinnern, sondern auch an Gefühle. Denken Sie mal ans „Hellisch Ovend“ ihrer Kindheit und es werden ihnen Bilder, Worte, Krippen und Christmetten einfallen, aber auch Düfte, Klänge und Gefühle.
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Etwa die Anmutung von Spekulatius und Spritzgebäck im ganzen Haus, der „Brommbass“ des Vaters, der inbrünstig „Stille Nacht“ „für de Krepp“ intoniert, aber die Melodie nicht hält, oder das Glöckchen, mit dem die junge Frau und Mutter den Nachwuchs zur Bescherung ruft: „Kott, et Chresskengche wohr do…“ 1966 durfte ich meine erste Mitternachtsmesse („Chressmess“) „dienen“ und ich saß auf dem Kniebänkchen im Hochaltar, auf das der Pastor bei eucharistischen Andachten stieg, um Holzkreuz und Monstranz über dem Tabernakel auszutauschen. Es war der alte Messritus von vor dem Konzil. Alles Latein, aber ich hatte Mumps und musste nichts weiter machen… Am Abend hatte es Kartoffel- und Heringssalat und Brühwürstchen gegeben – und die Zeit bis zur Kirche war so schleppend vergangen, dass ich auf dem Schoß der Mutter „duckelnd“, mehrfach einschlief und wieder aufwachte… Es muss schon auf zwei Uhr zugegangen sein, als „de Mess erömm wohr“ und wir auf die verschneite Dorfstraße traten, wo sich Erwachsene mit Händeschütteln „Frohe Weihnachten“ wünschten, was wir sofort „nojeaap hann“. Alle Geräusche waren merkwürdig gedämpft, wie in Watte… Zu Hause war Bescherung im Wohnzimmer, das nur an höchsten Feiertagen bewohnt war, weil sich das Leben „en de Köch“ und „en de Stoff“ abspielte. Kurz, nachdem wir reingerufen worden waren, standen Christbaum und Krippenlandschaft in Flammen. Mein ältester Bruder hatte Sprühkerzen ins Felspapier um Bethlehem gestellt. „De Oma“ eilte mit einem „Liter“(-Gefäß) Löschwasser in zittrigen Händen aus der Küche herbei, aber da hatte der Vater schon die Vorhänge von den Fenstern gerissen und das Feuer erstickt. Seither scherzte er „Hellich Ovend“ immer: „Kommt erein, Kinder, de Baum brennt…“ Und wir beömmelten uns.