Michael Nielen

Weisheit Werner Rosens

Von Alt-Amtsdirektor Werner Rosen stammt die Erkenntnis, dass man aus einem Dreiborner zwei Gemünder „machen kann“ – und am Ende noch „enne Schleedene överisch bliev…“

Manni kallt Platt, dieses Mal über die Weisheit Werner Rosens.

Manni kallt Platt, dieses Mal über die Weisheit Werner Rosens.

Bild: Michael Nielen

Der „Schleedene Jong“ und frühere Mitarbeiter der aus Kriegsgründen ins Kloster Steinfeld ausgelagerten Kreisverwaltung (Schleiden) hat auch eine Kurzdefinition Eifeler (Un-)Eigenarten hinterlassen, in der er mit allerlei Vorurteilen gegen Land und Leute aufräumt.

So sei der Eifeler grundsätzlich „nett esu ärm, wie häer deet“, stelle sich also nach außen wirtschaftlich bedürftiger dar, als er in Wirklichkeit sei. Außerdem wirkten Menschen dieses Landstrichs früher streng religiös, ohne es in vielen Fällen tatsächlich zu sein. Rosen: „Der Eefelnde deet frömmer wie häer öss“.

Und drittens und „wichtigstens“ an der gekonnten Verstellung hiesiger Zeitgenossen: Sie sind „noch lang net esu domm, wie se uss-sehn“, sind mithin also intelligenter, als es den Anschein erweckt, was schon manchem Kölner zum Verhängnis geworden ist, der einen Eifeler oder Bördebewohner über den Tresen ziehen wollte.

Von Werner Rosen stammt auch der empirische Beweis, dass die rheinische Mundart gegenüber dem Hochdeutschen unendlich viel Aufwand erspart. Rosen überlieferte aus seiner Zeit als Hellenthaler Amtsdirektor und Standesbeamte in Personalunion die Anmeldung eines unehelichen Enkelkindes durch die Oma mit den Worten: „Oss Dröck, fuffzehn Mohl op de Kirmes – nüühs. Oss Änn, eehmohl Katholikentaach – Dä!“

„Op Huhdütsch“, eine ihr gänzlich ungeläufige Sprache, hätte die Großmutter vermutlich Stunden gebraucht, um dieses Geständnis vorzubringen. Denn „nohm Kreech“ kam es nicht nur gehäuft vor, dass junge Frauen schwanger wurden, ohne dass männliches Begleitpersonal in Sicht gewesen wäre. Es galt auch – man muss sich das heute mal vorstellen - als Schande. Deshalb wurde ja auch der mutigste Mensch in der Großfamilie, „de Omma“, „nohm Standesamp jescheck…“