Abpfiff nach 35 Jahren

Über 35 Jahre war er auf dem grünen Rasen bei zahlreichen Fußballmatches der »Mann an der Pfeife«. Jetzt tritt Lothar Peters samt gelber und roter Karten in den Ruhestand.
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Schwärmt von schönen Zeiten: Lothar Peters. Das Foto aus 1992 zeigt ihn (r.) mit seinen Kollegen Michael Herpers und Peter Oprei (v.l.) bei einem Spiel der Brander Borussia. Foto: Günther Sander

Schwärmt von schönen Zeiten: Lothar Peters. Das Foto aus 1992 zeigt ihn (r.) mit seinen Kollegen Michael Herpers und Peter Oprei (v.l.) bei einem Spiel der Brander Borussia. Foto: Günther Sander

Für Lothar Peters beginnt nun die »dritte Halbzeit«. Der Sportsmann aus Roetgen war stets bescheiden, nie ein Pierluigi Collina, kein Walter Eschweiler, er hat in all den Jahren mit viel Engagement objektiv und neutral die Einhaltung der Regeln kontrolliert, seinen Job mit reichlich Herzblut als Unparteiischer ausgeübt. Bei einer Sportwoche 1983 in Roetgen griff Lothar Peters erstmals in die Tasche, um seine Pfeife in Aktion bringen zu können. Es waren Spiele der E-Jugend, dann folgte der Einsatz bei der C-Jugend bis 1987. Ziel eines jeden Schiedsrichters sei es, weiter nach vorne zu kommen. »Das klappte auch bei mir, so wie es gerade möglich war«, erzählt er von den Stationen: 1989 Kreisliga A, 1990 Bezirksliga, 1993 Landesliga, 1995 Verbandsliga. »Dann war ich auch als Assistent bis in die 3. Liga und sogar in der Damenbundesliga dabei«, lacht er. Leider habe eine Asthmaerkrankung einen weiteren möglichen Aufstieg jäh unterbrochen. Seit 2001 ist er mit der Ausbildung und Beurteilung von Schiedsrichtern bis zur Oberliga Nordrhein einschließlich Perspektivkader des Fußballverbandes Mitteilrhein (FVM) beschäftigt. Von 1983 bis heute war Lothar Peters Vereinsschiedsrichter beim Bezirksligisten FC 13 Roetgen.

Schirischelte nimmt zu

Sein erstes Spiel in einer höheren Klasse: »In der Verbandsliga leitete ich die Begegnung SW Düren gegen Frechen 20.« Die höchste Klasse war für ihn die Mittelrheinliga (Oberliga). Dann schwelgt er in Erinnerungen, von Einsätzen bei Freundschaftsspielen Schalke 04 gegen Borussia Dortmund. Die Knappen aus dem Ruhrpott sind sein Lieblingsclub. Das Derby Schalke gegen Dortmund hätte ich gerne mal geleitet. Es kam anders, es war ein entscheidendes Spiel um die Teilnahme am DFB-Pokal der A-Junioren von Bayer 04 Leverkusen gegen Uerdingen, ergänzt Peters. Auch Negatives erlebt? »Ja, als aktiver Schiri nicht, aber als Beobachter bei einem Spiel in der Landesliga, wo beide Mannschaften alles an Unsportlichkeiten auslebten, was nur möglich war«, ist er noch heute erschüttert. Auf das Fanverhalten angesprochen, weiß Peters, das Schiris oftmals »gefährlich leben«. Zum Glück jedoch sei er nie persönlich bedroht worden. Es habe aber einen Wandel gegeben. Peters bringt es auf einen Nenner: »Es ist einfach viel Menschlichkeit verloren gegangen. Und die Spitze entfernt sich immer mehr von der Basis«, so das Urteil eines Mannes, der das Fußballgeschäft jahrelang hautnah miterlebt hat. Ob er dem Fußball, speziell dem FC Roetgen weiterhin erhalten bleibt, werde sich zeigen müssen. Für Notfälle sei er immer zur Stelle, dann nimmt er auch eine Fahne als Assistent in die Hand.