Experten machen gegen Tihange mobil

Wissenschaftler und Atomexperten aus aller Welt kommen am Freitag und Samstag, 13. und 14. April, in Aachen zusammen. Dort beraten sie über das marode Atomkraftwerk »Tihange«.
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Region (Fö). »Es ist uns gelungen, in Aachen eine große Konferenz mit weltweit renommierten Atomwissenschaftlern zu organisieren, die Position zu Tihange beziehen werden«, zeigt sich Städteregionsrat Helmut Etschenebrg erfreut. Der Konzener kämpft seit über zwei Jahren vehement für die Abschaltung des Pannenreaktors. Während der erste Konferenztag dem internen Austausch der Wissenschaftler und einer semi-öffentlichen Expertenrunde vorbehalten ist, wird samstags eine große öffentlichen Konferenz stattfinden. Stetig neue Meldungen von den Reaktoren in Tihange und Doel sorgen in der Bevölkerung für Verunsicherung. »Das entscheidende Problem ist jedoch, dass es keine fachlich fundierten und aussagekräftigen Informationen zur Situation in Tihange gibt«, glaubt Helmut Etschenberg. »Wir wollen keine Panik schüren und brauchen deshalb eine sachlich fundierte Diskussion.« Abhilfe solle nun die Konferenz der renommierten internationalen Atomexperten schaffen, die sich in »INRAG« zusammen geschlossen haben. In enger Kooperation mit dem Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften der Universität für Bodenkultur Wien ist es dem Städteregionsrat in Kooperation mit dem Land Rheinland-Pfalz gelungen, das Treffen der Wissenschaftler in Aachen durchzuführen.

Keine neuen Erkenntnisse

»Was den aktuellen Sachstand bzw. unsere Klagen anbelangt, so kann ich leider nur sagen: Es gibt noch nichts Neues«, erläutert Helmut Etschenberg. Die Klage vor dem Gericht Erster Instanz in Brüssel (persönliche Betroffenheit), der auch das Medienhaus Weiss beigetreten ist, wird im November erstmals mündlich verhandelt. Auch die Klage vor dem belgischen Staatsrat läuft. »Zudem sind wir im stetigen Austausch mit dem zuständigen EU-Kommissar Canete«, so Etschenberg. Er sei jedoch davon überzeugt, dass man keinen Kurz- oder Mittelstreckenlauf, sondern einen Langstrecken- oder gar Marathonlauf vor sich habe. Schon zum Auftakt der Fachtagung, die unter der Schirmherrschaft von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet steht, werden sich unabhängige Experten zum Zustand von Tihange 2 äußern und eindeutig Stellung beziehen. »Ich bin sicher, dass von dieser Konferenz ein kraftvolles Signal ausgehen wird«, so Etschenberg.

Zusammenschluss von Atomexperten

Zum Anlass des dritten Jahrestages von Fukushima hatten unabhängige internationale Expertinnen und Experten die Vereinigung »International Nuclear Risk Assessment Group« (kurz: INRAG) in Wien gegründet. Ihre Absicht ist es, den Zugang der Öffentlichkeit zu verlässlichen Informationen insbesondere über das Internet zu verbessern und zu mehr Transparenz und Verständlichkeit beizutragen. INRAG will die wissenschaftliche Forschung über nukleare Risiken fördern und eine umfassende Wissensbasis über nukleare Risiken zur Verfügung stellen. Mitglieder sind Professoren, ehemalige Mitarbeiter und Leiter von Atomaufsichtsbehörden, unabhängige Wissenschaftler und Sachverständige mit interdisziplinärem Hintergrund. Mehr zum Thema erfahren Sie auf unserer Themenseite http://www.wochenspiegellive.de/tihange-abschalten/

Anmeldung zur Fachtagung

Depot Talstraße Talstraße 2 52068 Aachen
Teilnahme ist kostenlos! Samstag, 14. April
09:30 Uhr Begrüßung
09:45 Uhr Technische Grundlagen zur Beurteilung der Rissbefunde in den Kernkraftwerken Tihange 2 und Doel 3, Christoph Pistner
10:35 Uhr Wie viel Risiko können wir uns erlauben? Erfahrungen aus der US-amerikanischen Atomaufsicht, Greg Jaczko
11:05 Uhr Ungelöste Probleme der Materialstruktur des Reaktordruckbehälters von Tihange 2, Rene Boonen
11:45 Uhr Die Entscheidungen der belgischen Aufsichtsbehörde FANC aus technischer und verfahrensrechtlicher Sicht, Wolfgang Renneberg n Radiologische Konsequenzen einer Freisetzung für den Raum Aachen, Nikolaus Müllner
12:30 Uhr Podiumsdiskussion mit den Rednern, moderiert von Tom Hegermann Für die öffentliche Fachtagung mit moderierter Talkrunde am Samstag, 14. April, ab 9.30 Uhr wird um Anmeldung gebeten: E-Mail an veranstaltungen@staedteregion-aachen.de